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Sieben-Tage-Woche: Das sagen die Händler zur WVE-Empfehlung

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fachgeschäften der Innenstadt rät die Wirtschaftsvereinigung Eutin zur Verlängerung ihrer Öffnungszeiten während der Landesgartenschau. Der WVE-Vorschlag: sonnabends künftig bis 18 Uhr, sonntags zwischen 12 und 18 Uhr öffnen. Der schriftliche Hinweis, die künftigen Öffnungszeiten nach dieser Empfehlung zu gestalten, kam nicht bei allen Händlern gut an. Kleine Geschäfte, die nur einen Mitarbeiter oder eine Aushilfe zusätzlich haben, wissen noch nicht, wie sie das realisieren sollen. Der OHA hat bei den Geschäften nachgefragt.

Regine Mix, Inhaberin von Cable Car Clothiers, hat extra eine zusätzliche Kraft eingestellt, um die erweiterten Öffnungszeiten mit ihrem Team leisten zu können: „Es sind fünf Monate und es ist eine einmalige Chance für uns, die müssen wir nutzen.“

Einzelhändler, die allein im Laden stehen, klingen da zurückhaltender: „Wie soll ich das machen, ich bin allein hier.“ Und mit Skepsis fügen sie hinzu: „Es wird mehr los sein in unserer Stadt. Aber das wir hier überrannt werden, glaube ich noch nicht.“ Zu geschafft seien die Menschen, wenn sie all die Aktivitäten auf dem LGS-Gelände wahrnehmen. Die kleineren Geschäfte in der Königstraße wollen ihre Öffnungszeiten flexibel handhaben. Peter Radomski von der Pralinothek gehört zu den Einzelkämpfern: „Ich werde mir das in den ersten Wochen anschauen, wie es läuft.“ Doch bei sommerlichen Temperaturen werde keiner Schokolade kaufen oder süße Präsente aus der LGS-Stadt nach Hause transportieren. Es müsse sich immer auch wirtschaftlich lohnen – gerade in kleinen Betrieben.

Es wird ein Ereignis, das besonders die inhabergeführten kleineren Geschäfte fordert, glaubt auch Familie Knorr vom Weingeist. Sie haben die Stundenzahl bestehender Mitarbeiter erhöht und werden den Rest selbst kompensieren. „Zusätzliche Aushilfen sind bei uns schwierig, da sie erst in das ganze Sortiment eingearbeitet werden müssen und Verkäufer bei uns immer auch beratend tätig sind“, sagt Stefan Knorr. Die Hauptbesuchstage schätze er an den Wochenenden, Feier- und Ferientagen. „Da müssen wir den Gästen dann auch die Gelegenheit bieten, einkaufen zu können.“

Die Möglichkeit zum Einkaufen bieten, will auch Geschäftsmann Tim-Phillip Dreyer, aber er könne sich schlecht sein Bett vor Ort aufstellen. „Das wird eine sehr große Herausforderung werden.“ Ähnlich sieht das eine Schuhverkäuferin am Markt: „Die verkaufsoffenen Sonntage sind eine tolle Sache. Aber man muss es auch können und ich kann es nicht.“ Sie würde Fachpersonal einstellen, „aber wer verkauft heute noch Schuhe?“

Für Christian Aldrup bedeutet die „WVE-Empfehlung“ keine große Änderung: „Wir hatten ja im vergangenen Sommer auch nahezu jeden Sonntag auf. Jetzt wird es noch verbindlicher für die Kunden.“ Er sehe das positiv, der ein oder andere werde durch die Innenstadt zur LGS oder vom Schloss in die Stadt gehen. Familie Ziewitz, seit fast drei Jahren im Janusch aktiv, wollen die Chance ebenso nutzen und alle sieben Tage öffnen. „Aber es ist für uns schon eine besondere Herausforderungen, weil viele Mode- und Spielzeugmessen im Sommer sind und wir die Wochenenden, an denen wir sonst zu haben, genau dafür nutzten“, sagt Vanessa Ziewitz.

Eine Sorge, die aber alle Händler in der Peterstraße umtreibt, ist weniger die verlängerte Öffnungszeit während der 159 Tage LGS, sondern eine ganz andere Frage: „Wie soll es nur im Jahr danach weitergehen, wenn die ganze Straße aufgerissen wird und die Kunden Eutin wieder als Baustelle vorfinden?“emd

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erstellt am 08.Apr.2016 | 03:10 Uhr

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