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Plön/Ascheberg : So wenig Einschränkungen wie möglich

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

In der Plöner Senioren-Wohngemeinschaft am Koppelsberg leben Menschen mit Demenzerkrankungen und Tiere zusammen

von
erstellt am 08.Jun.2015 | 13:59 Uhr

„Und wie nennt man eine Puppe, die mit Bändern an einem Holzkreuz befestigt ist?“ – „Marionette“ ertönt es einstimmig. Viele Mieter der Seniorenwohngemeinschaft am Koppelsberg haben sich am Tisch in der großen Wohnküche versammelt, um vor dem Mittagessen am Gedächtnistraining teilzunehmen.

Zu ihren Füßen haben es sich die beiden Labradore „Bond“ und „Amy“ gemütlich gemacht. Bunte Gardinen an der großen Fensterfront mit Blick auf den Großen Plöner See und die hauseigene Terrasse, ein blaues Sofa, mehrere Sessel und farbige Tapeten sorgen für eine familiäre und gemütliche Atmosphäre im Gemeinschaftsraum.

„Unsere Mieter helfen auch jeden Tag beim Kochen in der behindertengerechten Küche mit“, sagt der Hausleiter Werner Ochmann. Seit einem Jahr leitet der gelernte Krankenpfleger und Pflegedienstleiter die Seniorenwohngemeinschaft am Koppelsberg für Menschen mit Demenzerkrankungen. Sein Schnauzermischling „Chipie“ hat es sich auf einer Decke bequem gemacht und beobachtet interessiert das Geschehen im Haus. „Unsere Mieter können gerne ihre Haustiere mitbringen, wenn sie bei uns einziehen. Im Moment leben hier drei Hunde und eine Katze“, freut sich Werner Ochmann.

Auf dem Außengelände der Wohngemeinschaft erkunden freilaufende Hühner die Gegend. Neben ihnen leben hier noch Hasen und Schafe. „Zurzeit haben wir vier junge Lämmer, die auch von unseren Mietern versorgt und gestreichelt werden. Außerdem legen wir gerade ein Gemüsebeet im Garten an“, berichtet der 55-jährige Heimleiter.

Vor etwa zwei Jahren eröffnete der Hamburger Jukka Heymann die Senioren-WG auf dem Gelände der ehemaligen Zollstation „Hinterste Wache“ am Koppelsberg. Der Hamburger Investor und Geschäftsführer hat das idyllische Ufergrundstück von der Nordelbischen Kirche gekauft. Das Projekt solle eine Alternative zum Pflegeheim für Menschen mit Demenzerkrankungen darstellen. Auf rund 6000 Quadratmetern ist Platz für 22 Bewohner. Momentan leben hier 16 Frauen und 4 Männer mit Demenzerkrankungen im Alter zwischen 62 und 85 Jahren miteinander. Jeder von ihnen bewohnt ein Einzelzimmer. Viele von ihnen stammen aus der Region. Der Aufenthalt kostet zwischen 1550 und 1750 Euro im Monat. „Jeder Mieter richtet sein Appartement von maximal 50 Quadratmetern selber ein. Das ist sehr wichtig, um sich hier heimisch zu fühlen“, findet Werner Ochmann.

Voraussetzung für den Einzug ist das Vorhandensein einer Pflegestufe. Mit Hilfe von 14 Mitarbeitern und Pflegekräften, die auf den Umgang mit Menschen mit Demenzerkrankungen spezialisiert sind, kümmert sich Ochmann um das Wohlergehen seiner Mieter. „Uns ist es wichtig, dass die Menschen hier mit so wenigen Einschränkungen wie möglich zusammenleben. Deshalb gibt es auch keine festen Essenszeiten. Jeder kann den Tag gemäß seiner eigenen Gewohnheiten erleben“, sagt der Heimleiter. Das gemeinsame Vorbereiten des Mittagessens, Tischdecken, Aufräumen und das Kaffeetrinken am Nachmittag gehören ebenso zum Alltag der Mieter wie Gymnastikkurse, Maltherapie, Gedächtnistraining, Singen, Bastel- und Gartenarbeiten sowie das Versorgen der Tiere. Ausflüge auf den Plöner Wochenmarkt, eine Fahrt durch die Rapsblütenlandschaft oder der Besuch eines Weihnachtsmarktes stehen ebenso auf dem Programm.

„Die Mobilisierung unserer Mieter und deren Miteinander steht im Fokus unserer Arbeit“, beschreibt Werner Ochmann das Konzept der Wohngemeinschaft. Unterstützt werden die Mitarbeiter der Senioren-WG von ihrem Kooperationspartner, dem ambulanten Pflegedienst des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Plön-Segeberg, der rund um die Uhr vor Ort ist.

 

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