Eutin : Spaziergänge in Metall

Heike Bender mit den Bäckern und Kunstliebhabern Anja und Hans-Peter Klausberger
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Heike Bender (l.) mit den Bäckern und Kunstliebhabern Anja und Hans-Peter Klausberger

Das Kultur-Café Klausberger in Eutin zeigt Arbeiten von Heike Bender. Eröffnung in „besonders entspannter Atmosphäre“.

shz.de von
12. Oktober 2018, 17:28 Uhr

Messing, Bronze, Aluminium sind die Materialien, mit denen Heike Bender (62) Reflektionen schafft. Grundlage für ihre Werke sind selbst hergestellte Reliefbilder auf Pappe, Leinwand oder Faserplatte. 33 ihrer Werke sind seit gestern im Café Klausberger in Eutin zu sehen.

Bei der Eröffnung war die gelernte Paläontologin anwesend. Ihre Künstlerkollegin Elisabeth Prantl (60, kl. Foto.), eine studierte Textildesignerin aus Kiel, führte die Gäste der Vernissage inhaltlich an die Werke heran.

Farbe und Struktur seien Heike Bender in die Wiege gelegt worden. Sie habe als Kind mehrere Jahre in Jordanien verbracht. „Und ich finde immer wieder Parallelen zur ihren Arbeiten“, sagte Elisabeth Prantl, die an Versteinerungen, fossile Landschaften und amorphe Figuren erinnerten. Manchmal seien die Figuren wie Fabelwesen, die ganz realistisch und akribisch ausgearbeitet und zum zentralen Thema geworden seien.

Die Inspirationsquellen finde Heike Bender in der Natur. Sie suche sie nicht, ihr schienen Farben und Motive geradezu zuzufliegen. Die Plönerin plane ihre Werke nie, vielmehr entwickelten sie sich fast von selbst. „Farben und Pigmente scheinen sich freundschaftlich zu verbinden und das Helle, Optimistische sich mit dem Brüchigen zu umarmen.“

Etwa 30 Gäste folgten den Ausführungen der gebürtigen Wienerin mit der Wiener Sprachmelodie. Die Arbeit von Bender sei immer eine Reise wert. Wie oft habe sie ihrer Freundin in deren Werkstatt gegenübergesessen. „Für mich ist ihre Werkstatt immer ein Zauberlabor gewesen.“ Sie habe Bender beim Plätten des Goldes und Mixturen zubereiten beobachtet. Manchmal sei der Plönerin dabei ein „Mist“ über die Lippen entwischt, wenn das Getane habe anders werden sollen. „Soviel zum Eigenleben der Bilder“, sagte die Designerin. Bender lasse aber nicht locker und schaffe immer wieder neue Strukturen. Wie in Schichten erbauten sich Gebirge und Schluchten. „Ihre Werke sind voller Energie und Dynamik, auf andere Weise aber auch beruhigend.“ Prantl zumindest finde immer wieder etwas neues ihn ihnen.

Dann wird die Kielerin nicht müde, Gegensätze zu finden, mit denen sie die Arbeiten ihrer Kollegin interpretieren möchte. „Die Bilder von Bender sind ein Spaziergang der gespickt ist mit allem: Sie sind saftig und zugleich brüchig, modern und erinnern an historische Strukturen.“ Die festen Gebilde wirkten ebenso fließend und durchsichtig. In ihrer Vergänglichkeit kämen sie sehr modern daher, manchmal wie Wasserzeichen und flüchtig und dennoch fest und konkret. Goldglänzende Reliefhöhen höben sich von dunklen Schluchten ab. „Oder sie sind hell wie ein Sommertag neben dem die schwarze Wolke des Gewitters hängt.“

Prantl ermunterte die Gäste, während ihres abendlichen Kunst-Besuchs auf eine Entdeckungsreise zu gehen. „Suchen wir etwas und finden wir etwas anderes, etwas Eigenes, vielleicht ein uralte vergessene Erinnerung. Schauen wir durch die Schichten hindurch und tauchen hinab“, ermunterte sie.

Frank Bergmann sorgte auf einer metallenen Hang-Drum für musikalische Reflektionen. Anja und Hans-Peter Klausberger freuten sich über die „besonders entspannte Atmosphäre“.

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