Stadt hat nur wenige Hebel gegen Jakobskreuzkraut

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06. März 2017, 00:47 Uhr

Eine flammende Einführung in den „Umgang mit Jakobskreuzkraut auf städtischen Flächen“ lieferte Heiko Godow (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, in der jüngsten Sitzung. Am Ende der Diskussion blieb ein „da müssen wir mal schauen“.

Bauamtsleiter Bernd Rubelt informierte die Ausschussmitglieder über die begrenzten Möglichkeiten der Stadt, „auf den wenigen Flächen, auf denen wir entscheiden“, gegen das Jakobskreuzkraut (JKK) vorzugehen. Das JKK sei eine heimische Pflanzenart, die vielen Insekten als Nahrung und zur Eiablage diene. Rubelt: „Wo wir können, haben wir vorbeugende Maßnahmen vereinbart wie beispielsweise die Mahd der öffentlichen Flächen.“ Straßenbegleitgrün sei ebenfalls ein wichtiges Thema. Heinz Lange (FWE) sagte, das Land habe die Mahd von Böschungen aus Kostengründen eingestellt und mähe nur noch den Straßenrand: „Das geht so nicht, das müssen wir wieder einfordern.“

Auch beim Neuabschluss von Pachtverträgen würden entsprechende Vereinbarungen getroffen, sagte Rubelt, um die Ausbreitung der gelb blühenden Pflanze zu minimieren. Bei den Flächen im Gewerbegebiet der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh), die das Interesse des Ausschusses auf dieses Thema gelenkt hatten, bestehe aber ein anderes Problem: „Bei Flächen, deren Eigentümer die Egoh ist, sind wir verfügungsberechtigt, die werden entsprechend gepflegt. Aber angrenzend in dem Gebiet haben wir auch Flächen an den Nabu übertragen, der sich an die Grünordnungspläne halten muss“, so Rubelt. Und diese Grünordnungspläne seien erstellt worden, als das JKK noch kein Problem gewesen sei.

„Es wird derzeit demnach rechtskonform gehandelt und die Pachtverträge laufen bis 2028“, fuhr Rubelt fort. Ein Teil der Flächen werde als extensive Weidefläche genutzt, auf der auch ein gut 1000 Quadratmeter großes Amphibienlaichgewässer sei. Eine Mahd auf diesen Flächen sei, so Rubelt weiter, nicht mit den Naturschutzzielen vereinbar. Monika Obieray (Grüne) bekräftigte: „Da ist ein wertvolles Biotop entstanden. Da kann man nicht mähen, sonst ist die Rotbauchunke da verschwunden.“ Die Flächen seien damals außerdem als Ausgleichsflächen abgegeben worden, da sei der Handlungsrahmen begrenzt, sagte Rubelt.

Heiko Godow wurde konkret: „Wenn der Zustand so bleibt, wie er ist, denken die Vorbeifahrenden in zwei Jahren, dass dort Raps steht, so gelb wird das sein. Dann besteht die Gefahr, dass sich das Zeug auf den Nachbarflächen ausbreitet.“

2015 seien sieben Prozent des Honigs nachweislich mit den für den Menschen gefährlichen Stoffen belastet gewesen, die dem JKK zugeschrieben würden, 2016 seien drei Viertel aller Proben belastet gewesen, 20 Prozent davon viel zu hoch für den Verzehr. Christiane Balzer (Grüne) warnte davor, das JKK zu verteufeln und dem wertvollen Honig schlechte Werbung zu verschaffen. „Der Honig ist bei uns in Ostholstein nicht ungenießbar.“ Balzer weiter: „Die Bienen fliegen auf das JKK, weil sie zwischen Raps- und Lindenblüte kein anderes Blühangebot haben. Das hat auch mit der Landwirtschaft zu tun, die die Vielfalt des Blühangebotes wegspritzt.“ Jede andere Betrachtung sei sehr einseitig.

Gabriele Appel (SPD), die selbst Bienen hält, bestätigte das: „Wir Imker versuchen, ein breites Angebot zu bieten, aber auf vielen Feldern wird die Fruchtfolge gar nicht mehr eingehalten.“

SPD und Grüne warben dafür, das Blühangebot wieder zu vergrößern, die FDP schloss sich bei dem Punkt „nur Mähen allein genügt nicht“ an. Die Verwaltung soll den Kontakt zu den Landesbetrieben aufnehmen. Godow schloss die Diskussion mit den Worten: „Wir müssen schauen, wie wir im Rahmen des Umweltausschusses weiter mit dem Thema verfahren.“

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