Eutin : St. Elisabeth will Geriatrisches Zentrum werden

Zwischen Krankenhaus (rechts) und Tagesklinik wird das 200-Betten-Gebäude entstehen. Das Technikgebäude (M.) muss weichen. Die Technik landet „unter Tage“.
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Zwischen Krankenhaus (rechts) und Tagesklinik wird das 200-Betten-Gebäude entstehen. Das Technikgebäude (M.) muss weichen. Die Technik landet „unter Tage“.

Bürgermeister Carsten Behnk besuchte das Krankenhaus in Eutin im Rahmen seiner Wirtschaftstour

shz.de von
20. Juli 2018, 17:14 Uhr

„Ich weiß, was das Sankt Elisabeth alles bietet und kenne den guten Ruf des Hauses“, sagte Carsten Behnk gestern während seines Besuchs in dem Krankenhaus. Der Eutiner Bürgermeister erfuhr von Geschäftsführerin Kerstin Ganskopf, dass das St.-Elisabeth-Krankenhaus keine Nachwuchs- und Personalprobleme habe. Das sei in der Branche ungewöhnlich, zeigte sich Behnk beeindruckt, und es habe wohl etwas mit der Ausrichtung und der hohen Wertschätzung für die Mitarbeiter zu tun.

Das St. Elisabeth hat sich auf die Behandlungsbereiche Palliativmedizin, Geriatrie und Demenz spezialisiert. Der Bürgermeister war mit Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt im Rahmen seiner Wirtschaftstour in dem Haus und sprach mit der Geschäftsführerin, dem ärztlichen Leiter und dem von Pflege- und Sozialdienst.

Die „tolle und segensreiche Einrichtung“, als die Behnk sie bezeichnete, hat großes vor. Hinter dem Krankenhaus wird ein Palliativzentrum mit 20 Betten für mehr als sechs Millionen Euro entstehen. Das Land hatte die Übernahme der Kosten zugesagt (wir berichteten). Eine erneute Feinberechnung durch Kiel stehe noch an, sagte Ganskopf. Der Baubeginn sei für Anfang nächsten Jahres geplant.

Ganskopf verbindet mit dem Erweiterungsbau zwischen Krankenhaus und Tagesklinik einen Wunsch. Sie möchte in dem dann frei werdenden Teil des Hauptgebäudes ein geriatrisches Zentrum unterbringen. „Wir brauchen beides dringend.“ Als Zentrum könne auf mehr Finanztöpfe als das hinlängliche Abrechnungssystem zurückgegriffen werden. Die Finanzierung sei mit dem Land allerdings noch gar nicht geklärt.

Mit Blick auf die Veränderungen in den landesweiten Versorgungsstrukturen sagte die Geschäftsführerin: Solche Strukturen zusammenzuführen gelinge nur, wenn sich die verschiedenen Versorger an einen Tisch setzten. Dafür sei das St.-Elisabeth-Krankenhaus selbstverständlich offen. Die Verhandlungen über ein gemeinsames geriatrisches Behandlungsangebot mit den Sana-Kliniken seien zwar gescheitert, doch grundsätzlich gelte: „Wir sind bereit für alles, was gebraucht wird, die Verantwortung zu übernehmen.“

Ein konkretes Konzept hat Ganskopf bereits in ihrer Schublade. Das enthält eine ambulante Behandlung von dementen Patienten, die in mentale Ausnahmesituationen geraten sind (Delier). Das erspare Patienten unnötige Krankenhausaufenthalte, halte aber auch Behandlungskapazitäten frei, sagte Chefarzt Dr. Hartmut Niefer. In Schleswig-Holstein würden 5000 demente Personen dem Kreis deliergefährdeter Menschen zugerechnet.

Das hauseigene Konzept ist nach Aussage Ganskopfs mit allen voraussichtlichen Partnern abgestimmt. Zu ihnen gehörten Pflegestützpunkte, sozialpsychiatrische Dienste, Polizei, niedergelassene Ärzte und andere Einrichtungen.

Das Betreuungsverhältnis in Sankt Elisabeth ist für ein Krankenhaus unüblich. So kümmert sich im Palliativ-Bereich eine Pflegekraft um einen Patienten, im geriatrischmedizinischen Bereich betreut eine Pflegekraft rechnerisch 1,6 Patienten. Solch ein intensives Verhältnis sei nur möglich, weil das Krankenhaus, das zum Elisabeth-Vinzenz-Verbund (EVV) gehöre und damit freigemeinnützig sei, das eingenommene Geld wieder in die medizinische Versorgung stecken könne als andere Häuser, die Gewinne erzielen müssten. Das ist übrigens einer der Gründe, warum Hartmut Niefer 2010 ans St. Elisabeth wechselte, wie er sagte.

Niefer zufolge arbeitet das Krankenhaus medizinisch sehr gut mit den Sana-Kliniken, dem Kreiskrankenhaus Preetz, der Schön-Klinik Neustadt und anderen Häusern zusammen. Wöchentlich besuchten Ärzte anderer Häuser „ihre“ Patienten in Eutin und umgekehrt.

Bürgermeister Behnk betonte: „Als Kommune sind wir stets gefordert, auch wenn wir nicht der Träger sind.“ Ganskopf: „Wunderbar, dass die Stadt dieses Interesse hat. Denn wir sind auch mit anderem Träger Teil der kommunalen Daseinsvorsorge.“

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