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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 10:38 Uhr

Silbermöwen muss man im Auge behalten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Silbermöwen leben äußerst gesellig / Wenn die Vögel erst einmal verpaart sind, leben sie nicht selten in langjähriger oder sogar in lebenslanger Partnerschaft

von
erstellt am 10.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Wenn man an schleswig-holsteinischen Küsten Urlaub machen und sich einen Imbiss in Form eines Fischbrötchens, einer Bratwurst oder einer Portion Pommes frites gönnen will, achte man tunlichst auf unsere Silbermöwen – es hat schon sehr viel Ärger mit diesen überraschend und zielsicher angreifenden Großmöwen gegeben.

Der eigentliche Speiseplan der Silbermöwe, unserem Charaktervogel der Küsten und besonders der Nordsee, ist „darüberhinaus“ sehr abwechslungsreich; sie ernährt sich von Würmern, Insekten, Weichtieren, Krebsen und leider auch von Vogeleiern und -küken. Sie fängt auch Fische, stiehlt sie von Fischerbooten oder nutzt den über Bord gehenden Beifang. Mülldeponien sind ein wahres Schlaraffenland für sie, da es hier jede Menge verfügbare Nahrung gibt, die einfach nur „aufgesammelt“ werden muss. Seitdem jedoch viele Deponien geschlossen oder sehr schnell nach der Befüllung mit Boden abgedeckt werden, sollen die Winterbestände der Silbermöwe um die Hälfte zurückgegangen sein.

Silbermöwen leben äußerst gesellig und nisten in der Regel in großen Kolonien. Wenn die Vögel erst einmal verpaart sind, leben sie nicht selten in langjähriger oder sogar in lebenslanger Partnerschaft. Sie gehen außerhalb der Brutzeit zwar getrennte Wege, treffen sich aber immer wieder an ihren alten Brutplätzen. Gebrütet wird auf Strand- oder Salzwiesen, in Dünen, auf Kiesflächen oder kleinen Inseln der Flüsse, ja, neuerdings sogar auf flachen Hausdächern, was nicht immer zu einem friedlichen Miteinander führt.

Die Küken schlüpfen mit einem graubraunen, flaumigen Dunenkleid und verlassen das Bodennest nach wenigen Tagen als Nestflüchter, werden aber in der nahen Umgebung von beiden Eltern weiter versorgt. Erst nach gut einem Monat sind die Jungen unabhängig. Zu ihrer Verpaarung wird es vier Jahre dauern, bis sie die Geschlechtsreife erreicht und dann auch erst ihr endgültiges Prachtkleid angelegt haben. Die Bestimmung der Übergangskleider der Silbermöwe ist auch für viele Ornithologen immer wieder eine Herausforderung, zumal weltweit Rassenbildungen und Bastardierungen an der Tagesordnung sind.

Im Gegensatz zu vielen unserer Limikolen (Watvögeln) ist das Männchen der Silbermöwe größer – was nicht immer im Freiland sicher erkennbar ist, und die Schwankungen reichen von 55 bis 70 cm der Körperlänge, 125 bis 150 cm Spannweite der Flügel und 800 bis 1500 Gramm des Körpergewichtes - abhängig vom Ernährungszustand. Der Fortbestand der Silbermöwe erscheint nach diesen Schilderungen derzeit nicht gefährdet. Angesichts der dynamischen Veränderung im Nahrungsangebot, die sie ja offenbar gerne annimmt, muss die weitere Bestandsentwicklung genau verfolgt werden. Forderungen nach einer Bejagung in Urlaubsgebieten, wie sie dereinst aus sportlichen Erwägungen auf Sylt geübt wurde, lehnt der Naturschutz entschieden ab.

Zahlreiche Verwandte der Silbermöwen gibt es an unseren Küsten. Die eigentliche Ostseemöwe ist die Sturmmöwe, und sie ist der dominierende Brutvogel der Möweninsel im Sibbersdorfer See bei Eutin, es folgt die Lachmöwe mit der schwarzen „Kapuze“ im Brutkleid. „Volumenmäßig“ deutlich größer sind die dunklen Mantelmöwen, und etwa die gleiche Körpergröße wie die Silbermöwe besitzt die an der Nordsee brütende Heringsmöwe.

Als Gast aus dem Schwarzmeergebiet nimmt die Schwarzkopfmöwe zahlenmäßig von Jahr zu Jahr in unseren heimatlichen Lachmöwen-Kolonien zu. Wissenschaftler trennen die west- und die nordeuropäische Silbermöwe als Rassen und in sogenannte Unterarten wie in Kanada-, Mittelmeer- sowie in die Steppenmöwe, und dann werden in den Übergangsgebieten diverse Bastardierungen beobachtet – ein auch für Feldornithologen kompliziertes Feld.

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