Eutin : Sie kämpfen für viele Väter

Mahnwache vor dem Amtsgericht: Detlef Naumann (li) und Fritz-Peter Kierski kämpfen für die Gleichstellung von Vätern.
Mahnwache vor dem Amtsgericht: Detlef Naumann (links) und Fritz-Peter Kierski kämpfen für die Gleichstellung von Vätern.

Die Blauen Weihnachtsmänner sind ein eingetragener Verein, der sich für die Rechte der Väter von Trennungskindern stark macht.

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20. Dezember 2014, 12:00 Uhr

„Haben Sie zu viel getrunken?“, werden die blauen Weihnachtsmänner bei ihren öffentlichen Auftritten oft gefragt. Doch das, wofür sich die Männer im blauen Gewand engagieren, ist größer. „Wir setzen uns für die Gleichstellung von Vätern und Müttern, Männern und Frauen ein“, erzählt Detlef Naumann (54). Er ist Initiator des eingetragenen Verein Blauer-Weihnachtsmann.org, was gleichzeitig die Internetdomain ist, unter der Ratsuchende Infos finden.

Naumann ist selbst Vater und hat am eigenen Leib erfahren, was es heißt, von seinem Kind getrennt zu sein. Zwei Jahre schon hat er seine Tochter nicht gesehen. Die Trennung war 2005. „Erst hatten wir die Umgangsregelung, wo ich sie alle 14 Tage sehen konnte, dann das „Ein-Drittel-Modell und dann fing die Mutter an, alles zu boykottieren“, sagt Naumann. Unzählige Prozesse und Gutachten folgten, in denen Naumann teilweise lesen musste, dass die Schläge der Mutter keineswegs kindeswohlgefährdend einzuschätzen seien, der Kontakt mit dem Vater dagegen schon. Naumann: „Es wird zu oft der Mutter geglaubt. In 80 oder 90 Prozent der Fälle hat man als Mann im Gerichtssaal das Nachsehen.“ Es heiße immer, der Vater solle sich nicht entfremden, doch wie soll ein regelmäßiger Kontakt zum eigenen Kind stattfinden, wenn die durchs alleinige Sorgerecht gestärkte Mutter alles unterbinde, fragt Naumann.

Deshalb hielt er gestern gemeinsam mit Fritz-Peter Kierski (48) vor dem Eutiner Amtsgericht mit eine Mahnwache und machte auf das Problem von vielen Vätern aufmerksam. Naumann: „Im Artikel drei des Grundgesetzes steht, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und niemand aufgrund seines Geschlechtes benachteiligt werden darf. Sobald es um das Sorge- und Umgangsrecht zum eigenen Kind geht, erfahren die meisten Väter allerdings das Gegenteil.“ Die Blauen Weihnachtsmänner kämpfen für das Doppelresidenz-Modell: „Kinder sollen zwei zu Hause haben auch nach der Trennung sollten sich die Eltern alle Aufgaben und Pflichten um das Kind teilen“, sagt Kierski. Dann wäre auch die Diskussion um den Unterhalt eine andere, wenn die Väter auch für ein halbes Jahr für alles rund ums Kind zuständig seien. Der Familienausschuss im Bundestag hörte ihnen am Donnerstag eineinhalb Stunden aufmerksam zu. Die Antwort die sie mitnahmen: „Das Doppel-Residenz-Modell sehen sie noch nicht als dem Kindeswohl zuträglich an. Der Unterhalt soll allerdings überarbeitet werden. Denn es sei nach Ansicht des Auschusses nicht akzeptabel, dass vermögende Frauen von unvermögenden Männern noch Unterhalt kassieren“, sagt Naumann. Er ist Realist: „Bis aus der Ansicht ein Gesetz wird, dauert es bestimmt fünf oder sechs Jahre.“

Dass Väter oft das Nachsehen haben, ist bei der Justiz schon angekommen. „Ich glaube, dass es viele betroffene Väter gibt, die sehr darunter leiden, dass sie ihr Kind nicht sehen und sich ungerecht behandelt fühlen, weil sie die Mutter von der Justiz bevorzugt sehen“, sagt Hanna Wege, Direktorin des Eutiner Amtsgerichtes. Die Mahnwache sei ein Weg, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Aber: „Unsere Aufgabe ist die Tatsachenfeststellung und das ist in Familiensachen immer schwierig, weil man sich hier auf die Amtsermittlung verlassen muss und in den vier Wänden nicht dabei ist.“ Dass Richter da auch mal einen falschen Eindruck bekämen, sei leider nicht auszuschließen.

Für die blauen Weihnachtsmänner steht fest: „Wir kämpfen weiter für die Gleichberechtigung der Väter – auf der Straße und in der Politik.“ Denn zwei Millionen Kinder in Deutschland müssen jedes Jahr Weihnachten mit nur einem Elternteil feiern. „Immer dann kommt der blaue Weihnachtsmnn, denn das Fest wird dann trist und kalt.“

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