Betrugs-Prozess in Plön : Selbsternannte Magierin muss Kundin fast 3000 Euro zurückzahlen

Die 43-jährige Angeklagte am Mittwoch vor dem Plöner Amtsgericht.

Die 43-jährige Angeklagte am Mittwoch vor dem Plöner Amtsgericht.

Die 57-Jährige hatte der leichtgläubigen Frau versprochen, ihr den verschwundenen Lebensgefährten zurückzubringen.

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29. November 2017, 19:52 Uhr

Plön | Selbst auf dem Gerichtsflur versucht die Angeklagte es noch mit Magie. In Form beschwörender Worte, gerichtet an ihr Opfer. Das beginnt prompt zu weinen und sagt: „Ich wollte eigentlich gar keine Anzeige erstatten.“

Der Markt der Esoterik ist reich an Scharlatanen. Sie nennen sich Geistheiler, sind Handaufleger oder Handleser, Hellseher oder Astrologen. Das Spezialgebiet von Britta S. (57) aus Blekendorf (Kreis Plön) ist die „Partner-Rückführung“. Ihre Firma hat sie „Magie des Lebens“ genannt, wirbt im Internet: „Deine Liebe hat dich verlassen? Du weißt nicht mehr weiter? Meine Magie ist aus alter Familientradition, die schon erfolgreich von meiner Oma angewandt wurde, um Menschen schnell wieder zusammenzubringen.“ Damit ist klar: Das Angebot richtet sich an Verzweifelte, die in ihrer Not das Portemonnaie weit öffnen.

Melanie P. (43) aus Süddeutschland hat 2830 Euro überwiesen. Für ihren Zauber, so hatte Britta S. zugesichert, brauche sie nur ein Foto des Ex-Lebensgefährten. Doch der Geliebte kam nicht wie versprochen innerhalb von 18 Tagen zurück.

Am Mittwoch musste sich die selbsternannte Magierin wegen Betrugs vor dem Plöner Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwältin sagt: „Die Angeklagte war nicht fähig oder willens, die versprochene Leistung zu erbringen. Sie hat den Aberglauben der Zeugin ausgenutzt.“ Britta S. streicht sich ihre blondierten Haare zurück, die Mundwinkel im vom Solarium verwitterten Gesicht zucken. Sie schweigt – noch. Als sich das Gericht zu einem Rechtsgespräch mit Verteidiger und Staatsanwältin zurückzieht, bittet Britta S. ihre ehemalige Kundin um eine Erklärung: 39 Jahre habe sie Menschen geholfen, meist kostenlos, nun stehe sie als Betrügerin da. Die Worte zeigen Wirkung. Bei Melanie P. fließen Tränen.

Sie rechtfertigt sich, sagt: „Ich habe die Anzeige nur erstattet, weil ich dazu genötigt wurde.“ Nachdem es mit der magischen Zusammenführung nicht klappte, hatte Melanie P. weiter Hilfe in Internet gesucht. Und war auf eine Expertin für „psychologisch-philosophische Krisen und Lebensberatung“ gestoßen. „Die wollte natürlich auch Geld. Da ich nichts mehr hatte, drängte sie mich durch tägliche Anrufe dazu, zur Polizei zu gehen.“

Der Richter stellt das Verfahren in Absprache mit Staatsanwältin und Verteidiger ein – unter der Bedingung, dass Britta S. das Geld in zwei Raten zurückzahlt. „Das ermöglicht Frau P., ohne Zivilklage an ihr Geld zu kommen“, erklärt er. „Und spart uns die Klärung der Rechtsfrage, worüber eigentlich getäuscht wurde und ob das Opfer mitverantwortlich ist.“

„Ich helfe dir weiterhin, nehme auch nichts dafür“, bietet die Magierin der Betrogenen am Ende großzügig an. Melanie P., die ihren Ex-Freund immer noch vermisst, sagt: „Das Thema Magie ist für mich durch.“

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