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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 18:19 Uhr

Lokalsport : Sieg über die schwere Krankheit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

16jähriger Schüler findet nach Morbus Hodgkin auch durch seine Liebe zum Basketball allmählich in den Alltag zurück.

Der Tag in der Uni-Klinik Lübeck verhieß nichts Gutes. „Jonas war ziemlich erschöpft und unmotiviert“, erinnert sich seine Mutter Beate Seebann. Doch dann ging die Tür auf und eine Krankenschwester brachte Licht in den tristen Chemotherapietag. Sie hatte ein Paket für den begeisterten Basketballer Jonas Seebann in den Händen, mit einem Gruß von Bundesligaspieler Per Günther. „In solchen Momenten geht in schweren Zeiten ein Licht auf“, sagt Beate Seebann. Ihr Sohn Jonas bekam im September 2013 die Diagnose „Morbus Hodgkin“, dabei handelt es sich um einen bösartigen Tumor des Lymphsystems, und gilt jetzt als geheilt. Seine beste Therapie: Der 16-Jährige hat immer wieder im Basketball den Halt gefunden, den er während seiner Krankheit brauchte.

Am 15. Februar war die Therapie beendet, am 27. März war der erste Termin zur Nachsorge. Ein Meilenstein war der 4. Juli, da wurde der Port entfernt, der den Ärzten für die Zeit der Chemotherapie den Zugang zu den Adern ermöglichte. „Da wussten wir, dass Jonas es geschafft hat“, sagt Beate Seebann hörbar erleichtert.

Mit dem Schuljahr 2014/15 kehrt Jonas Seebann in den Alltag zurück. Wegen der großen Ansteckungsgefahr konnte er die Schule nicht besuchen, stattdessen gab es Hausbesuche von Lehrkräften. Jonas Seebann entschied sich, die zehnte Klasse noch einmal in Angriff zu nehmen. In der Schule sitzt er jetzt wieder neben seinem besten Freund Tommy Collier. Daneben verdient sich Jonas ein paar Euro zu seinem Taschengeld hinzu, indem er zweimal pro Woche in einem Supermarkt Regale einräumt.

Und Basketball nimmt weiter eine wesentliche Rolle in seinem Leben ein. „Jonas ist sehr organisiert, er hat Schule, Aushilfsjob und Sport sehr gut im Griff“, sagt seine Mutter. Wenn er dienstags zum Training nach Eutin fährt, er spielt für das U18-Oberligateam der BG Ostholstein, begibt er sich auf eine wahre Odyssee. Sein Zug geht um 15.31 Uhr ab Burg auf Fehmarn nach Lübeck, dort hat er rund 45 Minuten Wartezeit, trifft sich mit seinen Mitspielern Steffen Hönicke und Shoun Schröder. Das Trio fährt dann gemeinsam nach Eutin, Ankunft um 18.28 Uhr. Das Training beginnt um 19 Uhr, um 20.10 Uhr ist das Traning für die jungen Sportler wieder beendet, denn um 20.29 Uhr geht der Zug Richtung Lübeck, von dort wieder nach Fehmarn. „Um 22.40 Uhr bin ich zu Hause“, stellt Jonas fest. Er hat seine Sportwoche voll durchgeplant: Dienstag, Freitag und Sonnabend trainiert und spielt er in Eutin, Mittwoch und Donnerstag auf Fehmarn auf dem Freiplatz, dazu komen einige Übungseinheiten, in denen er läuft oder den Ball auf den Korb wirft.

Sein Berufswunsch ist es Personal Trainer zu werden, also andere Menschen individuell beim Training zu betreuen. Er selbst ist fitter, und vor allem ausdauernder als vor seiner Krankheit, sagt Jonas. „Beim Coopertest, das ist ein Lauf über zwölf Minuten, habe ich siebeneinviertel Runden geschafft und war der schnellste“, sagt er stolz. An seinen Fähigkeiten als Trainer feilt er, wenn er seine Mutter sportlich auf Trab bringt. „Er hat es geschafft, Muskeln in Wallungen zu bringen, von denen ich nicht gewusst habe, dass ich sie habe“, berichtet Beate Seebann. Ihr Sohn ist ein konsequenter Trainer, der auch den Spaß an der Sache vermittelt: „Das hat er schon gut drauf.“

Jonas freut sich schon auf die Oberligasaison, die am 1. November beginnt. Er wird in der U18 als Point Guard eingesetzt. Seine Vorbilder sind Chris Paul und Kyrie Irving, die beide in der US-amerikanischen Basketball-Liga, der NBA (National Basketall League) aktiv sind: „Wie sie spielen ist schon cool! Auf dieser Position muss man genau passen können, eine sehr gute Ballbehandlung haben und auch punkten können“, beschreibt er das Anforderungsprofil.

Basketball ist ein Mannschaftssport – und in den schweren sechs Monaten, in denen Krankheit und kraftraubende Therapie seinen Alltag bestimmt haben, war Jonas Seebann nicht allein: „Trainer Bob Alexander, die ganze Mannschaft und das Ehepaar Sprick haben mich toll unterstützt.“ Er hat auch während der Therapie zum Team gehört, hat bei den Qualifikationsspielen zur U18-Oberliga mitgespielt.

Im Behandlungszimmer in der Uni-Klinik Lübeck kam Jonas über sein Kopfkissen mit einer Krankenschwester ins Gespräch, das wie ein Basketball aussieht. Sie hat ihn gefragt, ob er sich für Basketball interessiert – und hat dann ihrem Schwager, dem Basketballer Per Günther, der in der Bundesliga für das Team Ratiofarm Ulm aufläuft, die Geschichte des jungen Sportlers erzählt, der mit Erfolg gegen die Krankheit kämpft. Bei der nächsten Behandlung kam sie dann mit dem Paket ins Zimmer. Darin waren ein Nationalmannschaftstrikot, ein Paar Basketballschuhe in Größe 46 und eine Autogrammkarte. Dazu ein Brief mit dem Angebot, dass Jonas ein Spiel der Ulmer live erleben kann. Wahrscheinlich wird er sich ein Auswärtsspiel in Oldenburg ansehen. „Ich freue mich schon auf das persönliche Kennenlernen“, sagt Jonas. Gut möglich, dass sich die Beiden dann über Kämpfen und Siegen unterhalten – im Sport und im wahren Leben.

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erstellt am 28.Sep.2014 | 12:19 Uhr

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