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Geburtstag und Dienstjubiläum : Seelsorge in einer „klasse Armee“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Pastoralreferent Michael Veldboer kümmert sich in der Marineunteroffizierschule um das Seelenheil der Bundeswehrsoldaten. Er hat sich bewusst gegen das Priesteramt und den damit verbundenen Zölibat entschieden.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Vor etwa mehr als acht Jahren kam des Erzbistum auf Michael Veldboer zu: Ob er sich nicht verändern wolle, lautete die Frage an den Pastoralreferenten. Fast zehn Jahre hatte er da als erster katholischer Notfallseelsorger gearbeitet – im Marienkrankenhaus, dem größten katholischen Krankenhaus Norddeutschlands. Parallel war er Lehrer im außerschulischen Religionsunterricht.

Das Erzbistum fragte an, ob Veldboer nicht als Militärseelsorger arbeiten wolle. Veldboer reagierte überrascht auf die Offerte: „Watt? Ich hab wirklich ,watt‘ gesagt“, erinnert er sich heute lachend. Veldboer machte sich die Entscheidung nicht leicht. Drei Mal hospitierte er an seinem künftigen Arbeitsplatz, im Spätsommer 2005 entschied er sich schließlich, den Dienst anzutreten.

Heute ist der Pastoralreferent als katholischer Militärseelsorger für drei maritime Standorte im Norden zuständig: das Einsatzausbildungszentrum zur Schiffsicherung in Neustadt, das Ausbildungszentrum U-Boote in Marienleuchte auf Fehmarn und die Marineunteroffizierschule (MUS) in Plön. Am Freitag, 11. Oktober, feiert er seinen 50. Geburtstag und sein 25. Dienstjubiläum als Pastoralreferent. Um 10 Uhr wird Dr. Jürgen Wätjer, Regens und Personalreferent des Erzbistums Hamburg, aus diesem Anlass in der Provisorischen Aula der MUS
eine Eucharistiefeier abhalten (Besucher sollten einen Personalausweis bereithalten). Anschließend gibt es einen Empfang im privaten Rahmen.

Zu den Aufgaben Veldboers, der dem katholischen Militärbischofsamt in Berlin untersteht, gehören die Familienbetreuung und der sogenannte lebenskundliche Unterricht. Er soll Lehrgangsteilnehmer anleiten, ethische Probleme wahrzunehmen, sittliche Urteile zu begründen und die eigene Haltung zu reflektieren. Doch das ist nicht alles: „Es ergeben sich natürlich seelsorgerische Kontakte“, berichtet Veldboer, der in seiner Hamburger Zeit eine Weiterbildung zum heilkundlichen Psychotherapeuten absolviert hat. Derzeit begleitet er zwei Soldaten auf ihrem Weg, Katholiken zu werden.

Er wird auch mit vielen Schattenseiten des Soldatenlebens konfrontiert: etwa familiären Problemen durch große Entfernungen zum Dienstort, sexuelle Übergriffe, Probleme mit Vorgesetzten, Diskriminierungen am Arbeitsplatz, bis hin zu „Grenzerfahrungen des Lebens“, wie es Veldboer nennt: So sei es ihm beispielsweise gelungen, einen gemeinschaftlichen Suizid zu verhindern.

Trotz aller menschlichen Probleme: Von der Bundeswehr ist der Seelsorger ziemlich überzeugt, spricht von einer „klasse Armee“. Und das hat auch mit seiner eigenen Geschichte zu tun. Es ist kein Zufall, dass Veldboer, der erst im Mai 2013 zum zweiten Mal geheiratet hat und mit seiner Frau Enja in Plön lebt, nicht Priester, sondern Pastoralreferent geworden ist – Volltheologe, aber eben nicht geweiht.

„Der Zölibat wäre Grund Nr. 2 gewesen“, sagt Veldboer. Der Hauptgrund: „Ein Priester verspricht dem Bischof und seinem Nachfolger ,unbedingten Gehorsam‘. Das lehne ich ab.“ Der Staatsbürger in Uniform leiste dageben lediglich „bedingten Gehorsam“. „Diese Formel gibt es in keiner anderen Armee, das sag ich auch immer den Soldaten hier“, erklärt Veldboer. Es gebe die Möglichkeit, nein zu sagen, und davon machten Soldaten bei Auslandseinsätzen auch Gebrauch. Deshalb sei er stolz auf die Bundeswehr.

Der Seelsorger ist übrigens nicht nur überzeugter Anhänger der Bundeswehr, sondern auch überzeugter Deutscher, wie er von sich selbst sagt: Sein Vater habe zwar in Deutschland gelebt, sei aber ein waschechter Holländer gewesen, berichtet der gebürtige Nordhorner, der seine niederländische Abstammung aufgrund seines Nachnamens kaum verbergen kann. Als er sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden habe, habe er dies mit der dritten Strophe des Deutschlandlieds begründet.

Die anfängliche Skepsis gegenüber der Militärseelsorge ist inzwischen der Überzeugung gewichen, richtig entschieden zu haben. „Alles in allem hab ich diesen Schritt nie bereut“, sagt Veldboer im Rückblick. Er ist sich sicher, dass er diese Aufgabe mindestens vier weitere Jahre fortführen will. „Ich werde hier bleiben. Das steht fest“, sagt der 49-Jährige und fügt ein „So Gott will“ hinzu.

 

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