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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 21:41 Uhr

Spezialteam für Verwirrte

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein neues Konzept am St.-Elisabeth-Krankenhaus

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 12:30 Uhr

Mit einem neuen, landesweit einzigartigen Konzept sorgt das Eutiner St.-Elisabeth-Krankenhaus für demente Patienten, die „aus der Spur geraten“ sind: Ein Pflegeteam, die sogenannte Anti-Delir-Rufbereitschaft, steht rund um die Uhr für Akutfälle bereit. Bei Bedarf wird sich eine Pflegekraft um den Patienten kümmern und versuchen, ihn schrittweise in die normale Tagesstruktur der Demenzstation zurückzuführen, erläutert der Ärztliche Direktor, Dr. med. Hartmut Niefer.

Das St.-Elisabeth-Krankenhaus ist eine von 16 geriatrischen (auf Altersheilkunde spezialisierte) Kliniken in Schleswig-Holstein. 2012 wurde in Eutin eine baulich und personell besonders ausgestattete Schwerpunktstation für demente Patienten eröffnet, die eine Krankenhausbehandlung brauchen.

„Ich halte sogenannte Inklusionslösungen für demente Patienten für weniger erfolgversprechend“, sagt Dr. Niefer. Denn wenn sich demente Patienten mit Menschen ohne geistige Beeinträchtigung ein Zimmer teilen müssten, seien Spannungen programmiert, weil sich Patienten mit Demenz häufig ungewöhnlich verhalten.

Dr. Niefer schildert: „Verschiedene Grunderkrankungen, aber auch Operationen oder plötzlicher Ortswechsel – von Zuhause ins Krankenhaus – stürzten viele Menschen mit Demenz in ein Delir. Delir bedeute so viel wie „aus der Spur geraten“: eine akute Verwirrtheit, die schnell in extreme Verhaltensweisen münden könne. Dr. Niefer: „Die Patienten können sehr unruhig werden, laufen durch die Gänge, reagieren gereizt, manche werden sehr aggressiv, andere wiederum machen die Nacht zum Tag.“

Häufig würden Patienten mit Demenz und Delir medikamentös behandelt oder mechanisch fixiert. Vor allem geschehe dies dann, wenn im Haus keine Struktur vorhanden sei, die diese akute Verwirrtheitsphase abfangen könne. „Die Pflegekraft im Nachtdienst kann sich ebenso wenig wie der Bereitschaftsarzt ständig ausschließlich um den stark verwirrten dementen Patienten kümmern – schließlich brauchen auch andere Patienten Unterstützung und Hilfe. Dadurch kommen die Abläufe sehr schnell an ihre Grenzen, der demente Patient mit Delir ,sprengt‘ mit seinem Bedarf den Rahmen dessen, was ein Krankenhaus normalerweise leisten kann – und schnell beginnt der Kreislauf aus Medikamenten, Fixierungen und wieder erwachender Unruhe und Angst beim Patienten.“

Diesen Kreislauf wolle man im St.-Elisabeth-Krankenhaus mit dem Anti-Delir-Team durchbrechen. Häufig würden Patienten mit Demenz und Delir von blanker Angst beherrscht. Diese gelte es zu nehmen, und Menschen brauchten dafür Menschen. „Daher müssen wir in der Akutsituation eine Eins-zu-eins-Betreuung sicherstellen, vor allen Dingen nachts“.

Natürlich hätten auch andere Kliniken mit diesem Problem zu kämpfen – und sollen Patienten mit Demenz schnell ins St.-Elisabeth-Krankenhaus einweisen können – notfalls auch nachts um 2 Uhr.

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