Sorge vor der „Nachwuchskräftelücke“

Was sagen die Zahlen? Karsten Marzian (li.) und Markus Dusch sind erfreut über die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt 2016.
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Was sagen die Zahlen? Karsten Marzian (li.) und Markus Dusch sind erfreut über die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt 2016.

Licht und Schatten auf dem Arbeitsmarkt des vergangenen Jahres im Kreis Ostholstein / Flüchtlingswelle hat kaum Auswirkungen

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07. März 2017, 18:02 Uhr

Die Arbeitslosenquote ist auf 5,8 Prozent gesunken, die Zahl der Menschen in Lohn und Brot um drei Prozent gestiegen – „Darauf sind wir stolz“, sagte Markus Dusch, Vorsitzender der Agentur-Geschäftsführung gestern bei der Vorstellung der Arbeitsmarktstatistik der Agentur für Arbeit. Demnach hat im vergangenen Jahr auch das Job-Angebot zugelegt: 5476 Stellen standen bereit. 2015 waren es noch 5233 gewesen – ein Anstieg um 4,6 Prozent. „Ein exorbitant hoher Wert“, sagte Dusch. Aber nicht alle Arbeitgeber finden die richtigen Mitarbeiter. In Ostholstein gibt es Fachkräfte-Engpässe in den Gesundheits- und Elektroberufen sowie im Reinigungs- und Tourismusgewerbe.

Die Flüchtlingswelle konnte dabei auch nicht Abhilfe schaffen. Und sie hat bisher kaum Auswirkungen auf die Statistik der Arbeitsagentur – 2017 wird sie es jedoch haben. Denn im Verlauf dieses Jahres sei mit weiteren Arbeitslosmeldungen von Flüchtlingen zu rechnen, so Dusch. 27 Prozent mehr Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit – 137 mehr als noch 2015 – haben sich im vergangenen Jahr arbeitslos gemeldet; im Jahresschnitt waren das 644 Ausländer, zurzeit seien es rund 1200. „2017 werden wir deutlich mehr Geld in die Hand nehmen“, blickte Dusch voraus. Dabei seit der Bereich „Flucht und Asyl“ nur ein Teil; für die Weiterbildung von „schwierigen Kunden“ – allein über die Hälfte der beim Jobcenter gemeldeten Menschen sind Langzeitarbeitslose – sei weiteres Geld eingeplant. Aber Dusch betonte, dass aufgrund der gewachsenen Zahl von Flüchtlingen „da kein Geld für Leistungen weggenommen wird, sondern wir erhalten Extra-Geld“.

Apropos: Die Agentur für Arbeit Lübeck hat 2016 in der Hansestadt Lübeck und im Kreis Ostholstein 143,8 Millionen Euro ausgegeben; 13,3 Millionen oder 10,1 Prozent mehr als 2015. 54,5 Prozent der Haushaltsmittel wurden unter anderem für die Lohnersatzleistungen Arbeitslosengeld I (78,3 Millionen Euro; +19,7 Prozent) und Insolvenzgeld (3,5 Millionen Euro; -19,1 Prozent) gezahlt. Rund ein Viertel der Haushaltsmittel (35,1 Millionen Euro; +3,4 Prozent) wurde für Leistungen der aktiven Arbeitsförderung gewährt – beispielsweise für junge Menschen. Deren Zahl war 2016 aufgrund des doppelten Abi-Jahrgangs auf 4787 Schulabgänger gestiegen – um rund 800 Schüler mehr als noch im Jahr zuvor. Ihnen standen jedoch nur 3770 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Die Zuwanderung hilft indes jedoch nicht, die „Nachwuchskräftelücke“ zu schließen: Im Jahr 2028 werden rund 120  000 Jugendliche weniger für Ausbildungsplätze bereit stehen. Und der demografische Wandel verstärkt sich noch: Durch Renteneintritte muss die Wirtschaft in rund zehn Jahren gleichzeitig 6,1 Millionen Arbeitnehmer weniger verkraften.

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