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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 00:27 Uhr

Plön : „Spaß-Faktor“ führt zu Erfolgen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zwei Gruppenarbeiten von Schülern des Gymnasiums Schloss Plön beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten erfolgreich

von
erstellt am 18.Nov.2015 | 04:00 Uhr

Dr. Karsten Dölger hat’s einfach drauf. Der erfahrene, 62-jährige Oberstudienrat am Gynmasium Schloss Plön (GSP) weiß, wie er als Tutor seine Schüler begeistert und motiviert. Sechs Monate haben die heute 18- und 19-Jährigen im vergangenen Jahr im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten recherchiert und wissenschaftlich gearbeitet. Am Ende standen jeweils zwei Landessiege und – erst gestern in Berlin bekanntgeben – ein zweiter und dritter Bundespreis.

So ist die Freude bei Schülern, Geschichtslehrer Dölger und der Schulleitung gleichermaßen groß. Den zweiten Bundessieg fuhren die Schüler des Geschichtsprofils für ihre Arbeit „Bettler, Herumtreiber und loses Gesindel. Untersuchung einer Jagd auf Bettler im Herzogtum Holstein am 26. November 1795“ ein. Mit einem dritten Bundessieg wurde die Arbeit einer vierköpfigen Oberstufengruppe honoriert, die eine Arbeit zum Thema „Das größte Verbrechernest Schleswig-Holsteins gesäubert. Displaced Persons und heimatlose Ausländer in der Nachkriegspresse“ abgab. Die Preise sind mit 1000 und 500 Euro dotiert. Als Landessieger erhielten die beiden Gruppen bereits jeweils 250 Euro.

„Das Gymnasium Schloss Plön ist mit diesen beiden Bundespreisen die erfolgreichste Schule in Schleswig-Holstein“, freut sich Direktorin Anne Paulsen. Für die Schule bedankt sie sich bei Karsten Dölger für die engagierte und kompetente Arbeit. Sie gratulierte aber auch den Schülern zu ihrem herausragenden Erfolg.

Zur Recherche unternahmen die jungen Leute Fahrten in Archive nach Lübeck und Kiel, besuchten das Landesarchiv in Schleswig oder stöberten in den Archiven der Stadt Plön oder des Gutes Nehmten herum. Sie beleuchteten das Leben der Bettler in der Region am 26. November 1794 und schafften so ein Werk von einmaliger, besonderer geschichtlicher Bedeutung. Sie beleuchteten den sozialen Abstieg und seine Ursachen, ergründeten Strafmaße für Bettelei und den Umgang mit den Bettlern.

„Wir hatten Spaß“, fasste Jessica Ptak aus Plön zusammen. Und Leo Korn aus Plön ergänzte: „Es war eine große Recherchearbeit.“ Die Schüler haben sich unter Anleitung von Dr. Karsten Dölger auf ein hohes Forschungsniveau eingelassen. „Eine lehrreiche Zeit“, fand Leo Korn. Die bei den Schülern willkommene Alternative zum Lernplan forderte ein anderes Arbeiten von ihnen. Catinka Schäfer aus Plön: „Wir haben einiges in der Projektwoche aber vieles auch parallel zu anderen geschichtlichen Themen in unserer Freizeit gemacht.“

Sie erfuhren bei ihren Recherchen, dass 1794 die Willkür der Obrigkeit sehr erschreckend war und vor allen Dingen Kinder und ältere Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit sehr behindert waren. Sie hatten als Bettler kein Heimatrecht, wurden oft als „blödsinnig“ abgestempelt und weggeschafft, weil sie schlechtes Licht auf die Orte warfen, Krankheiten mitbrachten und oft auch kriminell waren. Bettler standen vor dem Abgrund und die Schüler zogen schnell Parallelen zur heutigen Gesellschaft. Dennoch: Bettler sind heute immer noch soziale Außenseiter.

Der Umgang mit den Bettlern war Ende des 18. Jahrhunderts erschreckend. Die damalige Jagd auf Bettler jedoch habe die Probleme nicht gelöst. Die Ursachen wurden nicht bekämpft. Das sei heute anders, obgleich es immer noch genügend Bettler gebe.

In der zweiten Gruppe befassten sich Fiona Golla, Denis Prokopkin, Michelle Rohlka und Paul Hamann mit der Säuberung des größten Verbrechernetzes in Schleswig-Holstein. Für diese Geschichte haben sie – wie die „Bettler-Gruppe“ auch – in den Zeitungen von 1945 b is 1955 des heutigen Ostholsteiner Anzeigers recherchiert, die in der Eutiner Landesbibliothek kostenlos und digital zur Verfügung stehen. Es ging ihnen dabei um die Zwangsarbeiter, der heimatlosen Ausländer, während des Zweiten Weltkriegs und der Umgang mit ihnen nach Kriegsende. Sie erfuhren dabei, wie lange es nach Kriegsende dauerte, bis aus Zwangsarbeitern Zuwanderer wurden und die Einstellung des gescheiterten NS-Regimes noch wach hielten.

Zusammen gewannen die Schüler des Gymnasiums Schloss Plön 2200 Euro an Preisgeld. Davon wollen sie ihre Arbeiten professionell binden lassen und zusammen schön essen gehen. Dr. Karsten Dölger freut sich riesig: „1990 nahmen wir mit der Schule erstmals an diesem Wettbewerb teil, in den vergangenen zehn Jahren regelmäßig, hatten bisher nie Erfolg und jetzt gleich doppelt.“ Das Gymnasium Schloss Plön spiele so bundesweit in der oberen Liga mit. Mit den Projekten würden die jungen Menschen gut ausgebildet in die Universitäten entlassen. Die selbstständige Arbeit genieße bei Schülerinnen und Schülern einen hohen Stellenwert.  

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