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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 09:06 Uhr

Sprache ist Schlüssel zur Integration

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Shammout: Es braucht mindestens ein Jahr bis die Flüchtlinge die deutsche Sprache verstehen und sich in der Kultur zu Recht finden

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 12:21 Uhr

Die Sprache ist für Flüchtlinge bekanntlich der Schlüssel zur Integration. Doch: wie schnell lernen sie die deutsche Sprache, damit sie in der Wirtschaft eingesetzt werden können? Nach Ansicht der Gesetzgeber sollte das in mindestens drei Monaten im Rahmen eines mindestlohnfreien Firmen-Praktikums erledigt sein.

„So schnell geht das nicht, wir benötigen mindestens die doppelte Zeit, denn diese Menschen brauchen zu den Sprachkursen auch dringend Integrationskurse“, weiß Dr. Yazid Shammout, Geschäftsführer von Dana-Senioreneinrichtungen GmbH, aus Erfahrung. Er traf sich kürzlich mit dem CDU-Landesvorsitzenden Ingbert Liebing im Dana-Pflegeheim Plön.

Die Dana-Senioreneinrichtungen würden sofort 25 Flüchtlinge als Praktikanten in ihre Pflegeheime aufnehmen. „Doch für eine erfolgreiche Integration reichen drei Monate nicht aus“, sagt Shammout. Es bedürfe mindestens ein Jahr bis die Flüchtlinge die deutsche Sprache in Wort und Schrift zur Erfüllung der Anforderungen in der Ausbildung verstehen und sich in der Kultur zu Recht finden.

„Ein sechsmonatiges mindestlohnfreies Praktikum könnte man sehr gut mit einem Sprach- und Integrationskurs verbinden“, sagte Shammout. Am Mindestlohn wolle er auf keinen Fall rütteln Das sei ein Mechanismus für in Deutschland lebende Arbeitnehmer und nicht für die Ausnahmesituation von Flüchtlingen.

Eine Ausbildung von Flüchtlingen kommt für Dana erst in Frage, wenn die Flüchtlinge ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland erhalten haben. Shammout: „Es gibt keinen Sinn, in einem Mangelberuf junge Menschen auszubilden und nach zwei Jahren wieder abzuschieben.“ So könnte die Ausbildung im Pflegebereich für Flüchtlinge eine Grundlage für einen dauernden Aufenthalt in Deutschland sein. Die Unternehmen brauchten diese Berufssicherheit, denn die Ausbildung der Flüchtlinge koste sie viel Geld.

Wer sich als Flüchtling in Deutschland integriere, die deutsche Sprache lerne und sich in das Berufsleben einfinde, habe eine Chance in Deutschland.

Shammout klagt zudem über ein großes Manko bei der Registrierung der Flüchtlinge in den Erstaufnahmelagern: „Der ausgeübte Beruf wird nicht abgefragt.“ Hier könnte man die beruflichen Perspektiven für die Flüchtlinge schon sehr früh in die entsprechenden Bahnen lenken. Shammout fordert die Politiker auf, zunächst in ihren Wahlkreisen pragmatische Lösungen für die Probleme der Flüchtlinge und die der Pflegeeinrichtungen in Deutschland zu finden. Ihre gesammelten Erfahrungen sollten sie dann wirksam in einem großen Ganzen zusammenfassen.

„Bei der Integration, insbesondere in den Arbeitsmarkt, müssen wir flexibler werden“, meint auch CDU-Landeschef Ingbert Liebing in Plön. Ohne den Mindestlohn in Frage zu stellen, sollte nach seinen Worten die bisherige Regelung für Praktika von drei auf sechs Monate erweitert werden, um Flüchtlingen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Sprache, Bildung und Arbeit seien die Schlüssel der Integration. In sechs Monaten werde den Flüchtlingen ein verbesserter Zugang zu Praktika ermöglicht. Liebing: „Gerade daraus kann sich am ehesten die Perspektive ergeben, in Ausbildung oder in Arbeit zu kommen.“

Liebing hatte das Thema gleich in den CDU-Bundesvorstand getragen: „Wir haben dort bereits beschlossen, dass wir uns dafür einsetzen wollen, die mindestlohnfreien Praktika von drei auf sechs Monate zu verlängern.“ Der Vorschlag des CDU-Bundesvorstandes müsse jetzt in der Koalition in Berlin durchgesetzt werden.

Der Mindestlohn selbst werde dabei nicht infrage gestellt. Schon heute gebe es die Möglichkeit, dass in den ersten zwölf Monaten einer Beschäftigung der Mindestlohn ausgesetzt wird, wenn es sich um eine „Einstiegsqualifizierung“ handele. Gerade bei Flüchtlingen kann davon am ehesten Gebrauch gemacht werden, wenn mit der Beschäftigung im Betrieb auch Qualifizierungsmaßnahmen verbunden seien.

 

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