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Sekundenschlaf rettet 25-Jährigen vor Verurteilung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Vorwürfe waren schwer, aber am Ende kam ein 25-jähriger Wismarer vor dem Amtsgericht Eutin mit einem blauen Auge davon. Dem Außendienst-Mitarbeiter einer Wäscherei-Firma war zur Last gelegt worden, im September 2012 auf der B 76 zwischen Kiel und Lübeck mehrere Fahrzeuge im Überholverbot passiert zu haben und schließlich in Höhe der Abfahrt Eutin mit einem entgegenkommenden BMW kollidiert zu sein. An beiden Autos entstand durch den Unfall wirtschaftlicher Totalschaden, verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand.

Der Angeklagte gestand vor Gericht zwar, den Unfall verursacht zu haben, jegliche Schuld wies er aber von sich. „Mir sind während der Fahrt die Augen zugefallen und ich bin dann nach links auf die Gegenfahrbahn abgekommen“, erklärte er. Der Sekundenschlaf habe erst geendet, als er mit dem BMW zusammengestoßen sei. „Ich habe mich während der Fahrt eigentlich normal gefühlt und war nicht kaputt“, konnte sich der Angeklagte seine Geisterfahrt nicht erklären.

Er fahre mit seinem Dienstwagen jedes Jahr bis zu 35 000 Kilometer und lege nach 90 Minuten stets eine Pause ein. Eine Aussage, die ihm Richtern Katrin Leinen nicht so einfach glauben wollte. „Normalerweise kündigt sich ein Sekundenschlaf an“, hakte sie nach. Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Angeklagten kamen ihr auch dadurch auf, da dieser gegenüber der Polizei zunächst einen Reifenplatzer als Unfallursache angegeben hatte.
Dies sei eine Schutzbehauptung gewesen, erklärte der Mann. „Ich hatte Angst um meinen Führerschein. Wenn ich ihn verliere, dann verliere ich auch meinen Arbeitsplatz.“

Sein Unfallgegner und weitere Augenzeugen konnten die Version des Sekundenschlafes eher bestätigen als widerlegen. „Er ist immer weiter auf unsere Fahrbahn gekommen und wäre irgendwann sicherlich im Graben gelandet“, erinnerte sich der 53-jährige BMW-Fahrer. In letzter Sekunde hatte der Landwirt aus Seedorf einen Frontalcrash vermeiden können, indem er selbst in den Graben auswich. Der Wagen des Angeklagten erwischte ihn hierdurch nur seitlich. Sein Beifahrer erhärtete den Verdacht des Sekundenschlafes mit seiner Aussage ebenfalls. „Er hat nicht gebremst und wäre ohne Gegenverkehr irgendwann in den Graben gefahren.“ Bevor es zu dem Unfall kam, hätte der Angeklagten fünf andere Fahrzeuge überholt.

„Meine Tendenz geht dahin, dass Sie wirklich eingeschlafen sind. Ich bezweifle jedoch, ob das ohne Vorankündigung passiert ist“, äußerte Leinen nach der Beweisaufnahme. Sie schlug vor, dass Verfahren gegen eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro einzustellen. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft stimmen dem Vorschlag zu. Der Wismarer behält seinen Führerschein, die Prozesskosten trägt die Staatskasse. Seine Versicherung hat den Schaden des Landwirtes bereits reguliert.

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erstellt am 06.Feb.2014 | 00:33 Uhr

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