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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 14:01 Uhr

Schönwalde : „Sehr einfühlsame Tiere“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Tiergestützte Therapie für psychisch Kranke: Mit den Lamas von Diplom-Pädagogin Ines Schneider unterwegs am Bungsberg.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Ein Tier gibt keine Widerworte und erteilt keine guten Ratschläge. Auch aus diesem Grund können Vierbeiner Helfer bei der Therapie psychisch kranker Menschen sein. Wie „Harry“, „Yoshi“, „Callie“, „Annie“ und „Jamy“. Die fünf Lamas sind Namensgeber für eine spezielle Therapieform: die Lama-Therapie.

„Hier habe ich mir einen Kindheitstraum verwirklicht“, sagt Ines Schneider. Nach sehr unterschiedlichen beruflichen Stationen hat die diplomierte Pädagogin ihren Traum wahr werden lassen. „Eigentlich wollte ich mal Tierärztin werden“, sagt Schneider. Durch ihre jahrelange berufliche Erfahrung lernte sie den Wert von Tieren bei der Behandlung von psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Burnout zu schätzen. Die gebürtige Hamburgerin landete nach Stationen in Bad Oldesloe und Lübeck vor vier Jahren in Schönwalde. Hier lebt sie nun mit einer kleinen Lama-Herde.

„Harry“, Chef und Anführer der Herde, und „Yoshi“ waren die ersten Lamas, die 2013 bei ihr einzogen. Über Kontakte während der Ausbildung zur Reittherapeutin kam sie in Berührung mit der Lama-Therapie. Und schließlich dann zu eigenen Lamas. Da zwei Lamas aber noch keine Herde sind, kamen im selben Jahr die Stuten „Annie“ und „Callie“ dazu. Im vergangenen Jahr wurde noch „Jamy“ als Jüngster dazu geholt.

„Lamas sind sehr einfühlsame Tiere. Sie nehmen Stimmungen von Menschen sehr schnell wahr und passen sich in ihrem Verhalten an“, erklärt Schneider. Die Tiere seien keine Kuscheltiere, sondern sollen den Menschen spiegeln, sagt die Schönwalderin. Wer nervös oder unruhig mit den Tieren umgeht, dem weichen die Lamas aus. „Man muss also sein Verhalten ändern, um mit den Lamas in Kontakt zu kommen“, sagt Schneider. Sich persönlich auf ein Lama einzulassen sei Sinn und Zweck dieser tiergestützten Therapie (siehe Infokasten).

Ohne große Anstrengung kann man mit den Tieren an der Leine eine Runde um den Ortsteich drehen. Ganz entspannt traben die drei hinterher und passen sich dem Tempo der Fußgänger an. „Die Lamas eignen sich gut für ängstliche Menschen. Sie spüren, ob jemand unsicher oder klar ist“, sagt Schneider. Aufgeregt werden die Tiere nur, wenn der Anführer der Herde zu weit vorgeht. Dann ziehen sie am Halfter, um nicht den Anschluss zu verlieren.

„Lamas sind schon immer Zuchttiere gewesen“, berichtet Ines Schneider. Sie wurden vor tausenden Jahren in den Anden als Lasttiere und auch für ihre Wolle gezüchtet. Ihnen macht es daher auch nichts aus, Lasten bis zu 30 Kilogramm zu tragen. So kann man schöne Wanderungen mit den Tieren unternehmen. Ines Schneider kann sich zum Beispiel Touren zum Bungsberg vorstellen. Egal ob Kindergeburtstage, Betriebsausflüge oder Familienwanderungen, alles sei hier denkbar, so Schneider.

Die Menschen, die zu ihr kommen, folgen meist einer Empfehlung eines Arztes oder Psychotherapeuten. Allerdings übernehmen die Krankenkassen für tiergestützte Therapien in der Regel keine Kosten, weil ihr therapeutischer Nutzen aus Sicht der Versicherungen nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Aber selbst ihr vierjähriger Enkel sei schon ein echter Lama-Fan, schwärmt Schneider. Aber auch ein 84-Jähriger nutzte kürzlich die Lama-Tour. „Die Tiere passen sich dem Menschen an“, sagt Schneider. Im Fall des rüstigen Rentners tippelte das Lama in ebenso kleinen Schritten wie der Pensionär. Um Kontakt zu Kindern aufzunehmen, würden die Lamas wiedeurm den Kopf senken. „Die gehen stets auf Augenhöhe“, sagt Schneider, die sich mit viel Hingabe um ihr Quintett kümmert, sie versorgt und im Sommer ihnen das Fell schert.

Die Therapie-Tiere seien speziell geprägt auf ihre Arbeit mit Menschen, sagt Schneider. Das allgemein gefürchtete Spucken der Lamas sei ihren Tieren fremd. „Lamas nutzen das Spucken zum Kennzeichnen der Rangordnung in der Herde“, erklärt Schneider. Wer mit den Tieren arbeitet, sollte nicht Teil der Herde sein. Und man sollte sie auch niemals ärgern. Da verstehen sie keinen Spaß. Ansonsten aber schon.

 

 

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