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„...sie sehen aus, als ob sie Emma hießen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schutz der Seevögel offenbart das Ausmaß menschlicher Eingriffe in die Natur

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Der Dichter und komische Lyriker Christian Morgenstern ( 1871 – 1914 ) war wohl sicherlich nur lächelnd der Meinung, als er in seinem „Möwenlied“ über das Erscheinungsbild unserer Möwen von „Emmas“ sprach. Andererseits lesen wir heute
seine Reime mit positiven Gedanken.

Diese Gedanken schließen den Schrotschuss auf diese Vogelarten – was zu Morgensterns Zeit in den Meereskur- und Urlaubsorten aus sportlichen Gründen gang und gäbe war – ablehnen und die ihre Fütterung mit „Roggenbrot und Zibeben“ vorziehen. Zibeben sind getrocknete Weinbeeren, eine rötliche Rosinenart.

Seevögel behaupten nicht nur in der Zuneigung der Menschen einen besonderen
Platz – ihre Rufe sind untrennbar mit der Küste und dem Meer verbunden. Sie und das Schicksal der heimatlichen Greifvögel waren es, die die Welle des neuen Umweltbewusstseins einleiteten. Besonders an den Seevögeln wurden zum ersten Male die verhängnisvollen Kettenreaktionen jener chemischen Mittel, die der Mensch in den Naturhaushalt einbringt, erkennbar.

Die Rückstände chemischer Schädlingsbekämpfungsmittel finden sich konzentriert im Körper der Seevögel – am Ende der Nahrungspyramide – wieder. Über die Gewässer ins Meer geschwemmt, vom pflanzlichen und tierischen Plankton aufgenommen und gespeichert, geraten sie über die Fischnahrung in das Fettgewebe des Vogelkörpers. Anlässlich der Wanderung und gelegentlicher anderer Hungerzeiten wird das Fett abgebaut, und das Gift gelangt in das Nervengewebe sowie in die Keimdrüsen, was zu Unfruchtbarkeit oder nicht ausreichender Dicke der Eischalen führt.

Es ist so wichtig, dass sich deutlich mehr Menschen als bisher um unsere Seevögel kümmern; dazu sind natürlich auch Kenntnisse dieser Vogelarten vonnöten, denn man kann nur das schützen, was einem auch bekannt ist.

Dazu laden vogelkundlich
ausgerichtete Vereine immer wieder ein, sich ihnen auf den interessanten Wanderungen in der Natur anzuschließen.
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts fanden sich begeisterte Vogelfreunde zusammen, um Seevögeln zu helfen. Der Tourismus und die Industrialisierung eroberten und erobern noch immer die letzten ruhigen Küstenstreifen, wo Seevögel ihre Brutkolonien einrichten möchten. Vogelfreunde kauften oder pachteten kleine Inseln und Küstenstreifen, um den Gefiederten diese Möglichkeit zu erhalten, sie vor allen Dingen vor Eierdieben zu schützen.

Möwen und Seeschwalben, die oft dicht gedrängt brüten, waren für die heimischen Küstenbewohner schon immer eine Art billiger Haushühner. Sie sammelten die Eier regelmäßig bis zu einem bestimmten Datum ab, ließen jedoch in jedem Nest eines als Anreiz zum Nachlegen nach.

An den europäischen Küsten wurden schon zur Steinzeit Papageitaucher, Alken und Möwen gegessen. Heute wird wegen der Belastung mit Umweltgiften von ihrem
Verzehr und dem ihrer Eier abgeraten. Damit der Vogelschutz nicht nur auf dem Papier steht, bewachen zur Brutzeit Vogelwärter die mit staatlichen Schutzverordnungen ausgestatteten Schutzgebiete. In Einzelfällen führen sie dabei sogar ein modernes Robinsonleben. Bei den meisten Seevogelfreistätten besteht die Möglichkeit, unter fachkundiger Führung die Seevögel vor Ort kennen zu lernen. Man sollte solche Angebote nutzen – nicht nur, aber besonders mit Kindern.

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