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Spätes Geständnis bewahrt Schmuckhändler vor Verurteilung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 11:03 Uhr

Er soll eine 79-jährige Scharbeutzerin beim Kauf von Schmuckstücken mächtig übervorteilt haben. Dieser Vorwurf brachte einen Kaufmann aus dem niedersächsischen Buchholz nun vor das Eutiner Amtsgericht. Der Mann, der bereits mehrfach wegen Betruges mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, kam zwar ohne Verurteilung, aber nicht ungeschoren davon. Amtsrichter Otto Witt stellte das Verfahren gegen die Auflage ein, innerhalb der nächsten sechs Monate 4000 Euro an die betrogene Scharbeutzerin zu zahlen.

Im Juni 2013 kaufte der Angeklagte von der Geschädigten zwei Uhren, einige Füllfederhalter und ein mit Brillanten besetztes Gold-Armband. Zuvor hatte er sich unaufgefordert telefonisch bei der Frau gemeldet. Insgesamt zahlte der Kaufmann für die Wertgegenstände 1150 Euro. Allein das Armband soll jedoch 4000 Euro wert gewesen sein.

Im Beisein ihrer Tochter einigte sich die 79-Jährige und der Händler auf 1000 Euro für Uhren und Füllfederhalter. Auf erneute Nachfrage, ob sie noch Schmuck habe, brachte die Frau das Armband herbei. Der Angeklagte, der sich als Fachmann ausgegeben habe, habe die Brillanten mit einem technischen Gerät untersucht und anschließend behauptet, die Steine seien nicht echt. „Ich wollte das Armband eigentlich gar nicht verkaufen“, berichtete die Betrogene. Doch der Kaufmann blieb hartnäckig und bot ihr schließlich 150 Euro für das Armband – zusätzlich zu den 1000 Euro für die übrigen Gegenstände.

Doch kaum war der Kaufmann aus dem Haus, kam die Scharbeutzerin ins Grübeln. „Ich hatte Zweifel, ob 150 Euro richtig sind. Und da fiel mir ein, dass ich vor einiger Zeit meine Schmuckstücke schätzen lassen habe.“ Auf dieser Liste war das Armband mit 2400 Euro veranschlagt. Daraufhin habe sie sofort versucht, den Beschuldigten zu erreichen. Doch der zeigte sich hartleibig. Er wolle und könne das Schmuckstück nicht zurückgeben. Seine Frau sei damit bereits auf dem Weg nach Hamburg, um es zu veräußern.

Um den Wert des Armbandes zum Tatzeitpunkt zu ermitteln, befragte das Gericht einen Fachmann. Der Sachverständige hatte bereits 2008 das Armband der Geschädigten auf 2400 Euro geschätzt. Aufgrund des gestiegenen Goldpreises und einer Wertsteigerung der Brillanten schätzte er das Schmuckstück nun auf einen Wert von etwa 4000 Euro.

Vor Gericht stritt der Angeklagte ab, jemals Betrugsabsichten verfolgt zu haben. Er habe die Schmuckstücke mit Einverständnis der Scharbeutzerin und ihrer Tochter gekauft, erklärte der zweifache Familienvater und ließ unumwunden durchblicken, welchen Gewinn er sich versprochen habe: „Ich hab mit 1800 bis 2000 Euro beim Verkauf aller Gegenstände gerechnet.“ Auf Nachfrage des Staatsanwalts nannte er dem Gericht allerdings weder einen Ankäufer noch eine konkrete Summe, die er für den Verkauf der Gegenstände erhalten hat.

Aufgrund der Zeugenaussagen legte der Staatsanwalt dem Angeklagten ein Geständnis nahe und drohte damit, andernfalls auf eine Freiheitsstrafe zu plädieren. Auch Richter Witt machte seine Einschätzung klar: „Das war eindeutig Betrug, auch wenn der Umstand des Betruges hier denkbar einfach gemacht wurde.“

Nach einer Beratung mit seinem Verteidiger gab der Beschuldigte schließlich eine Erklärung ab, mit der er seinen Kopf aus der Schlinge zog: Er sei sich im Klaren gewesen, dass das Armband mehr als 150 Euro wert gewesen sei – er habe mit 1500 Euro gerechnet, räumte der Mann ein. Zugleich zeigte er sich bereit, den Restbetrag zum tatsächlichen Wert des Armbands in angemessenen Raten auszugleichen.

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