zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 01:28 Uhr

Eutin : Sektkorken knallten an der Schwentine

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein immerhin neun Jahre geplantes Naturschutzprojekt kostet 1,3 Millionen Euro und soll schon zum Start der Landesgartenschau fertig werden.

von
erstellt am 22.Sep.2015 | 11:26 Uhr

Die Durchgängigkeit der Schwentine kommt wieder ein Stück voran. Gestern erfolgte – begleitet von knallenden Sektkorken – der erste Spatenstich für den Bau einer Sohlgleite an der Neumühle in Fissau. Dem voraus gingen neun Jahre Planungsarbeit. „Jetzt wird das letzte große Wanderhinderniss im Verlauf der Schwentine beseitigt“, sagte Henning Südel, Vorsitzender des Wasser- und Bodenverbandes Schwentine. Kostenpunkt: 1,3 Millionen Euro, die vom Land zur Erfüllung der EU-Wasserrahmenrichtlinie gezahlt werden.

„Wir werden bis zum Beginn der Landesgartenschau in Eutin fertig“, versprach Dieter Biernaki, Geschäftsführer der Baufirma Schwalbe aus Preetz. Bis April 2016 wird die Schwentine auf einer Länge von 200 Metern und bis zu einer Breite von 25 Metern an der Neumühle vorbeigeführt. Dabei muss ein Höhenunterschied von etwa zwei Meter ausgeglichen werden. Die Schwentine fließt vom Quellgebiet am Bungsberg durch die Holsteinische Seenplatte in die Kieler Förde.

Die Neumühle war ursprünglich als Kornmühle gebaut und wird noch heute zur Wärmegewinnung genutzt. Die Stauanlage ist für Fische und aquatische Lebewesen nicht passierbar. „Wir geben das Wärmekraftwerk in diesen Tag auf“, sagte Olaf Malzahn. Damit seien in Neumühle bisher zehn Wohneinheiten versorgt worden. Das Staurecht, das Olaf Malzahn besaß, geht an den Wasser- und Bodenverband über. „Damit aber auch alle Rechte und Verpflichtungen“, zeigte sich Malzahn von seiner bisherigen Verantwortung doch erleichtert. Die lange diskutierte Pflege der neuen Sohlgleite – es wird von rund 4000 Euro im Jahr ausgegangen – teilt sich die Stadt Eutin mit dem Wasser- und Bodenverband Schwentine.

Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz freute sich über den Baubeginn: „Es entsteht durch die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie auch ein touristischer Nutzen für die Dorfschaft Fissau.“ Das mache ihn stolz und glücklich. Die neue Sohlgleite sei eine Verbesserung für alle. Mit den Sohlgleiten in Spitzenort und Ölmühle in Plön sowie der Gremsmühle in Bad Malente und ab 2016 mit einem neuen Flussbett als Umgehungsgerinne an der Neumühle in Fissau wird die Schwentine für Fische und aquatische Lebewesen passierbar.

Das hat bereits eine Machbarkeitsstudie des WBV Schwentine 2006 ergeben. Die Planungen wurden nach Sicherung der Finanzierung 2010 vom WBV in Auftrag gegeben. Allerdings gab es viele teilweise schwierige Fragen zu dem bestehenden Staurecht, zur Stauhöhe, zu den Eigentumsverhältnissen und zur Finanzierung zu klären, sodass sich der Planungsprozess hingezogen hat. Die Genehmigung kam vor wenigen Wochen durch die Wasserbehörde des Kreises Ostholstein.

Zur Sicherstellung des Abflusses bei höheren Wasserständen nach starken Niederschlägen wird ein Hochwassserentlastungswehr gebaut, das automatisch den Wasserstand in der oberhalb gelegenen Schwentine und somit auch den Wasserstand des Großen Eutiner Sees regelt. Oberste Prämisse der Planung war die Einhaltung der bestehenden Wasserstände im Großen Eutiner See.

Und wie ist es um die Wirksamkeit der Sohlgleiten aus? Helge-Björn Runge vom Landesamt für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) sagte dazu, dass ein Monitoring auf den Weg gebracht werden soll. Biologen sollten untersuchen, ob die Fische die Sohlgleiten nutzten und ob sie gegen die Strömungen überhaupt ankommen. Das Monitoring, so empfiehlt Runge, müsste wohl über fünf Jahre gehen, um verwertbare Ergebnisse zu erhalten. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen