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Ostholsteiner Anzeiger

20. September 2017 | 22:13 Uhr

Sportsvan statt Altenkaffee

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 25.Apr.2014 | 18:02 Uhr

Sprache ändert sich. Natürlich. Besonders bewusst wurde mir das neulich bei der Lektüre von Goethes Italienreise: Der Dichterfürst hatte zwar eine erstaunlich moderne Sprache drauf, nutzte aber auch eine Reihe von Wörtern, die heute nicht mehr verwendet werden. Oder die ihren Wortsinn verändert haben. „Dämlich“ zum Beispiel war ursprünglich nicht negativ besetzt.

Manche Wörter verschwinden aus unserem Wortschatz, weil die Technik überholt ist (Beispiel Bandsalat). Manche verschwinden, weil sie angeblich politisch nicht korrekt sind. Die Verbannung von Wörtern wie Negerkuss oder Zigeunerschnitzel finde ich total bescheuert, um es mal simpel auszudrücken.

Und manche Wörter verschwinden, ohne dass ich es verstehe.

Es ist noch nicht lange her, da wurde von verschiedenen Einrichtungen zum Altenkaffee geladen; oder zum Altentreffen und Altennachmittag. Da war es offebar noch nicht anrüchig, alt zu sein. Im Gegenteil: Wer alt geworden war, hatte automatisch Rücksicht und Respekt der Jüngeren verdient.

Jetzt, wo ich selbst immer älter werde, darf ich dieses Wort nicht mehr verwenden, ohne regelrecht beschimpft zu werden. Nein, heute heißt es Seniorenkaffee. Und Seniorenheim. Und Seniorenausflug. Und Best Ager. Und Silver Surfer. Wer Sprache liebt, der wendet sich mit Grausen...

Ist es nicht merkwürdig, dass ausgerechnet in einer Gesellschaft mit einem übermäßig wachsenden Anteil alter Menschen der breite Versuch unternommen wird, das Alter sprachlich zu verbrämen?

Wie empfindlich mittlerweile die breite Masse geworden ist, hat auch der VW-Konzern gemerkt. Das Modell Golf plus wurde gern von älteren Menschen gekauft, weil sie in das höher gebaute Fahrzeug leichter einsteigen können. Da der Name „Golf plus“ nach alten Leuten klingt und nicht mehr gut ankommt, heißt das Nachfolgemodell jetzt
„Golf Sportsvan“.

Achim Krauskopf

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