Nachruf : Soziale Gerechtigkeit im Blick: Dr. Karlfriedrich Berg

Dr. Karlfriedrich Berg
Dr. Karlfriedrich Berg

Sein Rückzug aus der Kommunalpolitik lag erst vier Monate zurück: Im September hatte sich Dr. Karlfriedrich Berg, den Freunde und Parteimitglieder "Charly" nannten, aus dem Kreistag verabschiedet.

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02. Februar 2011, 10:25 Uhr

eutin | Für sein über 24-jähriges Wirken erhielt der Scharbeutzer die Ehrennadel des Kreises Ostholstein. Es sollte die letzte einer Reihe von Ehrungen für den 71-Jährigen sein, der elf Jahre lang Kreispräsident und damit der höchste Repräsentant der Ostholsteiner war. Dr. Karl friedrich Berg ist Sonntag gestorben.

Der diplomierte und promovierte Chemiker, Jahrgang 1939, war in der DDR aufgewachsen. Die Erfahrungen als engagierter Christ in einem atheistischen Staat prägten Dr. Berg, dem Ende der 1970er Jahre der Wechsel in den Westen gelang.

In seiner neuen Heimat an der Ostsee, mit Wohnsitz in Scharbeutz, engagierte sich Dr. Berg in der Kirche, wurde Synodaler der nordelbischen Kirche und trat 1982 in die SPD ein. 1986 wurde er erstmals in den Kreistag gewählt. Am 18. Februar 1992 folgte auf Vorschlag der SPD-Fraktion seine Wahl zum Kreispräsidenten. Das Amt war durch den überraschenden Tod von Rolf Buck vakant geworden.

In den folgenden fast neun Jahren wurden Dr. Berg und Landrat Horst-Dieter Fischer, beide Sozialdemokraten, ein "festes Gespann", von 2001 bis 2003 folgte eine ebenfalls reibungslose Zusammenarbeit mit Landrat Reinhard Sager (CDU). Als 2003 die CDU stärkste Fraktion geworden war, übernahm Berg die Funktion des stellvertretenden Kreispräsidenten, die er bis 2008 behielt.

Fast ein Vierteljahrhundert ehrenamtliche Arbeit im Kreistag, das bedeutet viele Ausschüsse (Kultur, Wirtschaftschaftsförderung, Umwelt- und Hauptausschuss) sowie Gremien, darunter der Zweckverband Ostholstein, der Landkreistag und der Verwaltungsrat der Sparkasse Ostholstein. In seiner Funktion als Kreispräsident war er um Ausgleich bemüht, als Kommunalpolitiker stellte er den Blick auf soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Dr. Berg war immer freundlich, verbindlich und pflegte einen trockenen, teilweise verschmitzten Humor.

Zu seinen zentralen Überzeugungen gehörten Martin Luthers Ansichten, die er in der Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" zusammenfasste. Und eines wusste Dr. Berg aus persönlicher Erfahrung sehr viel besser als Kollegen, die in der Freiheit des Westens aufgewachsen sind: wie wertvoll Demokratie ist.

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