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„Sie haben es jetzt begriffen – oder Sie begreifen es nie“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach einigem Warten war schon von einem Haftbefehl die Rede. Dann erschien der 19-jährige Angeklagte doch noch, entschuldigte seine Verspätung brav und konnte eine halbe Stunde später befreit aufatmen: Das Amtsgericht Eutin stellte das Verfahren wegen Raubes gegen 25 Stunden Sozialarbeit ein.

Die Verhandlung war der juristische Schlussakt zu einem Raubüberfall, dessen Opfer im Februar 2014 eine Radfahrerin in Malente geworden war. Damals hatten zwei junge Männer die Frau vom Rad gestoßen und ihr einen Rucksack entrissen, aus dem sie eine Geldbörse mit rund 100 Euro Bargeld und ein Handy entwendeten. Die beiden Täter sind bereits verurteilt; gestern sollte geklärt werden, inwieweit der Angeklagte als Dritter dabei war.

Für ihn sprach, dass die Überfallene ihn nicht am
Tatort gesehen hatte. Richter und Staatsanwältin schenkten der vom Pflichtverteidiger für den 19-Jährigen abgegebenen Erklärung Glauben, wonach er bei einem Treffen mit den beiden anderen am Bahnhof gegen den Plan gestimmt habe, sich durch einen Taschenraub Geld für Drogenkauf zu besorgen. Deswegen habe er sich im Hintergrund gehalten, allerdings 20 Euro von der Beute genommen.

Richter Otto Witt hielt dem Reumütigen zugute, dass er in der Haftzeit für ein früheres Vergehen einen Schulabschluss nachgeholt habe und jetzt nach einer Lehrstelle suche. „Ich möchte endlich durchstarten“, so der junge Mann. Witt hielt ihm vor Augen, welche Chance er noch einmal vom Gericht eingeräumt bekommen habe: „Sie haben es jetzt begriffen – oder Sie begreifen es nie.“

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erstellt am 03.Aug.2015 | 09:51 Uhr

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