Sozialisation in Syrien war schuld

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31. März 2017, 11:02 Uhr

Es sei zu einem Teil auf die im arabischen Raum erfolgte Sozialisierung seines Mandanten zurückzuführen, versuchte der Verteidiger eines 32-jährigen Syrers, dessen Verhalten gegenüber einer jungen Frau aus dem Kreis Plön zu erklären. Wegen sexueller Nötigung musste sich der 2014 als Asylsuchender nach Deutschland gekommene Mann nun vor dem Plöner Schöffengericht verantworten.

Weil er bei seinem Bemühen, die Zuneigung der jungen Frau zu gewinnen, die Grenzen strafrechtlichen Verhaltens deutlich überschritten hatte, verurteilte ihn das Gericht zu einer einjährigen Bewährungsstrafe. Dabei wertete das Gericht das Geständnis des Angeklagten und dessen Angebot, dem Opfer ein Schmerzensgeld von 1000 Euro zu zahlen, strafmildernd und entsprach damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Täter und Opfer hatten sich vor etwas mehr als einem Jahr in einer Diskothek bei Schönberg im Kreis Plön zufällig kennengelernt – für die Geschädigte eine normale Bekanntschaft, für den Angeklagten die große Liebe. „Unsterblich“, so der Verteidiger, habe sich sein Mandant in die junge Frau verliebt. Eine Vielzahl von Handy-Chatprotokollen, die der Gerichtsvorsitzende verlas, gaben darüber beredt Auskunft. Eindeutig aber auch die daraufhin erfolgte Zurückweisung des Opfers.

Vielleicht ein gewolltes Missverständnis, das vor dem Hintergrund der kulturellen Herkunft seines Mandanten zu sehen sei, meinte der Verteidiger auf den Vorhalt des Gerichtsvorsitzenden, dass der Angeklagte trotz eingeschränkter Deutschkenntnisse die Ablehnung des Opfers hätte erkennen müssen. Spätestens, als er wegen seiner hartnäckigen Nachstellungen schon mal die Bekanntschaft mit der Polizei gemacht hätte – doch umsonst. Doch man traf zufällig wieder in der Disco zusammen, tanzte und unterhielt sich. Als die Geschädigte sich mit einem Taxi nach Hause fahren lassen wollte, bat er, mitgenommen zu werden. Die Geschädigte erlaubte es – ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellte. Am Hause der Geschädigten angekommen, folgte ihr der Angeklagte ins Treppenhaus, wo es dann zu massiven sexuellen Übergriffen kam. Die Handlungen des Angeklagten waren so heftig, dass das Opfer zu Boden stürzte, sich dann aber durch die Flucht weiteren Übergriffen entziehen konnte.

Angesichts der Tatsache, dass sein Mandant in der Verhandlung neben der Protokollführerin drei weiteren Frauen gegenüber gesessen hätte, sei das Geständnis seines Mandanten als „ganz erhebliche Leistung“ zu werten, meinte der Verteidiger in seinem Plädoyer. Mit der Begründung, dass das ganze Verfahren auch eine „spätpädagogische Wirkung“ auf seinen Mandanten gehabt habe, bat er für diesen um ein „mildes“ Urteil. Eine weitere Gefährdung des Opfers sei zudem für die Zukunft ausgeschlossen, da sein Mandant zwischenzeitlich in einer festen Beziehung lebe und in dieser Vater eines Kleinkindes geworden sei.

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