Aus dem Amtsgericht : Sohn nimmt Vater Drogen weg - Prügel

Das Eutiner Amtsgericht verurteilt einen 41 Jahre alten Malenter zu sechs Monaten Haft auf Bewährung.

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28. Februar 2013, 11:31 Uhr

Eutin | Er mache diesen Beruf seit 32 Jahren, und da könne man sich nur noch an wenige Fälle erinnern, sagte Richter Otto Witt. Aber dieser Fall werde so einer sein. Auf der Anklagebank saß ein wegen Körperverletzung angeklagter Malenter, der seinen Sohn im Oktober 2012 getreten, geschlagen und gewürgt haben soll. Der Zehnjährige hatte seinem 41 Jahre alten Vater zuvor dessen Drogen weggenommen und wollte sie, so die Staatsanwältin, vernichten.

Mit dem Drogenpäckchen war der Zehnjährige zu einem gleichaltrigen Freund gegangen. Dort spürte ihn sein Vater auf. "Er kam in unser Wohnzimmer, schrie den Jungen sofort an, packte ihn am Hals und wollte wissen, wo sein Zeug sei", schilderte der Vater des Freundes. Dann habe der Angeklagte seinen Sohn am Ohr gezogen, zu Boden gestoßen und gegen das Schienbein und in den Hintern getreten. Anschließend habe er ihn an den Haaren gepackt und zur Terrasse gezerrt, wo er den Jungen gegen ein Geländer gedrückt habe. Erst, nachdem er von dem schreienden Jungen ein kleines Tütchen mit seinen Drogen ausgehändigt bekommen hatte, ließ der Malenter von seinem Sohn ab. Während der Sohn nicht vor Gericht aussagen musste, zog der Vater es vor, zu schweigen.


"Absoluter Vertrauensmissbrauch"

Weshalb denn der Zeuge nicht eingegriffen habe, wollte Witt von dem 42-Jährigen wissen. "Das hätte ich machen können, aber das war mir zu heikel. Denn sonst wäre ich auch straffällig geworden", so dessen Begründung.

Als einen absoluten Vertrauensmissbrauch, der sittlich auf einer ganz niedrigen Stufe stehe, bezeichnete die Staatsanwältin die Tat. "Ich habe in keinster Weise Verständnis dafür, wenn jemand auf ein wehrloses Kind einschlägt", sagte sie. Aus diesem Grund forderte sie sechs Monate Haft auf Bewährung für den Angeklagten.

Dieser Forderung schloss Witt sich an. "Wenn man berücksichtigt, wie gemein und brutal ihre Tat war, dann ist eine Haftstrafe angemessen", urteilte der Richter. Außerdem muss der Malenter noch 100 Arbeitsstunden ableisten.

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