Demonstration in der Landeshauptstadt : Sorge vor Kundgebung in Kiel für Palästinenser

Am Sonnabend findet in der Landeshauptstadt eine Demonstration für Palästinenser statt. Die Organisatorin ist gegen Antisemitismus.

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25. Juli 2014, 17:10 Uhr

Kiel | Die Stimmung ist aufgeheizt auf den Straßen, wenn dieser Tage Demos pro Palästina oder pro Israel stattfinden. Antisemitische Parolen werden gerufen, Israel-Hass wird geschürt, auf beiden Seiten wachsen Aggressionen (wir berichteten). Auch in der Landeshauptstadt konnte die Polizei in der vergangenen Woche gerade noch eine gewalttätige Eskalation zwischen Teilnehmern einer pro-Israel-Kundgebung und Gegendemonstranten verhindern. Das Kieler Innenministerium ist alarmiert und hat vorsorglich eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber volksverhetzenden und rassistischen Kommentaren und Symbolen angekündigt.

Nun steht am morgigen Sonnabend eine Kundgebung „für die Bevölkerung in Gaza“ (Organisatoren) und gegen den dortigen Krieg auf dem Asmus-Bremer-Platz an. Rund 200 Teilnehmer werden erwartet. Die Sorge ist groß, dass es zu Ausschreitungen kommt. Die Jüdische Gemeinde Kiel und Umgebung fühlt sich zunehmend bedroht. Das Kieler Ordnungsamt, die Polizei und die Organisatoren haben daher bereits im Vorfeld Sicherheitsfragen besprochen.

Angemeldet hat die Kundgebung eine junge Frau  aus Kiel, die ihren Namen nicht öffentlich nennen möchte. Zusammen mit zwei Freundinnen will sie „ein Zeichen setzen und der Opfer gedenken“, sagte sie auf Nachfrage unserer Zeitung: „Dieser Krieg muss aufhören.“ Jedes unschuldige Opfer, egal auf welcher Seite, sei ein Opfer zu viel. Dennoch will sie, die an der Kieler Universität Politikwissenschaften studiert hat, besonders den Menschen im Gaza-Streifen „eine Stimme geben“ und auf die dortige Situation aufmerksam machen: „Seit acht Jahren ist der Gaza-Streifen abgeriegelt. Ich befürchte eine humanitäre Katastrophe.“

Ihre Familie habe einen palästinensischen Hintergrund, die Kundgebung sei aber unabhängig von einer Religionszugehörigkeit, Organisation oder Nation angemeldet worden. Sprechen werde morgen Rolf Verleger, Lübecker Universitätsprofessor und ehemaliger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein sowie ehemaliges Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, der aufgrund Israel-kritischer Äußerungen seine Ämter verlor.

Der Organisatorin ist wichtig zu betonen, „dass Israel-Kritik nicht gleich Antisemitismus ist“. Ausdrücklich distanziere sie sich von antisemitischen Stimmungen, so die 29-Jährige, die es verurteilt, „wenn man eine friedliche Kundgebung derartig missbraucht“. Sie als Anmelderin wolle ihr Möglichstes dafür tun, dass die Veranstaltung am Sonnabend friedlich ablaufe: „Wenn es zu Gegendemonstrationen kommt, arbeiten wir natürlich mit der Polizei zusammen.“

Die Polizei in Kiel schützt die Kundgebung mit Beamten aus der Landeshauptstadt sowie der ersten Hundertschaft aus Eutin. Weit mehr als 100 Polizeibeamte werden nach Angaben eines Sprechers im Einsatz sein – um für den Fall vorbereitet zu sein, dass sich auch radikale Gruppen der Kundgebung spontan anschließen. Dabei muss die Polizei am Sonnabend gleich mehrere Großeinsätze unter einen Hut bringen.

Nichtsdestotrotz werden die beiden jüdischen Einrichtungen in der Landeshauptstadt nach Auskunft eines Polizeisprechers in Kiel täglich regelmäßig bestreift – unabhängig von einer verschärften Sicherheitslage.

Dass dies notwendig ist, betont die Geschäftsführerin des Vereins Jüdische Gemeinde Kiel und Region, Viktoria Ladyshenski. „Wir fühlen uns bedroht“, sagte sie gestern auf Anfrage. „Eine antisemitische Stimmung liegt in der Luft.“ Erst kürzlich erhielt die Gemeinde einen Drohbrief, der auf die Nahost-Krise Bezug nimmt. Darin heißt es: „Wir werden euch finden. Wo immer ihr euch verkriecht. Und wir werden genau so unbarmherzig sein, wie ihr zu dem palästinensischen Jungen, den ihr lebendig verbrannt habt.“

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