zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

22. November 2017 | 10:21 Uhr

Seelsorge ist in der Kaserne gefragt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dorothea Brand hat in Eutin das Amt der Militärpfarrerin übernommen

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 13:24 Uhr

Ihre offizielle Amtseinführung durch den Leiter des Evangelischen Militärdekanats Kiel, Armin Wenzel, wird zwar erst am 13. November stattfinden. Doch Militärpfarrerin Dorothea Brand scheint sich bereits in ihre neuen Aufgaben in Eutin eingefunden zu haben. „Auf der Seelsorge liegt ein deutlicher Akzent meiner Arbeit, und das beginnt schon zu wachsen, obwohl ich noch nicht lange da bin“, berichtet die 62-jährige Nachfolgerin von Jan-Dirk Weihmann, der seit August Gemeindepfarrer im niedersächsischen Hohne ist.

Als Militärseelsorgerin hat Dorothea Brand bereits einige Erfahrung. Achteinhalb Jahre hat sie die Militärkirchengemeinde Munster betreut. Zuvor war sie 25 Jahre lang Gemeindepastorin im nordrhein-westfälischen Bega, das zur Lippischen Landeskirche gehört. Dieser Landeskirche gehöre sie auch heute noch an, sagt Dorothea Brand, die in Wuppertal geboren und aufgewachsen ist. Denn für den Dienst bei der Bundeswehr sei sie lediglich freigestellt. Derzeit ist sie Bundesbeamtin auf Zeit.

„Wir haben eigentlich zwei Hüte auf“, sagt die Pfarrerin. Auf der einen Seite stehe die pastorale Seelsorge, etwa in Gestalt von Gottesdiensten, Gesprächen oder sogenannten Rüstzeiten, bei denen mit den Soldaten oder auch ihren Familien über Sinn- und Wertfragen gesprochen wird. Auf der anderen Seite steht der sogenannte lebenskundliche Unterricht, der seit 2010 für alle Soldaten verpflichtend ist. Dabei geht es um ethische Bildung, nicht um Religionsunterricht. „Tod und Sterben“ oder „Verantwortung übernehmen“, lauteten etwa Themen, die sie dabei mit den Soldaten bespreche.

Zuständig ist Dorothea Brand für etwa 1100 Soldaten in der Rettberg-Kaserne sowie an den Standorten Putlos und Todendorf. Ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Seelsorgerin fallen die Zivilangestellten. Das kann im schlimmsten Fall bedeuten, Angehörigen eine Todesnachricht zu überbringen, wenn ein Zivilangestellter im Einsatz ums Leben gekommen ist.

„Die Begleitung von Soldaten und ihren Familien begeistert mich einfach“, sagt Dorothea Brand. Und wenn sie in Eutin schon nach kurzer Zeit als Seelsorgerin gefragt ist, liegt das wahrscheinlich auch daran, dass Soldaten bei Fragen nach Leben und Tod berufsbedingt offenbar schnell zum Punkt kommen. „Es vergeht nicht viel Zeit, bis man im Gespräch und bei den Kernproblemen ist“, weiß die Theologin aus Erfahrung. Das sei der Unterschied zu einer Kirchengemeinde. Dort gehe es zwar auch um existenzielle Fragen, andere Themen spielten daneben aber eine viel größere Rolle. Die Soldaten beschäftigten sich mit allen möglichen Lebensfragen, es gebe keine Grenzen, was die Themen angehe. Aber es gibt Schwerpunkte: zum einen Probleme durch Wochenend- und Fernbeziehungen, zum anderen Schwierigkeiten im Umgang mit Vorgesetzten.

Weit über den Standort Eutin hinaus geht die Begleitung von Soldaten, die im Einsatz zu Schaden gekommen sind, und ihrer Familien. In Seminaren kümmert sich Dorothea Brand etwa um traumatisierte Soldaten aus dem ganzen Bundesgebiet. „Das ist eine sehr bewegende Arbeit“, sagt sie.

Ihren Weg zur Bundeswehr gefunden hat die Pfarrerin übrigens durch einen ganz anderen Bereich. „Ich habe in Bega ganz viel Arbeit mit Kindern und jungen Familien gemacht.“ Als ihr damaliger Chef der Landeskirche das Amt des Militärbischof in Berlin übernommen habe, habe der jemanden gesucht, der in Munster die Arbeit mit Kindern und Familien aufbaue. „Das bringe ich hier gerne mit ein“, sagt Dorothea Brand. Wichtig sei ihr besonders, den Familien der Soldaten beim Umgang mit Auslandseinsätzen zu helfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen