EUTIN : Stadt plant Kauf des alten Katasteramtes

Im Katasteramt könnten bis zu 39 Flüchtlinge untergebracht werden.
Im Katasteramt könnten bis zu 39 Flüchtlinge untergebracht werden.

Flüchtlingsunterbringung: Bürgermeister soll mit dem Land die Konditionen klären.

shz.de von
16. Juli 2015, 06:00 Uhr

Es ist ein sensibles Thema, das die Kommunen derzeit wie kein zweites beansprucht: die Unterbringung von Flüchtlingen. Der Eutiner Hauptausschuss machte am Dienstagabend einstimmig den Weg für weitere Verhandlungen mit dem Land frei, um Flüchtlinge im ehemaligen Katasteramt einquartieren zu können.

Der Beschluss erfolgte mit der Maßgabe an den Bürgermeister, nicht nur über langfristiges Mieten, sondern auch über einen möglichen Kauf zu verhandeln. Nach ersten Kostenschätzungen soll der Umbau rund 300  000 Euro kosten und danach Platz für bis zu 39 Flüchtlinge in der Vahldiekstraße sein. Einstimmig sprachen sich die Ausschussmitglieder gegen einen Rückbau auf städtische Kosten aus, sollte das Land die Immobilie irgendwann wieder übernehmen.

Der Beschlussvorschlag zum Katasteramt lieferte den Anstoß, um generell über die aktuelle Situation in Eutin zu sprechen. Wie viel Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung nötig ist, machte die Frage einer besorgten Anwohnerin des Katasteramtes deutlich: „Wie werden die Männer den ganzen Tag über beschäftigt?“ Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz betonte, dass es ohne die Hilfe von Ehrenamtlern gar nicht gehe und die Flüchtlingskoordinatoren Sophia Schutte und Christian Grantz in direktem Kontakt mit den Menschen vor Ort stehen. Schulz: „Sobald da etwas spruchreif ist, werden wir für die Bürger eine Infoveranstaltung machen.“

Mitarbeiter der Stadt suchen ununterbrochen nach geeignetem Wohnraum für Flüchtlinge. Das Gelände hinter „Piratencurry“ ist laut Schulz für Sozialen Wohnungsbau auch für Asylsuchende ins Auge gefasst; an einer Containerlösung im Lindenbruchredder werde „mit heißer Nadel gestrickt“. Schulz: „Eigentlich wollten wir den Lindenbruch komplett dicht machen, aber das sieht momentan nicht danach aus.“ Das Problem bei der Wohnungssuche schilderte Julia Lunau vom Ordnungsamt: „Wir bekommen fast nur noch Einzelpersonen zugewiesen. Die Wohnungen eignen sich aber oft eher für Familien.“ 50 Asylsuchende sind in diesem Jahr schon in Eutin, 77 weitere sollen laut Quote noch folgen. Die Stadt rechnet allerdings mit weiteren 100 bis 120 Menschen.

Auch sei es derzeit noch nicht realisierbar, nur die Flüchtlinge mit Aussicht auf Anerkennung des Asylgesuchs aus Neumünster zugewiesen zu bekommen. „Das würde unsere Situation erheblich erleichtern“, sagte Lunau. Derzeit wohnen auch anerkannte Asylbewerber in Wohnungen, die für Asylsuchende gebraucht werden. Lunau: „Wir können und wollen sie ohne eigene Wohnung nicht vor die Tür setzen. Dennoch arbeiten wir gerade an einer Infoveranstaltung mit dem Kreis zum Thema Wohnungssuche.“ Es soll kein Drängen sein, eher ein Informieren über die Details und Möglichkeiten, die Wohnungssuchende haben.

Auch die Finanzierung sei ein Problem. „Der Kreis übernimmt die Kosten, wenn die Wohnungen tatsächlich belegt sind“, sagt Lunau. Kurzfristiger Leerstand, Umzüge und Renovierarbeiten trägt die Kommune. Eng wird es auch bei Familienzusammenführungen. „Übergangsweise müssen wir Frau, Kinder oder auch Eltern unterbringen, ohne dass es uns auf die Quote angerechnet wird“, erklärte Lunau.

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