Eutin : Spalierobst in Form gebracht

Je Themengarten machten sich am Sonnabend zwei Helfer ans Werk, den Küchengarten zu pflegen. Der Formschnitt der Kesselbäume erforderte besonders fachkundige Hände – dafür boten die Gärtnermeister Dietmar Nass und Dr. Hans Hermann Buchwald die Grundlagen.
Je Themengarten machten sich am Sonnabend zwei Helfer ans Werk, den Küchengarten zu pflegen. Der Formschnitt der Kesselbäume erforderte besonders fachkundige Hände – dafür boten die Gärtnermeister Dietmar Nass und Dr. Hans Hermann Buchwald die Grundlagen.

Baumschulgärtnermeister Dietmar Nass aus Ellerhoop leitete Ehrenamtler im Eutiner Küchengarten an.

shz.de von
25. Februar 2018, 17:05 Uhr

Ein Kesselbaum hat sechs Äste, misst bis zum Fuß 35 Zentimeter und wird zwei Meter hoch. Damit er in Form bleibt, ist ein professioneller Schnitt nötig. Wie es fachgerecht geht, zeigte am Sonnabend Dietmar Nass im Küchengarten am Schlossgarten. Der Baumschulgärtnermeister aus Ellerhoop hat alle 26 dort wachsenden Formobstbäume nach historischem Vorbild selbst gezogen und 2015 für die Landesgartenschau (LGS) 2016 geliefert und gepflanzt.

Nass ist Leiter der Norddeutschen Fachschule für Gartenbau und brachte zur Verstärkung Gärtnermeister Kurt Münster und Gartenbautechniker Peter Hendricks mit. Bei Stephanie Bolz, Projektleiterin Küchengarten der Stiftung Schloss Eutin, fanden sich aus diesem Anlass freiwillige Helfer ein, um die Anlage zu pflegen und das Spalierobst einzukürzen. Damit die Kesselbäume in den Sorten Apfel, Birne und Pflaume weiterhin Früchte tragen und ihre Form behalten, müsse man sie so beschneiden, dass ein dynamisches Gleichgewicht von jungem Holz und Fruchtholz und vegetativem und generativem Wachstum erhalten bleibe, erklärte Nass. „Man tastet sich daran“, kommentierte er den Einsatz der Helfer beim Baumschnitt. Jeder von ihnen bekam eine Gartenschere und machte sich ans Werk.

Mit Stangen wurden die Äste stabilisiert, damit sie nicht nach innen kippen, sondern gerade wachsen. „Wichtig ist die Beständigkeit, dass Leute sich um die Pflege kümmern. Ich beneide Sie um das gärtnerische Kleinod, das hat unheimlich viel Charme“, meinte Nass mit Blick auf den Küchengarten.

Im Rahmen der Revitalisierung der Anlage habe Dr. Margitta Meyer vom Landesamt für Denkmalpflege 2010 bei ihm angefragt, ob er Kesselbäume habe. Das Besondere ist, dass sie keine Krone haben, viel Licht in den Trichter einfällt und Früchte sich von oben ernten lassen. „Die kannte keiner. Das ist altes gärtnerisches Kulturgut, das verloren ging. Da habe ich mich damit beschäftigt und 30 Bäume angezogen“, so Nass. Das Tafelobst der Fürstenhöfe war im 18. Jahrhundert in Mode und hat seinen Ursprung in Versailles (Frankreich). Nass nahm Kontakt zu einem Gärtner aus Versailles auf, veredelte die Kesselbäume, pflanzte sie auf und brachte sie in Form. Seit die Bäume bei der LGS zu sehen waren, sei die Nachfrage gestiegen, sagt er. 30 weitere will er nach Leipzig liefern. Die Früchte der Kesselbäume werden laut Bolz wieder beim nächsten Küchengartenfest verkauft. „Alle, die ihn kennen, wissen den Küchengarten zu schätzen und zu genießen. Es bringen sich hier so viele Menschen so engagiert ein“, begeistert sich die Landschaftsplanerin. Wünschenswert fände sie passende Themenveranstaltungen und Seminare zu Techniken der Gärtnerkunst, für die sich jeder bei der Stiftung bewerben könne.

Das nächste Projekt hat Bolz schon im Blick. Nass und seine Kollegen haben Schnurbäume gezogen, die sie im Herbst liefern könnten. „Ein Ast wächst nach rechts, ein Ast wächst nach links, das ergibt eine blühende, fruchttragende Hecke“, erklärte der Fachmann.

Das Küchengarten-Team sucht weiterhin ehrenamtliche Helfer. Wer sich engagieren möchte, meldet sich bei Stephanie Bolz unter Telefon 0151/02642635 oder per Mail an: stephanie.bolz@schloss-eutin.de



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