Sportplatz belastet TSV Schönwalde

Der Sportplatz am Jahnweg ist für den TSV Schönwalde eine nicht tragbare finanzielle Belastung sagt, die Vorsitzende Piutti.
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Der Sportplatz am Jahnweg ist für den TSV Schönwalde eine nicht tragbare finanzielle Belastung sagt, die Vorsitzende Piutti.

Zukunft des Vereins Thema der Jahresversammlung / Turnsparten ziehen positive Bilanz

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26. März 2017, 17:38 Uhr

Wollen wir Fußball und Leichtathletik in Schönwalde? Diese Frage stellte die 1. Vorsitzende Claudia Piutti den Mitgliedern des Turn- und Sportvereines (TSV) Schönwalde in der Jahresversammlung in der Bürgerbegegnungsstätte Mönchneversdorf. Anstoß für die Frage nach den Zielen von Verein und Gemeinde sind die Finanzen des Vereins: Die Bewirtschaftung der Sportanlage am Jahnweg samt Mehrzweckhaus habe den 495 Mitglieder starken Verein im vergangenen Jahr 18  722,31 Euro gekostet, rechnete der Vorstand vor. Damit flössen bei einem Haushalt von knapp 50  000 Euro 82 Prozent der Mitgliedsbeiträge von jährlich 23  000 Euro in die Sportanlage. Zwar habe man das Defizit von 4100 Euro im Jahr 2015 auf 2500 Euro senken können, dennoch lebe man von den Rücklagen. Das bestätigte Steuerberater Horst Frahm, der keine Chancen auf steigende Einnahmen sieht und mahnte: „Ihr seid in drei Jahren pleite.“

Soweit solle es nicht kommen, betonte Piutti. Mit der Unterstützung ihrer Stellvertreterin Anja Kröger und Kassenwartin Melanie Lindau wolle sie nichts unversucht lassen. „Wir können aber die Augen nicht vor dieser Entwicklung verschließen. Am Ende haften wir auch mit unserem Privatvermögen.“ Das sei auch der Grund für die Kündigung des Nutzungsvertrages für den Sportplatz zum Ende des Jahres gewesen.

Neben den laufenden Kosten komme noch ein Investitionsstau auf der Sportanlage hinzu, gegen die auch mit den motiviertesten Mitgliedern nicht anzukommen sei. „Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut und mancher hat seinen Jahresurlaub auf dem Sportplatz verbracht. Aber irgendwann gehen mir die Leute aus“, beschrieb Piutti die Situation.

Damit Leichtathletik stattfinden könne, müsse die Laufbahn für 18  000 Euro saniert werden. Die Absprungbretter der Weitsprunganlage seien morsch. Für den Grandplatz müssten 20  000 Euro kalkuliert werden. Geld, das der Verein nicht habe.

Intensiv und lange diskutierten die Mitglieder, brachten den Gedanken eines Kunstrasenplatzes ins Spiel und entwickelten manche Idee. Zu einem Ergebnis kam man aber nicht. Das war nach Worten Piuttis auch nicht Ziel des Vorstandes: „Wir wollten nur Transparenz herstellen, damit es am Ende nicht heißt, ich wollte den Sportplatz nicht.“

Sie formulierte die Furcht, dass sich die jüngst eingesetzte Arbeitsgruppe der Gemeinde nur um einen neuen Nutzungsvertrag kümmern, aber nicht die Zukunft des Vereins sichern werde. Wenn im laufenden Jahr keine konkreten Vereinbarungen getroffen würden, werde man bei den Vorstandswahlen im kommenden Jahr niemand finden, der Verantwortung übernehmen werde, sagte die Vorsitzende voraus.

„Die Gemeinde ist natürlich für den Sport. Sport wird unter allen Vereinen am meisten gefördert“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Bärbel Seehusen in ihrem Grußwort. Sie mache sich angesichts des vielfältigen Spartenlebens keine Sorgen um den TSV. Das Ehrenamt verdiene Anerkennung, weshalb sie den ausdrücklichen Dank der gesamten Gemeindevertretung übermittle. Dennoch habe die Gemeinde eine andere Sicht auf die Dinge und ihre eigenen Argumente zum Sportplatz. Seehusen schloss mit den Worten: „Wir haben vielleicht ein Kommunikationsproblem, aber wir brauchen eine Zukunftsplanung.“

Das Ende des Vereins wollte auch Günter Frentz noch nicht sehen. Der Obmann für Sportabzeichen im Kreissportverband hob die Leistungen des Vereins im Turnen und beim Ablegen des Sportabzeichens hervor. In drei Jahren seien 454 Abzeichen abgenommen worden. Jürgen Fischer, Vorsitzender des Griebeler SV, hatte den Schönwalder Fußballern im vergangenen Jahr spontan Obhut auf dem Sportplatz in Vinzier ermöglicht. Er riet vom Aufgeben ab: „Es wäre tragisch, wenn ein so alter und großer Sportverein mit mehr existieren würde.“ Der motivierte Vorstand brauche jetzt Aufmunterung.

Dem Vorstand gehören weiterhin Schriftführerin Petra Appel, Beisitzer Dennis Köster und Theaterobmann Michael Eichler an. Alle wurden einstimmig wiedergewählt.

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