Sparkasse: 2016 war „ein gutes Jahr“

Hoch zufrieden mit der Bilanz 2016: Martin Lüdiger (von links), Michael Ringelhann und Joachim Wallmeroth.
Hoch zufrieden mit der Bilanz 2016: Martin Lüdiger (von links), Michael Ringelhann und Joachim Wallmeroth.

Vorstand sieht die Sparkasse Holstein für die Herausforderungen des Marktes auch bei anhaltend niedrigen Zinsen gewachsen

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15. März 2017, 12:15 Uhr

Falsche Bescheidenheit dürfte man dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Holstein, Dr. Martin Lüdiger, nicht nachsagen: „Wenn uns einmal das Wasser bis zum Hals stehen sollte, sind andere Banken längst ertrunken“, stellte Lüdiger mit Blick auf die Bilanz 2016 und die Zukunftsaussichten der Sparkasse Holstein fest.

Lüdiger und seine beiden Vorstandskollegen Joachim Wallmeroth und Michael Ringelhann sehen angesichts des Jahresabschlusses, der gestern der Presse präsentiert wurde, die Sparkasse für die künftigen Herausforderungen des Marktes gut aufgestellt – besser als viele ander Banken, so Lüdiger selbstbewusst weiter.

Zu den Zahlen: Ähnlich wie in den Vorjahren weist die Sparkasse für 2016 einen Bilanzgewinn von 12,1 Millionen bei einer leicht um 1,3 Prozent verringerten Bilanzsumme von 5,7 Milliarden Euro aus. Zusammen mit der Rücklagenbildung werde das Kernkapital um rund 64 auf 560 Millionen Euro aufgestockt. Ermöglicht werde das durch ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 72,7 Millionen Euro. Das entspreche 1,23 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme und liege damit über Landes- und Bundesschnitt. Das Betriebsergebnis nach Bewertung betrage 86,7 Millionen Euro.

Lüdiger: „Wir wollen ja immer ein bisschen besser sein als der Durchschnitt, und mit dieser Eigenkapital-Basis könnten wir bei einer Kreditflaute auch ein besonderes Programm zur Versorgung des Mittelstandes auflegen.“

Der fast alles beeinflussende Faktor der Brance bleibt freilich das extrem niedrige Zinsniveau: „Durch die dramatisch zurückgegangenen Zinsen haben wir deutliche Rückgänge beim Zinsüberschuss. Diese können wir durch das Provisionsgeschäft nicht kompensieren. Es führt kein Weg daran vorbei, dass Kosteneinsparungen in den nächsten Jahren im Fokus bleiben“, so Lüdiger weiter.

Die Einlagen seien 2016 um 1,6 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gestiegen, das Kreditgeschäft sei um 3,8 Prozent auf 5,1 Milliarden gewachsen. Davon seien 3,3 Milliarden Euro an Unternehmen gegangen. Rund 200  000 Kunden habe die Sparkasse Holstein, 20  000 davon seien Firmenkunden.

Zinsen sind ein Thema, Digitalisierung ein anderes: Die Sparkasse sehe digitale und mobile Technologie als Chance für den Vertrieb ebenso wie für interne Prozesse. Als Beispiel beim Vertrieb nannte Lüdiger eine App, die schon 22  000 Kunden für Bankgeschäfte über Smartphones und Tablets nutzten. Der Internetauftritt sei komplett überarbeitet, die Internetseite passe sich automatisch dem Bildschirm des Endgeräts an. Sogar für Neukunden gebe es die Möglichkeit, ohne Besuch einer Filiale zum Kunden zu werden, dazu sei eine Video-Legitimation mit Personalausweis oder Reisepass eingerichtet worden.

Intern spiele Digitalisierung ebenfalls eine große Rolle: Die Kreditakten belegten vier Regal-Kilometer und 900 Quadratmeter Kellerfläche. Werde eine Akte gebraucht, müsse sie herausgesucht und an den jeweiligen Standort gebracht werden.

Aktuell erfolge eine Digitalisierung des gesamten Kreditarchives: „Mit der elektronischen Kreditakte können unsere Berater jederzeit auf alle Archivunterlagen zugreifen und schnell auf Kundenanfragen reagieren.“ Die Papiereinsparung und der Verzicht auf den Transport sei außerdem umweltfreundlicher.

An anderen Stelle führe die Digitalisierung ebenfalls zur Prozess-Optimierung und höheren Nachhaltigkeit: „Wir werben zum Beispiel unter den Absenderangaben in unseren E-Mails für den elektronischen Kontoauszug. Im letzten Jahr konnten wir bereits gut 15 Prozent Papier bei den Kontoauszügen einsparen. Das sind mehr als 500  000 Kontoauszugsabrufe weniger.“ Auch die Rechnungsbearbeitung erfolge seit vergangenem Jahr elektronisch.

Doch ungeachtet jeder Technik sei und bleibe der Mensch für die Sparkasse im Vordergrund. Sie wolle ihre Präsenz in der Fläche nicht veringern, aktuell gebe es bei 39 Filialen und weiteren 39 Servicestellen keine Sparpläne. In den Filialen habe persönliche Beratung von Kunden große Bedeutung. „Geldanlagen sind immer etwas abstraktes, und da möchte der Kunde gerne drüber sprechen.“

Die veränderten Ansprüche an die Filialen spiegelten sich auch in der räumlichen Gestaltung: „Der Kunde mag keine großen Räume, in denen nur wenige Menschen sind“, erläutert Joachim Wallmeroth. Sowohl bei neuen Filialen – in Barmbek wurde die vierte neue Geschäftsstelle der Sparkasse Holstein in Hamburg eröffnet – als auch bei der Renovierung von bestehenden Filialen werde nach dem Prinzip verfahren, eine hohe Flächeneffizienz auf wenig Raum zu erreichen. „Wir wollen keine Flaggschiffe, sondern kleine, hocheffiziente Schnellboote schaffen.“

In allen Filialen sei die Sparkasse bemüht, ein maritimes Flair zu verbreiten. Wichtiges Möbel in vielen Filialen sei ein Strandkorb. Und wichtig seien der Sparkasse auch zufriedene Kunden, neuerdings auch im Lauf des Jahres zu ihrer Meinung befragt würden und kritische Angaben auch ausgewertet werden sollen. Lüdiger: „Wir möchten die Kunden zu Fans unserer Sparkasse machen.“

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