Seltener Gast vom Schwarzen Meer

Der Eutiner Holger Jürgensen (71) ist Ornithologe mit Leib und Seele, und er  kann viele Menschen für den Schutz der Vogelwelt und damit der Natur insgesamt begeistern:  Der  Agraringenieur im Ruhestand  gründete  vor 20 Jahren die Vogelschutzgruppe (VSG) Eutin-Malente. Für gut 200 Mitglieder und eine breite Öffentlichkeit organisiert die VSG Vorträge, Ausflüge  und sogar Auslandsreisen, außerdem  pflegt sie ein Brutgebiet. Alles treibt ein Motor an:  Holger Jürgensen. Foto: sin
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Der Eutiner Holger Jürgensen (71) ist Ornithologe mit Leib und Seele, und er kann viele Menschen für den Schutz der Vogelwelt und damit der Natur insgesamt begeistern: Der Agraringenieur im Ruhestand gründete vor 20 Jahren die Vogelschutzgruppe (VSG) Eutin-Malente. Für gut 200 Mitglieder und eine breite Öffentlichkeit organisiert die VSG Vorträge, Ausflüge und sogar Auslandsreisen, außerdem pflegt sie ein Brutgebiet. Alles treibt ein Motor an: Holger Jürgensen. Foto: sin

Vogelschutzgruppe dokumentiert zum 17. Mal das Brutgeschehen auf der Möweninsel im Sibbersdorfer See / Ornithologische Sensation

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04. Juni 2011, 06:48 Uhr

sibbersdorf | Licht und Schatten liegen fast immer dicht beisammen, wenn Holger Jürgensen, Vorsitzender der Vogelschutzgruppe (VSG) Eutin-Malente, das Brutgeschehen auf der Möweninsel im Sibbersdorfer See zusammenfasst. Im 17. Jahr, in dem die VSG das kleine Eiland betreut, hat es eine ornithologische Sensation gegeben: Zwei Paare der Schwarzkopfmöwe haben auf der Insel gebrütet. Sie ähneln der Lachmöwe, ihre Brutheimat ist eigentlich das Schwarze Meer. Möglicherweise seien diese Tiere durch andere Möwen auf dem Heimzug in Richtung Norden "mitgerissen" worden. Allerdings gebe es in Schleswig-Holstein bereits einige Beispiele gemeinsamen Brütens in Lach- und Sturmmöwenkolonien, hin und wieder auch als Mischpaar.

Nicht glücklich sind die Betreuer der VSG über die erneute Ansiedlung eines Silbermöwenpaares: Wegen seiner Eigenschaft als Eier- und Jungvogelräuber habe es auf der Insel einen gedeckten Tisch gefunden.

Aktuell brüteten 60 Paare Sturmmöwen und wieder 20 Paare Lachmöwen auf der Insel, die Lachmöwen hätten sich in Vorjahren vermutlich wegen der Existenz von rattengroßen Schermäusen rar gemacht. Eine wirkungsvolle Bekämpfung der Nager sei wegen der Naturschutzbestimmungen problematisch, stellt Jürgensen fest. Die meisten Gänse hätten Anfang Juni die Insel in Richtung benachbarter Grünländereien am festen Seeufer bereits verlassen. Nur wenige Ausnahmen der Kanada- und Graugänse hielten sich - noch nicht geschlechtsreif - als sogenannte Übersommerer auf der Insel auf. Sehr früh und mit großem Erfolg habe sich ein Nilganspaar mit neun bis zehn Jungen vermehrt.

Zu den möwenartigen Vögeln zählten die Flussseeschwalben. Aus Gründen der Bebachtungstechnik sei es nicht möglich, die Brutpaare des grazilen Vogels mit fünf oder zehn anzugeben. Für die VSG sei die Flussseeschwalbe eine wichtige Indikatorin für die Wasserqualität des Sibbersdorfer Sees. Bei zu starker Eutrophierung (Überdüngung) des Seewassers seien die Vögel in vergangenen Jahren zur Nahrungssuche bis zum Kellersee geflogen, im vergangenen Jahr hätten sie ihre Brut wegen Nahrungsmangels, der aus dem Sichtmangel in der "grünen Suppe" resultiert habe, sogar aufgegeben.

Bemühungen, etwas gegen diese Erscheinungen zu unternehmen, seien an der Bürokratie gescheitert, stellt Jürgensen fest. Die Untersuchung der von VSG-Mitgliedern gezogenen Wasserproben werde immer noch als zufriedenstellend dargestellt, die sensiblen Seeschwalben würden offenbar nicht als verlässlichere Indikatoren anerkannt.

Die Liste der Brutvögel auf der Möweninsel wird fortgesetzt mit drei Limikolen (Watvögel), zwei Kiebitzpaaren, einem Austernfischerpaar und einem Paar des Flussregenpfeifers.

Schwierig sei, die Zahl der brütenden Entenvögel festzustellen. Durch die Verbuschung der Insel dieses Jahr sei anzunehmen, dass Enten auch mehr "zu ihrem Recht kommen". Eine Suche der sehr gut versteckten Entengelege bedeute aber eine zu große Störung. Geschätzt würden angesichts beobachteter Vögel rund 20 Reiher -, 10 Tafel - und 5 Stockentenpaare.

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