Sprachrohr für die Traditionssegler

Den Gedanken des Sail Trainings auf Traditionsschiffen zu fördern ist ein Anliegen der neu gegründeten German Sail Training Union.
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Den Gedanken des Sail Trainings auf Traditionsschiffen zu fördern ist ein Anliegen der neu gegründeten German Sail Training Union.

Sail Training Union in Rostock ins Leben gerufen / Kooperation von Bremerhaven bis Rostock soll ausgebaut werden

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07. Juni 2015, 19:06 Uhr

Sie ist gerade erst gegründet und hat doch schon 10  000 Mitglieder hinter sich – neun Vereine haben die German Sail Training Union (GSTU) ins Leben gerufen, die sich die Förderung des Sail Trainings – dem Lernen von Segeln und Seemannschaft – auf die Fahnen geschrieben hat. Im Interview spricht der Kieler Vorsitzende Michael Saitner über den Hintergrund und die Ziele des neuen Verbands.

Sie sind seit wenigen Tagen nicht nur Vorsitzender des Vereins hinter dem Kieler Traditionssegler Thor Heyerdahl, sondern auch der neuen German Sail Training Union. Wie kam es zur Gründung?
Es hat in den letzten Jahren zwischen vielen Schiffen einen sehr intensiven Kontakt und Austausch gegeben, der klar gezeigt hat, dass es in Deutschland an einem Dachverband für Sail Training Schiffe und die entsprechenden Schiffsbetreiber mangelt. Eine solche dachverbandliche Funktion will und kann die GSTU erfüllen, um die Interessen der Schiffe zu bündeln. Das muss viel stärker erfolgen, als es bislang in Deutschland der Fall ist. Wir brauchen mehr Miteinander, mehr Austausch, mehr Hilfe – und all dieses muss koordiniert werden, damit es für alle eine spürbare Verbesserung geben kann.
Was sind Ihre Ziele - zeitnah, mittel- und langfristig?
Sehr zeitnah gilt es, den Verein, der nun formal gegründet ist, richtig „zum Laufen“ zu bekommen. Wir müssen Formalitäten erledigen wie die Eintragung ins Vereinsregister, die Eröffnung eines Kontos, die Organisation einer Geschäftsstelle und dergleichen. Wenn dies geschehen ist, möchten wir die Kieler Woche, die Hansesail und andere Gelegenheiten dazu nutzen, um unsere Mitglieder zusammen zu bringen und für neue Mitglieder zu werben. Es wird auch darum gehen, Förderer für die GSTU zu gewinnen, über die Ziele zu informieren und um Unterstützung zu werben. Wir haben ganz bewusst den Mitgliedsbeitrag mit 100 Euro pro Jahr sehr sehr gering gehalten, denn die GSTU soll nicht Mittel von ihren Mitgliedern abziehen, sondern – im Idealfall – auch Mittel einwerben, die sie für gezielte Kooperationen der Mitglieder ausschütten kann. Damit wären wir dann auch schon bei den längerfristigen Zielen. Es wird der GSTU und mir persönlich darum gehen, die schon heute vorhandenen, sehr hochwertigen Aktivitäten der Mitgliedsschiffe besser miteinander zu vernetzen, Kooperationen im Bereich von Aus- und Fortbildung zu fördern und die speziellen Interessen der Sail Training Schiffe mit einer starken Stimme an der Seite unserer Mitstreiter zu vertreten.
Was haben Sie aus Schleswig-Holstein mitgenommen für die Agenda?
Ich glaube, dass meine Erfahrungen bei der Thor Heyerdahl sehr wichtig sind, um das neue Amt gut ausfüllen zu können. Als Vorsitzender eines einzelnen Schiffes weiß ich aus jahrelanger Praxis sehr genau, was die besonderen Herausforderungen sind und in welchen Bereichen die Schiffe Unterstützung benötigen. Ich kann zudem, so hoffe ich, ganz gut beurteilen, wie die Szene tickt, denn ich bin ein Teil davon und kenne viele andere Schiffe schon aus den letzten Jahren sehr gut. Das macht den Einstieg leichter, da man mit den Weggefährten im neuen Vorstand vertrauensvoll zusammenarbeiten kann. Gerade als Kieler nehme ich aber natürlich auch mit, dass Segelgroßereignisse wie die Kieler Woche, die HanseSail oder die Sail Bremerhaven auch ein wichtiger Wirtschafts- und Marketingfaktor für die Küstenländer sind. Daraus ergibt sich, dass die GSTU auch politische Unterstützung brauchen wird, um die ich sehr aktiv werben werde.
Sie bringen neun Vereine unter dem Dach der GSTU zusammen – wie erreichen Sie deren Mitglieder?
Neun Vereine zählen zu den Gründungsmitgliedern, das stimmt. Natürlich wollen wir in Zukunft wachsen und damit noch mehr Vereine erreichen, die im Sail Training aktiv sind. Die Einzelmitglieder unserer Mitglieder werden wir über diese selbst ansprechen – wir wollen nichts überstülpen, denn unsere Mitglieder wissen selbst am allerbesten, wie man die Einzelmitglieder ansprechen kann. Es geht auch in solchen Fragen darum, die Besonderheiten der einzelnen Projekte zu schützen und Profilbildung zu ermöglichen. Es gibt nicht den pauschalen, richtigen Weg, sondern eben ein gemeinsames Handwerkszeug, das wir stärken und allen Mitgliedern zugänglich machen wollen.
Hat so etwas Traditionsreiches wie Sail Training in Zeiten von Smartphones, Tablets, Whats App überhaupt noch eine Chance bei den Jugendlichen heute? Wo sehen Sie die Chancen für die Zukunft?
Ganz klar: Ja. Die Idee und der Sinn des Sail Training ist so attraktiv wie schon lange nicht mehr. Aus meiner Tätigkeit bei der Thor Heyerdahl weiß ich sehr gut, dass Lehrer, Arbeitgeber und Eltern sehr zu schätzen wissen, dass wir insbesondere junge Menschen an Bord eines Schiffes ganz anders ansprechen, ganz andere Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln und den Blick auf Dinge lenken können, die in der zunehmend technisierten und digitalen Welt viel zu kurz kommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Sail Training wertvolle Impulse setzen kann, wenn es um die Herausbildung von sozialen Fähigkeiten wie Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstsein und Toleranz geht. Ich würde mich freuen, wenn die GSTU einen Beitrag dazu leisten könnte, den Gedanken des Sail Training weiter bekannt zu machen und zu erreichen, dass noch mehr Menschen unvergessliche Erlebnisse und prägende Erfahrungen an Bord der Segler sammeln können.

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