Leichtathletik : Speer-Sensation aus dem Nichts

Niklas Sagawe hat ein herausragendes Jahr hinter sich, in dem er sowohl im Speerwurf als auch im Mannschafts-Zehnkampf Deutscher Jugendmeister wurde.
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Niklas Sagawe hat ein herausragendes Jahr hinter sich, in dem er sowohl im Speerwurf als auch im Mannschafts-Zehnkampf Deutscher Jugendmeister wurde.

Niklas Sagawe aus Lensahn wird im Speerwurf und im Mannschafts-Zehnkampf überraschend zwei Mal Deutscher Jugendmeister.

shz.de von
30. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Lensahn | Niklas Sagawe bekommt noch immer Gänsehaut, wenn er an den bisher größten Moment seiner noch jungen Leichtathletik-Laufbahn zurückdenkt. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl und kam völlig unerwartet“, erinnert sich der 17-Jährige an den 4. August, als er bei den Deutschen Meisterschaften der U18-Jugend in Ulm völlig überraschend die Goldmedaille im Speerwurf gewann. Sagawe schleuderte das 700 Gramm schwere Wurfgerät 70,64 Meter weit – eine Weite, die er zuvor nie erreicht hatte, und die er auch seitdem nicht mehr schaffte. „Ich war schon bei 61 Metern überrascht, dass ich so weit werfen kann“, lacht der Abiturient.

Niklas Sagawe besucht derzeit die 13. Klasse der Beruflichen Schule in Oldenburg, seinen Schwerpunkt hat er auf Ernährung gelegt. „Das passte ganz gut zum Sport“, erklärt Sagawe. Nach dem Abitur kann er sich gut vorstellen, ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Schleswig-Holsteinischen Leichtathletik-Verband zu machen. Denn der Sport bestimmt sein Leben. „Ich trainiere vier Mal die Woche im Verein, dazu mache ich zu Hause Krafttraining“, sagt der 17-Jährige, der mit seinen Eltern in Lensahn wohnt. Der Deutsche Jugend-Meister fing 2008 beim TSV Lensahn mit Leichtathletik an, 2013 wechselte er zum PSV Eutin, um sich besser entfalten zu können.

Wie Sagawe den Speer im August über 70 Meter weit durch die Luft beförderte, weiß er bis heute nicht so recht. „Ich dachte erst, dass die Kampfrichter sich vermessen haben“, denkt der Lensahner an den großen Moment zurück. Letztlich habe er den Speer bei optimalen Bedingungen mit einer schnellen Schulter aber einfach perfekt getroffen. „Man darf nicht zu niedrig werfen, weil der Speer sonst zu schnell landet. Und wenn man zu hoch wirft, fällt er irgendwann einfach runter“, erläutert Sagawe die Tücken seiner Parade-Disziplin. Es komme auf viele Details an, um die bestmögliche Weite zu erreichen: auf einen lang gestreckten Arm, einen ordentlichen Stemmschritt, genug Geschwindigkeit und noch einiges mehr. „Es ist relativ komplex, weil man viele Bewegungen gleichzeitig abrufen muss“, erklärt Niklas Sagawe.

Genau das ist ihm bei seinem Coup in Ulm perfekt gelungen. Da tat dem sympathischen 17-Jährigen sogar die Konkurrenz leid. „Die haben ja richtig viel für den Speerwurf trainiert, während ich eigentlich mitten in der Vorbereitung auf den Zehnkampf war“, meint Sagawe. Zehnkampf? Da war doch was: Nur zwei Wochen nach seinem ersten Titelgewinn triumphierte der Leichtathlet gemeinsam mit seinen Teamkollegen David Schliep und Mika Jokschat bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften im Mannschafts-Zehnkampf in Bernhausen (Baden-Württemberg) erneut und konnte sich zum zweiten Mal in kurzer Zeit eine Goldmedaille um den Hals hängen lassen. All das zu realisieren, habe etwas gedauert.

An seine großen Erfolge will Sagawe im Jahr 2018 anknüpfen, was in der neuen Altersklasse (U20) jedoch schwierig wird. Schließlich ist die Konkurrenz älter und der Speer 100 Gramm schwerer. Um trotzdem mithalten zu können, will sich der Lensahner mehr und mehr auf den Speerwurf konzentrieren. „Ich mache aber trotzdem weiter Zehnkampf“, stellt der Schüler klar.

Er hat einen großen Traum, für den er den hohen Trainingsaufwand in Kauf nimmt: „Ich möchte irgendwann international für Deutschland starten.“

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