Sohlgleite soll optimiert werden

Nach der Kritik von Jürgen Skop hat die Gemeinde die Durchfahrt für Wasserwanderer vor der Übersetzstelle gesperrt.
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Nach der Kritik von Jürgen Skop hat die Gemeinde die Durchfahrt für Wasserwanderer vor der Übersetzstelle gesperrt.

Starke Strömung bei geöffnetem Wehr sorgt für Probleme / WBV schlägt Umbau vor / Übersetzstelle für Wasserwanderer jetzt gesperrt

shz.de von
11. April 2018, 15:23 Uhr

Die Gemeinde hat auf Kritik von Jürgen Skop reagiert und die Übersetzstelle an der Gremsmühle für Wasserwanderer gesperrt. Flussabwärts verbietet am Anleger auf Höhe der Pumpstation neben dem Parkdeck ein Schild unter Hinweis auf Lebensgefahr die Durchfahrt. Kleiner Schönheitsfehler: Das Schild verweist noch auf Bauarbeiten im Schwentinebett, die mittlerweile eingestellt wurden. Flussaufwärts hängt ein Schild an der neuen Fußgängerbrücke, das ebenfalls auf die Sperrung hinweist.

Unterdessen soll aufgrund der von Jürgen Skop aufgeworfenen Problematik (wir berichteten gestern) heute ein Gespräch beim Wasser- und Bodenverband (WBV) Ostholstein in Eutin stattfinden. Daran wollen sowohl Malentes Bürgermeisterin Tanja Rönck als auch ein Vertreter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) in Husum teilnehmen.

Zum einen solle es darum gehen, wie kurzfristig sichergestellt werden kann, dass die Übersetzstelle mit der Rollenanlage gesperrt wird, wenn das Schott an der Gremsmühle geöffnet ist, erklärten Bürgermeisterin Tanja Rönck und WBV-Geschäftsführerin Hanna Kirschnick-Schmidt gestern unisono. Denn dann kommt es zu starken Strömungen, die Wasserwanderer in Gefahr bringen könnten.

Zum anderen steht ein möglicher Umbau an der Übersetzstelle zur Diskussion. Denn die im Jahr 2005 eingeweihte Sohlgleite habe sich auch aus ökologischer Sicht nicht als befriedigend erwiesen, erklärte Hanna Kirschnick-Schmidt. Aufgrund der starken Regenfälle der vergangenen Monate sei das Stauwehr an der Gremsmühle seit Oktober vergangenen Jahres fast ununterbrochen geöffnet. „Wir müssen das Wehr öffnen, um den Wasserstand im Kellersee abzusenken.“ Doch dadurch sei die Sohlgleite fast dauerhaft trocken gefallen. Ihre Funktion, die Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserlebewesen zu gewährleisten, könne sie so aber nicht erfüllen. Dieses Ziel werde jedoch durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie vorgegeben. Daher habe sich der WBV bereits im Dezember vergangenen Jahres mit einem Schreiben an das Land gewandt und eine Optimierung der Sohlgleite vorgeschlagen, erklärte Hanna Kirschnick-Schmidt. Damit sei man auf offene Ohren gestoßen. Derzeit werde geprüft, ob für einen Umbau Fördermittel bereitgestellt werden könnten.

Verantwortlich für die Problematik – sowohl für die Ökologie als auch die Wasserwanderer – sei neben den anhaltenden Regenfällen aber auch die Konstruktion des Wehrs, erläuterte Hanna Kirschnick-Schmidt. Es handele sich um ein „unterschlächtiges“ Wehr. Das Wasser fließe unter diesem hindurch, wenn es geöffnet werde. Werde es nur teilweise geöffnet, entstehe ein sehr starker Sog, der sehr gefährlich sei. Fischer Helmut Schwarten bediene das Wehr im Auftrag des WBV. Er habe Versuche mit einem Dummy unternommen, der dem Gewicht eines Menschen entspreche, berichtete die WBV-Geschäftsführerin. Dabei sei die Gummipuppe durch den Sog in die Tiefe gerissen worden und unter dem Schütz hängen geblieben. „Deshalb öffnet der Fischer das Wehr immer nur vollständig.“ Eine teilweise Öffnung, bei der die Sohlgleite nicht trocken falle, verbiete sich aus Sicherheitsgründen. „Das hat man seinerzeit bei der Planung nicht bedacht, und deswegen streben wir da jetzt eine Optimierung an“, erläuterte Hanna Kirschnick-Schmidt die Überlegungen des WBV.

Derzeit gebe es zwei Denkansätze, wie die beschriebene Problematik entschärft werden könnte. Entweder werde das unterschlächtige Wehr durch ein oberschlächtiges ersetzt, bei dem das Wasser über die obere Kante falle. Oder zwischen dem Wehr und dem Schwimmponton an der Rollenanlage werde ein Rechen eingebaut, der verhindere, dass Kanuten unter Wasser gezogen würden. Mit genauen Planungen solle gegebenenfalls der Ursprungsplaner der Sohlgleite beauftragt werden. Bei der Finanzierung des Umbaus hofft Hanna Kirschnick-Schmidt auf Mittel im Zusammenhang mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

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