Sprache – Schlüssel zur Integration

Dr. Frank Behrendt (von links), Axel Böhm, Alke Elisabeth Voß, Ulrich Mietschke, Gernot Gurkasch und Karl-Heinz Kohn versuchten, Strategien für die Zukunft zu entwerfen.
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Dr. Frank Behrendt (von links), Axel Böhm, Alke Elisabeth Voß, Ulrich Mietschke, Gernot Gurkasch und Karl-Heinz Kohn versuchten, Strategien für die Zukunft zu entwerfen.

Diskussionsteilnehmer wünschen sich ein Abbau der überbordenden Bürokratie zur leichteren Integration von Geflüchteten

shz.de von
14. Juni 2018, 14:01 Uhr

Restriktive gesetzliche Vorgaben, mangelnde Kooperation und die Sprache als größte Hürde erschweren die Integration Geflüchteter in Ausbildung und Arbeitsmarkt. Auf der Suche nach Lösungen luden Dr. Björn Haberer (Bildungskoordinator Kreis Plön) und Jutta Ziegler (Koordinierungsstelle) gestern rund 60 Vertreter von Institutionen nach Plön ein, um Strategien für die Zukunft zu erarbeiten. Es moderierte der Journalist Jörg Wilhelmy.

„Es gibt Vieles, es ist nur zu wenig bekannt. Wir müssen auf lokaler Ebene pragmatische Lösungen finden“, fasste Ziegler nach mehr als drei Stunden zusammen. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die überbordende Bürokratie abgebaut werden müsse.

Referent Karl-Heinz Krohn von der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit forderte eine „spezifische Berufsberatung für Geflüchtete als Schlüssel zur Nutzung eines bedeutenden Fachkräftepotenzials“. Er machte bei Ratsuchenden und Beratern abzubauende Wissensnachteile aus. Integration in Ausbildung und Arbeit könne nur gelingen, wenn die Menschen auch privat akzeptiert, unterstützt und wertgeschätzt seien. „Die Sprachbegleitung muss kontinuierlich und aufeinander sinnvoll aufbauend organisiert sein und zur Verfügung stehen“, so sein Fazit.

Hier setzte die Kritik auch mehrerer Zuhörer und weiterer Referenten an. „Krieg tötet als erstes die Bildung. Es mangelt an Struktur, Kommunikation und Miteinander“, sagten Saskia Hamberg und Helge Wilters vom Jobcenter Preetz. Es sei schwierig, die Zeit zwischen Qualifikation und Vermittlung zu nutzen.

Selina Specht (Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migranten SH, „Alle an Bord“, Eutin) kritisierte weite Wege, hohe Fahrtkosten sowie teils ungewöhnliche Arbeitszeiten, die mit Bus oder Bahn nicht zu bewältigen seien: „Die Arbeit kann nicht zu den Geflüchteten kommen. Mobilität ist ein großes Thema in den Flächenkreisen Plön und Ostholstein und eine große Baustelle.“

„Es wird nicht geguckt, was eigentlich an Qualifikation da ist“, kritisierte Willkommenslotse Ingo Green „komplizierte Verfahren und den Parforceritt durch Behörden für Menschen ohne Aufenthaltstitel, die richtigen Unterlagen zu bekommen“. Die Sprachförderung setze viel zu spät ein.

„Das BAMF möchte Einstufungsergebnisse, aber wir können im Kreis nicht so differenzieren. Alle landen in einem Sprachkursus“, beschrieb Dr. Björn Haberer die „Baustelle Sprache“. Zudem habe man nur gewisse Starttermine für die Kurse, so dass neu Zugewiesene mitten hinein kämen.

„Es gibt in Deutschland keine Berufe, die keine Theorie haben, wir brauchen immer einen Schein für alles“, sagte Axel Böhm (Berufsbildungszentrum Plön/BBZ). Prüfungen der Handelskammer, um Auszubildende auf dem Arbeitsmarkt zu qualifizieren, seien zu schwer. Hilfskräfte hätten nicht lange Bestand auf dem Arbeitsmarkt.

„Was hilft es, wenn alle sich bemühen und am Ende die Prüfungsaufgaben nicht lesen können?“, machte Kreishandwerksmeister Ulrich Mietschke Defizite auch bei deutschstämmigen Schülern aus. Der gesetzliche Rahmen sei nicht da, um ältere Schüler im Berufsleben zu unterrichten. Die Verzahnung müsse enger sein, und es müsse für Betriebe wirtschaftlich sein.

Andere kritisierten häufige Personalwechsel bei befristeten Kursen. Es sei nicht Ziel, kleinste Gemeinden mit Kursen zu besetzen, so Frank Behrendt (BAMF). In Kiel sei das Angebot größer als der Bedarf. Man stimme Angebot und Bedarf ab. Behrendt: „Integration in Arbeit erfordert ein gewisses Maß an Mobilität.“ „Schaffen wir mal ein bisschen Bürokratie ab“, schlug Dehoga-Vizepräsident Andreas Tedsen vor: „Es kommen auch qualifizierte Menschen zu uns, die nur die Sprache nicht können.“

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