Spitzensport auf Stolperplatz

Die Natur holt sich den Sportplatz zurück: Die Elternvertreterinnen Bettina Runge (links) und Yvonne Fischer, Christian Harms und Andreas Ochs (rechts), Hausmeister der Sieversdorfer Grundschule, zeigen auf ein dickes Grasbüschel, das aus der Laufbahn wächst.
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Die Natur holt sich den Sportplatz zurück: Die Elternvertreterinnen Bettina Runge (links) und Yvonne Fischer, Christian Harms und Andreas Ochs (rechts), Hausmeister der Sieversdorfer Grundschule, zeigen auf ein dickes Grasbüschel, das aus der Laufbahn wächst.

Die Geduld des TSV Dörfergemeinschaft Holsteinische Schweiz ist am Ende. Der Verein macht Druck für eine Sportplatzsanierung

shz.de von
22. Januar 2018, 13:45 Uhr

Die Bogensparte des TSV Dörfergemeinschaft Holsteinische Schweiz hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Etwa 100 Bogensportler gehören dem Verein inzwischen an, die Sparte zählt zu den größten im Land. Bis zu 150 Schützen kommen zu landes- und bundesweiten und sogar internationalen Turnieren nach Sieversdorf. Michael Zühlke und sein Sohn Philipp sowie Maik Bendrich treten im Juni gar bei der Europameisterschaft der Bogenjäger in Oberwiesenthal an – zur Freude des Vereinsvorsitzenden Christian Harms.

Deutlich weniger Freude hat der 52-Jährige allerdings an der Sportanlage der Bogenschützen. Die gemeindeeigene Fläche, die auch für den Sportunterricht der Grundschule Sieversdorf genutzt wird, befindet sich aus Sicht des Vereins in einem desolaten Zustand. „Durch Risse in Teerfläche und Laufbahn wächst Gras, teils zentimetertiefe Absackungen in der Laufbahn werden immer größer und die Rasenfläche ist völlig hinüber“, benennt Harms die Mängel der rund 14 000 Quadratmeter großen Sportanlage. Hunderte Maulwurfshügel zieren derzeit die Rasenfläche. „Das kann man nicht mehr abziehen“, sagt Harms. Wer über den Rasen läuft, merkt, warum: Im Boden sind überall Löcher, die wie Trittfallen wirken.

Um der Malaise abzuhelfen, bietet der Verein seit 2015 an, die Sportanlage zu kaufen und mit Hilfe von Fördermitteln auf eigene Kosten zu sanieren. Anfang Dezember 2017 stimmte der Hauptausschuss einem Verkauf grundsätzlich zu (wir berichteten), der Verein gab ein Kaufangebot ab. Doch nun befürchtet Harms, dass die Gemeindeverwaltung das Thema auf die lange Bank schiebt und mögliche Fördergelder für eine Sanierung später nicht mehr bereitstehen.

Dem widerspricht Bürgermeisterin Tanja Rönck energisch: „Wir haben nicht die Absicht, etwas zu blockieren oder zu verschleppen“, stellte sie mit Blick auf die Überlegungen zum Verkauf des Sportplatzes klar. Ein Kaufangebot des Vereins liege vor, bestätigte sie. Die Verwaltung arbeite daran, den Wert des Grundstücks zu ermitteln, um den Beschluss umsetzen zu können. Der Idee des Verkaufs stehe sie positiv gegenüber, bekräftigte Tanja Rönck. Denn der Sportverein hätte es viel leichter als die Gemeinde, Fördergelder für eine Sanierung zu erhalten. Doch eine gewissenhafte Vorbereitung des Verkaufs brauche Zeit: „Das geht nicht alles von heute auf morgen.“

Die Ungeduld des Vereinsvorsitzenden hat sich in vielen Jahren aufgebaut. „Im Jahre 2012 haben wir das Bauamt der Gemeinde erstmals über den schlechten Allgemeinzustand des Sportplatzes informiert“, berichtet Harms. Seitdem habe es unzählige Begehungen und Schriftwechsel zum Thema Sanierung und Instandhaltung gegeben. Im Frühjahr 2017 habe die Politik die Verwaltung mit einer Ermittlung der Sanierungskosten beauftragt. „Leider ist das bis heute nicht geschehen“, ärgert sich Harms.

Der Verein selbst ist dagegen längst tätig geworden. Er fragte 2016 bei einer Fachfirma nach, wie teuer eine komplette Sanierung der Sportanlage käme: „Der ermittelte Sanierungsstau beläuft sich auf über 200 000 Euro.“ Ein großer Teil der Kosten entstehe durch die Entsorgung der Teerflächen sowie der Laufbahn.

Sollte es nicht zu einem Verkauf kommen, wäre der zurzeit 425 Mitglieder starke Verein bereit, den Rasenplatz in Eigenregie für 20 000 Euro zu sanieren. Im Gegenzug soll die Gemeinde nach den Vorstellungen des Vereins aber dafür sorgen, dass zum Sportplatz Strom und Wasser gelegt wird. Harms rechnet dafür mit Kosten in Höhe von 25 000 Euro, einschließlich Abwassertank. „Seit 1996 haben wir mehrfach Anträge zur Versorgung mit Wasser und Strom gestellt“, berichtet er. Bislang hätten Landwirte mit großen Pumpen und Wassertanks ausgeholfen, um die Bewässerung sicherzustellen. „Das kann keine Dauerlösung sein.“ Doch auch hier bittet Tanja Rönck um Geduld. Bevor die Gemeinde einem solchen Angebot zustimmen könne, müsse diese erst einmal ermitteln, was es koste, Strom und Wasser zum Sportplatz zu legen.

Der Vorsitzende verweist auf das Engagements seines Vereins für die Pflege der Sportanlage: Jährlich 200 Arbeitsstunden und 2000 Euro Materialkosten kämen da zusammen, etwa für Rasensaat und -dünger sowie Benzin für Notstromaggregate und einen Rasentrecker, die der Verein ebenfalls auf eigene Kosten beschafft habe. „Dafür bekommen wir keinen Zuschuss von der Gemeinde“, betont Harms. Er wagt kaum zu hoffen, dass sein Verein noch in diesem Jahr einen brauchbaren Sportplatz bekommt: „Wir fühlen uns behindert in der Ausübung unseres Sports und in der Entwicklung unseres Vereins“, klagt Harms. Er befürchtet, dass sich die Bogensparte einen anderen Verein suchen könnte, wenn Bedingungen sich nicht besserten. „Das wäre nicht nur bitter für den Verein, sondern auch für die Gemeinde“, warnt er.

Yvonne Fischer, Elternvertreterin an der Grundschule Sieversdorf, ist ebenfalls nicht gut auf die Gemeinde zu sprechen. Es sei immer Thema gewesen, dass mit dem Sportplatz etwas passieren müsse. „Aber wir sind nicht vorangekommen, das ist immer wieder vertagt worden“, kritisiert sie.

Schulleiterin Esther John sieht ebenfalls „absoluten Handlungsbedarf“ für den Sportplatz. Die Laufbahn sei eine einzige Stolperstrecke und nicht mehr zu nutzen. Zwar habe es bereits einen Termin mit Bürgermeisterin Tanja Rönck gegeben, doch wie es weitergehen solle, habe ihr die Verwaltungschefin nicht signalisiert. Die Schulleiterin hat einen Verdacht: „Ich habe das Gefühl, die Gemeinde möchte nicht mehr in die Schulen investieren, weil die Verantwortlichen die Idee des Neubaus haben.“ Damit würden alle anderen Anliegen vom Tisch gewischt.

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