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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 12:14 Uhr

Sport ist oft die erste Anlaufstation

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landesregierung und Landessportverband Schleswig-Holstein fördern das Projekt „Sport für Alle – mit Flüchtlingen“ 2015/16 finanziell mit insgesamt 100 000 Euro

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 18:47 Uhr

Sport ist eine Sprache, die jeder Mensch versteht. Er kann Brücken zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen schlagen. Sportvereine sind häufig eine der ersten Anlaufstationen für Menschen, wenn sie in Deutschland Zuflucht suchen. Die Vereine sind auf Unterstützung angewiesen, wenn es darum geht, die Menschen in ihre Gemeinschaft zu integrieren, als Partner steht der Landessportverband (LSV) Schleswig-Holstein bereit. OHA-Sportredakteur Harald Klipp hat den zuständigen LSV-Geschäftsführer Thomas Niggemann zum Thema „Sport und Flüchtlinge“ interviewt.

OHA:Der Strom der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, reißt nicht ab. Wie hoch ist der Prozentsatz der Menschen, die nach Schleswig-Holstein kommen?

Thomas Niggemann: Asylsuchende werden innerhalb Deutschlands nach dem jeweils geltenden „Königsteiner Schlüssel“ gleichmäßig auf die Bundesländer verteilt. Derzeit nimmt Schleswig-Holstein rund 3,4 Prozent aller Menschen, die eine politische Verfolgung geltend machen, auf.

Aus welchen Ländern kommen die Menschen zu uns?

Der Großteil der Menschen kommt aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Albanien, Eritrea und dem Kosovo.

Wie hoch ist die Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die ohne Begleitung nach Schleswig-Holstein kommen?

Schätzungen zufolge betreuen die Jugendämter in Schleswig-Holstein zurzeit mehr als 2500 minderjährige Flüchtlinge. Es handelt sich überwiegend um männliche Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren.

Wie lange bleiben Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen? Und wie sieht die zahlenmäßige Belegung dieser Einrichtungen aus?

Nachdem sie ihren Asylantrag gestellt haben, wohnen die Asylsuchenden bis zu drei Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung.

Dürfen Flüchtlinge ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD) absolvieren? Welche Voraussetzungen müssen gegebenenfalls erfüllt werden?

Das Bundesfreiwilligendienstgesetz wurde durch einen Paragrafen 18 erweitert. Grundsätzlich können Asylbewerber ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Tätigkeit im Bundesfreiwilligendienst absolvieren. Dafür müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. Es gibt ein Sonderkontingent von 10  000 BFD-Stellen des Bundes, das vom 1. Dezember 2015 bis 31. Dezember 2018 bereit steht. Die Deutsche Sportjugend hat darüber 130 zusätzliche BFD-Stellen mit Flüchtlingsbezug erhalten, die Sportjugend Schleswig-Holstein hat sechs Stellen aus diesem Kontingent beantragt. Es ist jedoch zu bedenken, dass das FSJ oder der BFD kein eigenständiges Aufenthaltsrecht schafft. Sollte während der FSJ- oder BFD-Zeit der Asylantrag abgelehnt werden, müssen der Asylbewerber oder die Asylbewerberin die Bundesrepublik Deutschland verlassen.

Welche Sportangebote werden von den Menschen besonders gut angenommen?

Die favorisierten Sport-
arten sind Fitnessangebote, Kampfsport und Ballsportarten, vor allem Fußball.

Gibt es Angebote des Landessportverbandes für die besondere Qualifizierung von Übungsleitern?
Über das LSV-Bildungswerk und die Sportjugend Schleswig-Holstein werden Seminare und Fortbildungen zum Thema „Sport Interkulturell“ und „Interkulturelle Öffnung“ angeboten. Die Qualifizierungsangebote für Übungsleiter und Entscheidungsträger der Vereine und Verbände sind unter dem Titel „Fit für Vielfalt- Sport für Alle“ im Bildungswerk Programm 2016 veröffentlicht. In neun Kurzworkshops, Tages- oder Wochenendveranstaltungen werden die Teilnehmenden durch erfahrungs- und praxisorientierte Fortbildung in ihrer interkulturellen Handlungskompetenz gestärkt und in ihrer Arbeit unterstützt. Seit dem 1. Dezember 2015 können die einzelnen Fortbildungen beim Landessportverband gebucht werden.


Mit welcher finanziellen Unterstützung können Vereine rechnen?
Für das Projekt „Sport für Alle – mit Flüchtlingen“ stehen Mittel in Höhe von 100  000 Euro je zur Hälfte finanziert vom Landes-
Innenministerium und Landessportverband Schleswig-Holstein für den Zeitraum 2015/2016 zur Integration in und durch den Sport zur Verfügung. Gefördert werden Maßnahmen, die sich in besonderem Maße für die Integration von Flüchtlingen eignen. Ziel ist es, der Zielgruppe über den organisierten Sport den Weg in die Gesellschaft zu erleichtern. Der Landessportverband Schleswig-Holstein zahlt einen zweckgebundenen Zuschuss im Rahmen des Projektes – höchstens 1000 Euro pro Projekt – zur Finanzierung an den Mitgliedsverein.

Welche Netzwerke gibt es für Vereine, die Sportangebote für Flüchtlinge vorhalten?
Der Landessportverband hat eine Datenbank nach Kreisen erstellt. Die Datenbank enthält Adressen und Ansprechpartner in Kreissportverbänden, Wohlfahrtsverbänden, Initiativen, Zentren für „Deutsch als Zweitsprache“, um nur einige zu nennen. Überwiegend sind die 2600 Sportvereine in den Kommunen und Kreisen autark gut vernetzt.

An wen können sich Sportvereinsvertreter wenden, wenn sie weitergehende Fragen zu dem Thema haben?
Ansprechpartner ist der Landessportverband Schleswig-Holstein, Sport für Alle – mit Flüchtlingen, Winterbeker Weg 49, 24114 Kiel, Telefon: 0431/6486-197, Fax: 0431/ 6486-296, E-Mail: info@lsv-sh.de. Im Internet sind wir unter www.lsv-sh.de zu finden. Dort gibt es auch einen Katalog mit Antworten zu häufig gestellten Fragen (FAQ).



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