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Staatsanwalt fordert sechs Jahre Haft für die Mutter des kleinen Juri

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des kleinen Juri hat die Staatsanwaltschaft am Freitag vor dem Lübecker Landgericht gefordert, die Mutter des Jungen wegen Totschlags zu sechs Jahren Haft zu verurteilten. Da Ramona R. (34) nach Aussage der psychiatrischen Sachverständigen unter einer emotionalen Persönlichkeitsstörung leide und potenziell gefährlich sei, solle sie bis auf weiteres in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, sagte Staatsanwalt Nils-Broder Greve. Der 34-Jährigen wird vorgeworfen, im April 2016 in Eutin ihren zweieinhalb Jahre alten Sohn Juri mit seinem Schlafsack erdrosselt zu haben. Dies hatte die Angeklagte bis zuletzt bestritten. In ihrem Schlusswort sagte sie unter Tränen: „Mein Leben ist ohne mein Kind nicht wertvoll. Ich habe doch immer alles für ihn getan.“

Der Anwalt der Nebenklage forderte im Namen von Juris leiblichem Vater sogar acht Jahre Haft und die Einweisung in eine psychiatrische Klinik.

Nach Ansicht der Verteidigung konnte dagegen der Angeklagten ein Tötungsvorsatz nicht schlüssig nachgewiesen werden. Andre Vogel beantragte deshalb, seine Mandantin Ramona R. wegen fahrlässiger Tötung in einem minderschweren Fall zu verurteilen. Ein konkretes Strafmaß forderte er nicht. Die Höchststrafe dafür beträgt nach dem Gesetz drei Jahre und neun Monate.

An den vorherigen Prozesstagen hatte die 34-Jährige die Stunden vor Juris Tod als ganz normalen Abend geschildert. Sie habe noch ein bisschen mit ihm herumgetobt, weil er nicht schlafen wollte. Dann habe sie dem Jungen seinen Kinderschlafsack angezogen und ihn in sein Bettchen gelegt. „Als ich das Zimmer verließ, war noch alles in Ordnung und am nächsten Morgen war er tot“, sagte Ramona R.. Auf Nachfrage hatte sie zugegeben, dass es zuvor einen heftigen Streit mit ihrem Lebensgefährten gegeben hatte – über ihren Umgang mit Juri.

Die Staatsanwaltschaft und Nebenklage gingen deshalb nach der Beweisaufnahme davon aus, dass die Angeklagte Angst hatte, ihren Lebensgefährten Michael S. zu verlieren. Sie habe unter ganz erheblichem Stress gestanden, sei durch Juris zunehmende Behinderung, den Streit mit Michael S. und das überlebhafte Kind überfordert gewesen, so Greve. „Aus ihrer Sicht war Juri der größte Stressfaktor,
sie hat diesen Stressfaktor beseitigt“, so der Staatsanwalt.

Nach Ansicht des Verteidigers hätte auch Michael S. die Möglichkeit gehabt, Juri zu töten. Er hatte gegen 21.30 Uhr das Wohnzimmer verlassen, um zur Toilette zu gehen. „In der Zeit hätte er theoretisch auch ins Schlafzimmer gehen und Juri erdrosseln können“, sagte Vogel. Nach Aussagen des Gerichtsmediziners starb Juri zwischen 20.30 und 22 Uhr. Gutachter konnten dagegen am Schlafsack nur eine Mischspur mit der DNA von Michael S. aber viele mit der DNA Ramona R.’s nachweisen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft kommt nur Juris Mutter als Täterin in Betracht. „Sie war in der tatkritischen Zeit mit Juri allein im Raum, sie hatte ein Motiv und ein Unfall scheidet nach Aussagen der Sachverständigen aus“, sagte Greve. Das Urteil wird am 28. Februar verkündet.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 14:51 Uhr

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