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Ostholsteiner Anzeiger

16. August 2017 | 17:25 Uhr

Malente : Spuren einer Ansitzdrückjagd

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Jäger ließen erschossenes Wild liegen. Anwohner sind in Aufruhr: „Das, was hier passiert ist, hat nichts mit Waidgerechtigkeit zu tun.“

Der Respekt vor Mensch und Tier schien bei einer Ansitzdrückjagd in Krummsee am Samstagmittag offensichtlich nicht vorhanden gewesen zu sein. Zurückgelassenes, durch Bauchschüsse verendetes Damwild sowie das Jagen in unmittelbarer Nähe eines befriedeten Geländes mit Wohnhaus und Pferdekoppel sorgen bei den Eigentümern für Unverständnis.

„Das ist das Schlimmste, was ich erlebt habe. Die Geräuschkulisse war so furchtbar“, ist Claudia Pörksen, die mit ihrem Besuch die Situation auf ihrem Grundstück an der Straße Am Hängebargshorst hautnah erlebte, noch einen Tag später erschüttert. In dem an der Pferde- und Schafkoppel angrenzenden, etwa 300 Meter entfernten Wald, wurde Damwild mit lautem Gebell und Rufen aus Richtung Streuobstwiese gen Hochsitz getrieben. Dieser wurde erst im Sommer neu aufgestellt und hat die Blickrichtung gen Wohnhaus der fünfköpfigen Familie Pörksen.

„Als einer der Schüsse abgegeben wurde, zogen wir unsere Köpfe automatisch ein, weil wir dachten, dass der in unsere Richtung geht“, so Claudia Pörksen weiter. Die Pferde, Ponys und Schafe seien wild durcheinander gerannt. Und das Schreien des Damwilds, das einen Weidezaun in Panik durchbrach, habe sie noch im Ohr.

Kurzerhand habe Claudia Pörksen sich auf den Weg in den Wald gemacht und durch Rufen auf sich aufmerksam gemacht. Als sie den Jäger auf dem Hochsitz zur Rede stellte, habe dieser angegeben nicht in Richtung Haus, sondern weiter nach links gehalten zu haben. Trotz allem habe bei dieser Situation eine Abprallgefahr bestanden, die nicht nur die Pferde und Schafe hätte treffen können, sondern auch eines ihrer zwei- bis achtjährigen Kinder, habe Claudia Pörksen moniert.

Direkt am Koppelzaun, im Wald liegend, fand sie zwei verendete Tiere – ein Damwildkalb und ein Alttier. Beide Tiere, die keine zehn Meter voneinander entfernt lagen, waren durch einen Schuss in den Bauch getroffen und verendet. Nur wenige Meter entfernt wurde ein Tier aufgebrochen (ausgenommen). Davon zeugten die nicht vergrabenen Innereien.

„Drückjagden müssten verboten werden, denn sie passen nicht zur Waidgerechtigkeit“, lehnt Ole Pörksen, der nach den Geschehnissen ein Bild machte, diese Art des Jagens ab. Er selbst ist seit zehn Jahren Jäger und hat ein eigenes Revier in Ahrensbök. Es könne nicht sein, dass Jäger 100 Euro zahlen, um dann schießen zu können. „Das, was hier passiert ist, hat nichts mit Waidgerechtigkeit zu tun“, sagte Ole Pörksen, der an dem Tag mit Jagdkollegen im Benzer Revier unterwegs war. Das Verhalten, das an den Tag gelegt wurde, kann er absolut nicht nachvollziehen. Unverständnis auch darüber, dass die Tiere auch gestern noch im Wald lagen. „Ich kann nicht verstehen, warum ein Tier gebrochen (aus- und mitgenommen) wurde und die anderen beiden liegen gelassen wurden.“ Seine einzige Vermutung: Die Tiere wurden waidwund geschossen – das heißt, das Fleisch kann nicht mehr verwertet werden. Auch eine sogenannte letzte Äsung – eine Ehrung für geschossenes Wild in Form eines Eichenbruchs, das dem Tier ins Maul gelegt wird – vermisst Ole Pörksen. Laut Gesetz ist es verboten, ein angeschossenes Tier einfach seinem Schicksal zu überlassen. Das ist Wildfrevel.

„Als Jäger hast Du Regeln einzuhalten“, betont Ole Pörksen. So gilt nach den ethischen und gesetzlichen Grundsätzen des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit vor allem für einen sicheren Schuss und einen damit verbunden schmerzlosen Tod des Tieres zu sorgen. Außerdem habe jeder Jäger die öffentliche Sicherheit zu beachten und dürfe nicht auf befriedetem Gebiet schießen, also dort wo Gebäude, Menschen und Tiere zu finden sind. Ebenso gelte es, Wild im Trott oder im Stehen zu schießen, und nicht im Lauf oder gar auf der Flucht, so der dreifache Vater.

„Wenn ein Jäger einen Schuss abgibt, dann merkt er sich, an welchem Platz das Tier getroffen wurde. Und wenn es noch weiter gelaufen ist, dann verfolgt man es durch das Zielfernrohr“, so Ole Pörksen weiter. Bei einer Ansitzdrückjagd könne jedoch nicht sofort der Hochsitz verlassen werden, weil das zu gefährlich sei. Das sei erst nach Beendigung möglich.

Dann gelte es, die Waffen zu entladen und der Verpflichtung nachzukommen, die geschossenen Tiere zu suchen, erläutert Ole Pörksen. Wenn sie nicht gefunden werden, werde ein Schweißhundeführer angefordert, der sich mit extra dafür ausgebildeten Hunden auf den Weg mache.

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