Ascheberg : Sensibilisiert für Selbstverständliches

Zu Gast in Ascheberg: Hans Olomi, Elias Laizer, Winnie Sunare, Frederick Labby und Nashipai Moita.
Zu Gast in Ascheberg: Hans Olomi, Elias Laizer, Winnie Sunare, Frederick Labby und Nashipai Moita.

Fünf Ostafrikaner erlebten den Alltag in deutschen Familien und wunderten sich über fleißige Männer in Ascheberger Haushalten.

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22. Oktober 2012, 11:53 Uhr

Ascheberg | In den Häusern hat jeder seinen eigenen Raum. Alle sitzen beim Essen gemeinsam am Tisch. Es gibt fließend Wasser und Strom. Die Männer unterstützen die Frauen im Haushalt. Die deutschen Selbstverständlichkeiten sind in Ostafrika gar nicht so selbstverständlich, wunderten sich die fünf ostafrikanischen Gäste, die im Rahmen einer Partnerschaft für einige Wochen in Ascheberg zu Gast waren.

Ihre Ascheberger Gastgeber haben den Besuch von Hans Olomi, Winnie Sung’are, Elias Laizer, Nashipai Moita und Frederick Labby als große Bereicherung erlebt, freut sich Pastor Jan Philipp Strelow. Die Gastgeber fühlten sich nach dem Besuch der Ostafrikaner "sensibilisiert für scheinbar Selbstverständliches".
Afrikanische Gäste waren drei Wochen in Deutschland

Die afrikanischen Gäste aus Malambo in Arusha/Tansania im Alter von 16 bis 26 Jahren hatten während eines dreitägigen Ostsee-Segeltörns mit ungewohnter Kälte, Regen und Wind zu kämpfen. Auf dem Segelschiff "Zuversicht" sammelten die ostafrikanischen Gäste im Rahmen der "Klima Sail 2012" Informationen zum Klimawandel und lernten Segel setzen - eines von vielen Highlights am Ende ihres dreiwöchigen Aufenthalts. Zuerst lernten die Afrikaner ihre deutschen Familien kennen und teilten ihren Alltag.

Pastor Strelow ist seit vielen Jahren vertraut mit der Partnerschaftsarbeit in Tansania. Er absolvierte ein Gemeindepraktikum in der Kirchengemeinde Malambo und engagiert sich als Vorsitzender des Vereins Hilfe für die Massai. Er unternahm unter anderem zwei Projektreisen für Erwachsenengruppen und ein Workcamp für Jugendliche in Tansania.
Kinder müssen m Haushalt keine Pflichten übernehmen

Hans Olomi war überrascht: "Hier sitzen alle an einem Tisch und essen gemeinsam. Das ist etwas, was wir zu Hause nicht kennen." Beobachtet habe er außerdem, dass die Kinder in den Familien keine Pflichten im Haus übernehmen, um so Verantwortungsgefühl und Respekt den Eltern gegenüber zum Ausdruck zu bringen.

Elias Laizer beobachtete: "In den Häusern hat jeder seinen eigenen Raum, ähnlich einem Büro, in dem jeder seine eigenen Angelegenheiten verfolgt." Er und seine Freunde fragen besorgt, ob diese Art des Alltags nicht sehr einsam mache. Überrascht waren sie, dass während ihres Aufenthalts kaum je ein Nachbar anklopfte, um spontan vorbei zu schauen. Das sei in ihrer Heimat durchweg so üblich und sogar erwünscht.
Nur wenige Kinder in deutschen Familien

Als beeindruckend erlebten die Afrikaner in Ascheberg die Unterstützung und Hilfe des Mannes im Haushalt. Diese Kooperation war neu für sie. Nashipai Moita lobte die gute Infrastruktur und die Sauberkeit. Winnie Sung’are freute sich, dass hier die lernschwachen Kinder Unterstützung erhalten. Fredrick Labby staunte über fließend Wasser und Elektrizität in jedem Haushalt. Ihn überzeugt die geringe Anzahl von Kindern. In den tansanischen Familien seien bis zu 18 Kinder keine Ausnahme.

Neben ihren Erlebnissen in den deutschen Gastfamilien und den Ausflügen nach Hamburg, Kiel, Schleswig, Wittenberg und Preetz, gewannen die fünf jungen Afrikaner Einblicke in Schule und Berufspraxis. Die 22-jährige Nashipai Moita besuchte das Gymnasium Schloss Plön und das Plöner Finanzamt. Sie studiert im ersten Jahr Politikwissenschaften an der Universität Dodoma und war eine der ersten Schülerinnen im Schulprogramm von "Hilfe für die Massai".
Praktika beim Friseur und im Gymnasium Schloss Plön

Die 18-jährige Winnie Sung’are besuchte die Berufsschule in Eutin, machte ihr Praktikum in einem Friseursalon und an der Offenen Ganztagsschule in Plön. Der 26-jährige Frederick Labby ist seit Anfang des Jahres Lehrer für Geschichte an einer Sekundarschule in Nainokanoka im Ngorongoro District und hospitierte am Gymnasium Schloss Plön.

Der 18-jährige Hans Olomi absolvierte ein Praktikum in einer Zahnarztpraxis und im Seniorenzentrum Marienhof. Die Eltern des 17-jährigen Elias Laizer sind Massaihirten. Nach seinem Schulabschluss hat er sich um eine Stelle als Krankenpfleger und um eine Anstellung in der Buchhaltung beworben. Hier hat er ein Praktikum an einer VR-Bank gemacht und hofft zuhause auf eine Anstellung.

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