zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 03:15 Uhr

Soldatenheim: Die Zukunft ist ungewiss

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Neuer Besitzer will „Uns Huus“ in Lütjenburg wie bisher betreiben / Stadt skeptisch

von
erstellt am 15.Jan.2016 | 12:15 Uhr

Seit Anfang Dezember hat das ehemalige Soldatenheim „Uns Huus“ in Lütjenburg einen neuen Besitzer. Nach Informationen des OHA hat ein Hohwachter Hotelier das Objekt ersteigert. Birger Rosenbrook, Besitzer der „Schlampmühle“ und anderer Objekte in dem Ferienort, bestätigte auf Nachfrage: „Ja, ich habe den Zuschlag erhalten, auch wenn ich notariell noch nicht der Eigentümer bin.“

Am 6. Dezember war das Soldatenheim im Auftrag der Bima während der Winterauktion der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG in Rostock versteigert worden. Aufgerufen zum Mindestgebot von 54  000 Euro, stiegen die Gebote im Verlauf der Auktion in einem Bieter-Wettstreit bis auf 189  000 Euro.

Beim Soldatenheim handelt es sich um ein 1972 erbautes, massives Gastronomie- und Veranstaltungsgebäude mit Wohnbereich. Die Nutzfläche liegt bei über 2000 Quadratmetern. Mitgeboten hatte unter anderem der Lütjenburger Bürgermeister Dirk Sohn im Auftrag der Stadt; er musste jedoch wegen seines Limits vorzeitig aussteigen.

Persönlich habe er keine konkreten Pläne für das Objekt, sagte Birger Rosenbrook dem OHA. Er suche vielmehr einen Betreiber, um das Haus wie in der Vergangenheit zu betreiben. „Ich will dies wie bisher zur Verfügung stellen.“ Das heißt, der große, renovierte Saal für rund 250 Besucher soll ebenso genutzt werden wie das angeschlossene Restaurant. Im Haus gab es zudem eine Kegelbahn. Hinzu kommen einige kleinere Zimmer für Übernachtungen und weitere kleinere Versammlungsräume.

Insgesamt rund 1,3 Millionen Euro hatten Bund und Evangelische Soldatenbetreuung noch kurz vor der Schließung 2010 in die Renovierung des Objektes gesteckt, eine Fehl-Investition wie sich dann mit der wenig später erfolgten Schließung nach Abzug der Bundeswehr herausstellen sollte.

Bereits vor dem Erwerb habe er mit dem Bürgermeister von Lütjenburg, Dirk Sohn, telefoniert, das Haus auch schon besichtigt, bestätigte Rosenbrook. „In den nächsten Tagen“ werde er erneut mit Dirk Sohn Kontakt aufnehmen.

Lütjenburgs Bürgermeister zeigte sich dennoch „mehr als überrascht“, als er vom OHA auf den neuen Besitzer angesprochen wurde. Er wisse „derzeit noch nichts“, sagte Sohn. „Ich erwarte einfach, dass man mich anspricht“, sagte er zu der Absicht des neuen Besitzers, das Objekt wie bisher zu betreiben. Er kenne ihn auch nicht. „Die Stadt wird dann eine Entscheidung treffen, vielleicht passt die mit den Plänen des neuen Eigentümers zusammen.“ Hotel oder Ferienwohnungen schloss Sohn jedoch wegen der dahinter liegenden Schule kategorisch aus. Gegenüber auf der anderen Straßenseite zieht gerade ein Unternehmen für Landmaschinen ein.

Sohn selbst hat große Zweifel, dass das Soldatenheim wirtschaftlich betrieben werden kann. „Keiner der Interessenten, die sich bisher das Haus angesehen haben, konnte sich vorstellen, das Haus wirtschaftlich zu betreiben.“ Konkret seien deshalb zwei potentielle Pächter trotz eines in Aussicht gestellten Zuschusses seitens des Bundes und der Stadt abgesprungen. 393 Kilowatt pro Quadratmeter im Jahr müssen erwirtschaftet, sprich bezahlt werden. Nach Überschlagsrechnungen aus der Vergangenheit beläuft sich dies auf Gesamt-Kosten von rund 10  000 Euro im Monat.

Das müsse man nun sehen, ist Rosenbrook dennoch zuversichtlich. Hinzu kommt, dass die neue Küche bereits ausgebaut und einem Kinderhospital in Kabul gestiftet wurde. Auch darin sieht der neue Eigentümer kein größeres Problem. Was noch vorhanden sei, sei zumindest eine „gute Grundlage“.

Dirk Sohn selbst bezweifelt, dass sich eine mögliche Änderung im Flächennutzungsplan in der Stadt durchsetzen ließe. In jedem Fall sieht es im Augenblick eher danach aus, als ginge die Stadt auf Distanz. Zumal Sohn keinen Hehl aus seiner Ablehnung macht. „So wie das Haus da steht, könnte man es nur abreißen.“

 


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen