„Sopranissimo“ in Gefahr

Solche Bilder, wie hier beim „Home-Town“-Konzert, könnten bald der Vergangenheit angehören. Es fehlt an finanzieller Unterstützung.
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Solche Bilder, wie hier beim „Home-Town“-Konzert, könnten bald der Vergangenheit angehören. Es fehlt an finanzieller Unterstützung.

Seit Jahren versucht Eva Monar, das Konzert als Baustein der Kulturförderung zu etablieren, doch es steht schlecht um die Finanzierung

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09. März 2018, 13:33 Uhr

Wenn Gesangsschüler bei „Sopranissimo“ oder den „Home-Town“-Konzerten im Kursaal auftreten, ist ein volles Haus garantiert. Mit viel ehrenamtlichem Engagement versucht die Malenter Sängerin Eva Monar seit zehn Jahren, das Publikum mit wechselnden Themen und Arrangements immer wieder aufs Neue zu begeistern und zugleich heimischen Kulturschaffenden eine Bühne zu bieten, auf der sie sich ausprobieren können – mit ganz unterschiedlichen Motiven: Manch junges Talent sammelt hier Erfahrungen für größere Auftritte, andere nutzen die Gelegenheit, um ihre Schüchternheit zu überwinden.

Etwa 100 Musiker haben im Laufe der Jahre bei den Konzerten mitgemacht, überschlägt Eva Monar. Die Veranstaltungen im Kursaal entfalteten eine generationenübergreifende Anziehungskraft, beim Publikum und bei den Protagonisten: Das Alter der Sängerinnen und Sänger lag zwischen sechs und 86 Jahren. Ziel der Gesangslehrerin und ausgebildeten Opernsängerin war immer, feste Strukturen aufzubauen, die sich im Kulturleben der Gemeinde so etablieren, dass sie als dauerhaft fördernswert eingestuft werden. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein: „Dieses Jahr habe ich das Gefühl, dass alles wegbricht“, beklagt Eva Monar. Ihr werde zwar Unterstützung bekundet, sie habe aber nicht den Eindruck, dass jemand tatsächlich dafür stehe.

In der Vergangenheit habe Malentes langjähriger touristischer Dienstleister GLC Glücksburg Consulting einen Großteil der Finanzierung übernommen, berichtet Monar. Auch die Gemeinde habe mit Beträgen zwischen 600 und 800 Euro ihre Unterstützung geleistet. Zwar habe die „Mats“ als GLC-Nachfolgerin neben dem Erlass der Raummiete eine Förderung in Höhe von 250 Euro zugesagt, doch das sei derzeit die einzige Unterstützung. „Damit kann ich nicht mal einen Pianisten bezahlen“, sagt Eva Monar. Etwa 2500 Euro benötige sie für ein „Sopranissimo“-Konzert, in dieser Summe enthalten seien die Kosten für etwa zehn Probewochenenden und Honorare für fünf oder sechs professionelle Musiker, die das Konzert etwa durch das Schreiben von Arrangements unterstützten.

Zwar habe sie mit einigen Mitstreitern im Jahr 2016 den Verein „Kultur-Transport“ gegründet, um Kinder und Jugendliche mit kulturellen Projekten zu fördern und zu fordern. Ziel sei, Künstler, Kulturinteressierte und Förderer ins Boot holen. Doch die Kulturförderung sei ein schwieriges Unterfangen: „Das ist eine Arbeit für Politiker, nicht für Künstler“, sagt Eva Monar. Sie stecke ihre Energie voll in die Arbeit am Menschen.

Noch plant Eva Monar tapfer die nächste „Sopranissimo“-Auflage für den Muttertag am Sonntag, 13. Mai. „Es finden schon erste Proben statt und Musiker sind engagiert“, sagt sie. Die jungen Gesangsschüler bräuchten den Auftritt, etwa um sich auf die Aufnahme an der Musikhochschule Lübeck vorzubereiten oder auf ein Vorsingen für eine Tournee. Doch ob das Konzert am Ende wirklich stattfinden wird, ist alles andere als klar: „So wie es jetzt aussieht, ist die zehnjährige Arbeit gestorben“, befürchtet die Gesangslehrerin.

Bislang seien „Sopranissimo“ und das „Home-Town“-Konzert ein wichtiger Baustein bei der Förderung junger Gesangstalente aus der Region gewesen, betont Eva Monar. Etwa für die Eutinerin Lea Bublitz, die im Mai als Sängerin der Musikhochschule Lübeck in der Hamburger Elbphilharmonie eine Hauptrolle übernimmt: In der Oper „Raub der Lucretia“ von Benjamin Britten. Oder für Jasmin Delfs aus Malente: Die Studentin der Musikhochschule Lübeck singt an drei Tagen vom 16. bis 18. März im Lübecker Johanneum die Partie der „Königin der Nacht“ in Mozarts „Zauberflöte“.

> Wer „Sopranissimo“ und die „Home-Town“-Konzerte unterstützen will, kann sich an Eva Monar wenden. Sie ist unter Telefon 0172/9929484 zu erreichen. Die Jahresversammlung des Vereins „Kultur-Transport“ findet am Sonntag, 25. März, ab 18 Uhr bei Eva Monar (Wöbbensredder 20) statt.

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