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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 13:39 Uhr

Sportlich über die Sprachbarriere

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein 18-Jähriger gebürtiger Algerier nimmt am Basislehrgang des Kreissportverbandes für die Übungsleiterlizenz Breitensport teil

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 21:16 Uhr

Wenn Badr in der Sporthalle Blaue Lehmkuhle trainiert, zieht er viele Blicke auf sich. Er macht sich ausgiebig warm, geht dann zur Sprossenwand – und stemmt sich dagegen, so dass sein Körper, nur mit Armkraft gehalten, zur Hallendecke zeigt, das ist die „Fahne“. „Dieses Potenzial müssen wir nutzen“, dachte sich Trainerin Susann Meyer vom PSV Eutin. Sie nahm Kontakt zum Kreissportverband auf. Und so nimmt der 18-jährige gebürtige Algerier seit Mitte Januar am Übungsleiterlehrgang teil, an dessen Ende die Prüfung zur Breitensportlizenz steht.

Badr hat einen schweren Weg nach Deutschland hinter sich. „In Algerien gab es keine Zukunft für mich“, sagt er. Er durchquerte mit dem Bus halb Europa. Er habe sich unter das Fahrzeug gehängt, „bei den Kabeln“, und dort auch übernachtet, berichtet er. Seine gefährliche Reise dauerte drei Tage. Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling kam er in die Obhut des Kinderschutzbundes. Schon immer hat den jungen Mann die Bewegung, genauer Akrobatik, fasziniert. Er hat auf seinem Handy eine Reihe von Videos gespeichert. „Die gucke ich mir an und mache die Übungen nach“, sagt der 18-Jährige Dabei beeindruckt seine Beharrlichkeit, er gibt nicht auf.

Beim Grundkurs für die Übungsleiterausbildung geht es auch um Theorie. „Beim ersten Mal haben wir mehr geredet und weniger trainiert. Aber das muss ja auch so sein“, sagt er. Badr lebt auf, als es in die Sporthalle geht. Beim Aufwärmspiel mit dem Ball ist er mit vollem Einsatz dabei, beweist sein Bewegungstalent.

Lehrwart Sven Schulze betritt mit der Ausbildung des gebürtigen Algeriers Neuland. Er habe nach wie vor Bedenken, dass die Sprachbarriere zu groß sein könnte, um die Prüfung zu bestehen, sagt Schulze. Aber er nahm nach Gesprächen mit dem PSV Eutin den jungen Flüchtling im Kurs auf, in dem zwölf Frauen und drei Männer den Trainerschein in Angriff nehmen. Badr ist zurückhaltend und bescheiden. Er könne noch nicht so gut Deutsch, meint er. Dabei hat er keine Probleme, die Fragen zu verstehen und antwortet ohne große Probleme. Badr besucht an der Kreisberufsschule einen Kurs „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ). Auch dort findet er Unterstützung, sein nächstes Ziel ist die Bewerbung um einen Praktikumsplatz als Dachdecker.

Sprache sei sehr wichtig, betont Badr. „Wenn ich einen Brief schreiben will, kann ich ja keinen Freund anrufen und ihn fragen, ob er das für mich erledigen kann“, sagt er. Susann Meyer ist froh, dass der Athlet den Weg in den Sportverein gefunden hat. „Vielleicht kann er ja mit uns ein neues Angebot, wie Le Parcours entwickeln. Mit seinen Fähigkeiten ist er dafür der ideale Mann und wir werden ihn auf seinem Weg zur Übungsleiterlizenz unterstützen, so gut es geht.“ Badr hat sich da schon einen Platz in der Nähe der Hallenwand gesucht. Er übt den Handstand – die Technik hat er beim PSV-Training gelernt.

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