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Ein regelmäßiger Gast in Malente : Singen vom Mut zur Freiheit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vom Redakteur zum Liedermacher: Norbert Zimmer aus Mönkeberg hat sein Leben gründlich umgekrempelt.

Der erste Auftrittsort war im vergangenen November das Wohnzimmer seines Vermieters: Vor zehn Gästen sang Norbert Zimmer mit seiner Lebensgefährtin Cornelia Runge selbstgetextete Lieder vom Leben und der Liebe. „Zwei der Gäste sagten, das sei für sie der schönste Abend seit Jahren gewesen“, erinnert sich der 64-Jährige.

Musik spielt im Leben des Mönkebergers schon immer eine Rolle. Als fünfjähriger Steppke sang er Schlager für die Nachbarn, als junger Mann brachte er sich selbst das Gitarrespielen bei, in seiner Studentenzeit spielte und sang er in einer Band. Zwanzig Jahre lang trat er bei Hochzeiten und Dorffesten als Alleinunterhalter auf. Doch erst nachdem er Mitte 2012 seinen Beruf als Zeitungsredakteur an den Nagel gehängt hatte, fing er an, Lieder zu schreiben. Mittlerweile hat Zimmer 14 Songs im Repertoire, einige hat er schon mal auf seine Internetseite gestellt, die erste CD soll im April erscheinen.

Unter dem Motto „Lieder der Freiheit“ hat das Duo inzwischen sieben „Konzerte der leisen Töne“ gegeben, davon vier Wohnzimmerkonzerte und drei öffentliche Auftritte. Einer davon fand Ende Januar in der Malenter Vital-Klinik Buchenholm statt. Dort war man von den Liedern so angetan, dass aus dem Konzert eine regelmäßige Einrichtung werden soll.

„Die Leute mögen, was wir machen, aber wir machen etwas ganz Spezielles, was es so noch nicht gibt“, sagt Zimmer. „Die Lieder handeln alle von den Fragen, die Menschen tatsächlich bewegen: Was ist der Sinn meines Lebens, wie kriege ich eine gute Beziehung hin?“, sagt Zimmer, „kein Herz-Schmerz-Gesülze, sondern Texte, die man ernst nehmen kann“. Finde deinen Weg: Das sei in vielen verschiedenen Übersetzungen das große Thema – dargeboten mit schönen Stimmen und Melodien. Viele Menschen lebten in Schablonen und Mustern, die andere – etwa Kollegen, Eltern oder Nachbarn – diktierten. Doch dafür, die eigene Freiheit zu nutzen, brauche es Mut, weiß der Liedermacher.

Hinter den vertonten Einsichten mit Titeln wie „Freiheit – ich lade dich ein“, „Traum vom Tango“ oder „Bin 63 – und fang gerade neu an“ steht eine gehörige Portion Lebenserfahrung, gepaart mit einer tiefen Zäsur vor acht Jahren. Damals trennte sich Zimmer von seiner Frau – nach 33 Ehejahren. „Lange Zeit hatte ich den Mut nicht, diesen Schritt zu gehen“, erinnert er sich. Er habe Seminare besucht, 100 Bücher gelesen und in vielen Begegnungen versucht herauszufinden, was er eigentlich wolle. Dann habe er gemerkt, dass er die Freiheit habe, seinen Weg zu gehen. „Wenn ich dies oder jenes will, dann darf ich es. Ich muss es nur selber rausfinden.“ Das sei die Antriebsfeder für seine Texte.

Seine Lieder bewegen vor allem Zuhörer jenseits der 50, hat Zimmer beobachtet. „Das sind genau die Themen, die Menschen in der zweiten Phase des Lebens besonders berühren“, sagt der Sänger, der seine Lieder in Konzerten immer um ein paar Worte zu ihrer Entstehungsgeschichte ergänzt.

Wenn Zimmer in seinem Tonstudio am Rechner sitzt, kommen musikalisch ausgearbeitete, von vielen Instrumenten begleitete Songs heraus. Doch die Auftritte sind anders. Dann gibt es nur zweistimmigen Gesang, begleitet von der Gitarre. Doch gerade das begeistere das Publikum, sagt Zimmer. Weil es als authentisch und voller Leben wahrgenommen werde.

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erstellt am 01.Mär.2016 | 15:23 Uhr

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