Eutin : Schwimmhalle wird fit gemacht für 20 Jahre

Fassade ist fertig: Roland Blömer (links) und Andreas Bünger an der Baustelle.
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Fassade ist fertig: Roland Blömer (links) und Andreas Bünger an der Baustelle.

Gute Nachrichten von der Baustelle zur Halbzeit: Bei der Sanierung der Eutiner Schwimmhalle liegen sowohl der Fortschritt als auch die Kosten im Plan.

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06. November 2009, 10:28 Uhr

Eutin/ | Schön warm ist es. Doch es ist nicht die typisch schwülfeuchte Luft. Und statt des Chlors liegen Ausdünstungen von Lösungsmitteln in der Luft. Die Schwimmhalle ist seit Beginn der Sommerferien eine riesige Baustelle. Bis Ende Januar soll das gut vier Millionen Euro teure Projekt abgeschlossen sein, und Projektleiter Roland Blömer von einem Lübecker Ingenieur-Büro ist zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten wird.

Ein Gang über die Bau stelle macht deutlich, was Blömer und Stadtwerke-Leiter Andreas Bünger im Gespräch zuvor erklärt haben. Die Liste dessen, was bei der Sanierung nicht angepackt wird, wäre kürzer.

"Man kann es in drei Bereiche unterteilen", sagt Blömer, "eine komplett neue Fassade, eine neue Gebäudetechnik und der Einbau eines Aufzuges, der sowohl für Gehbehinderte als auch als Rettungsaufzug genutzt werden kann, wenn zum Beispiel eine Person liegend transportiert werden muss."
Die Liste der Gebäudetechnik kostet mehr Atem
Die Fassade - dazu gehören Fenster, Verkleidung und Dämmung - ist weitgehend fertig, auch der Aufzug eingebaut. Das Dach war vor ein paar Jahren erneuert worden.

Die Liste der Gebäudetechnik kostet etwas mehr Atem: Dazu zählen Heizungsanlage, eine neue Lüftungsanlage, Sanitär-Bereiche und die umfangreiche Schwimmbadtechnik (Wasser-Umwälzung und Filteranlagen).

Böse Überraschungen hätten sich bisher in Grenzen gehalten. "Unerwartete Mehrkosten werden maximal fünf Prozent der ursprünglich kalkulierten Summe ausmachen", versichert Blömer. Zu solchen Überraschungen hätten vereinzelt marode Betonbauteile gehört, aber auch der Zwang, einen neuen Lüftungsschacht an einer Wand zu installieren, weil der vorhandene Schacht im Boden aus statischen Gründen nicht erneuert werden konnte.
"Wir mussten mit der Planung für diesen Bereich neu beginnen"
Von Überraschungen verschont blieb der Bauherr bei Altlasten: Ein Schadstoff-Gutachten sowie die Beseitigung kleiner Mengen von Asbest und PCB sowie alter Steinwolle hätten zusammen 100.000 Euro gekostet.

Wirkung ganz anderer Dimensionen hatte da nach Blömers Worten, dass vor genau einem Jahr eine neue Baunorm erlassen worden sei: Flächen in Feuchtbereichen müssten neuerdings eine Neigung von mindestens drei statt bisher zwei Grad haben, damit Wasser schneller ablaufe. "Unsere Planung war fertig, für diesen Bereich mussten wir vollkommen neu beginnen, denn drei Grad Neigung lassen sich auf großen Flächen nicht durch eine Gefällfläche herstellen."

Nun gibt es in Umkleideräumen und Duschen viele kleine "Hügel" und "Täler" und eine deutlich höhere Zahl an Abläufen, die eine entsprechend größere Zahl an Rohren erfordert.
"Es wird eine Anpassung der Eintrittspreise geben"
Besonders aufwändig ist nach Blömers Darstellung die neue Schwimmbadtechnik. Mit einer neuen Filteranlage werde es aber möglich sein, zwischen 90.000 und 100.000 Euro pro Jahr an Abwassergebühren zu sparen. Damit werde sich die neue Filteranlage in spätestens fünf Jahren amortisiert haben.

Abwassergebühren sind indes, wie An dreas Bünger ergänzt, nicht die einzigen Einsparungen. Hinzu komme eine absehbare Senkung der Heizkosten als Folge der neuen, deutlich besser gedämmten Fassade und Lüftung sowie durch eine Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser.

Bei rund 600.000 Euro habe der jährliche Zuschuss für die Schwimmhalle gelegen, ein Drittel weniger soll es mindestens nach der Wiedereröffnung sein. Allerdings wird auch an eine Erhöhung der Einnahmen gedacht: "Es wird eine Anpassung der Eintrittspreise geben", kündigte Bünger an. Das Eintrittsniveau in Eutin sei aber sehr niedrig.
"Das Bad wird es die nächsten 20 Jahre hier geben"
Neben der ganzen Technik im Verborgenen wird der Badegast ab Februar - sofern der Zeitplan eingehalten wird - die Folgen des Umbaus sehen: Neue Sanitäreinrichtungen und Umkleideräume, außerdem erhalten Zugang und Ausgang getrennte Treppen, damit es nicht mehr zu Engpässen für Gruppen im "Begegnungsverkehr" kommt. Der Kassenautomat kommt in den ersten Stock direkt an das neue Domizil der Schwimm-Meister, die dann unmittelbar helfen können, wenn es bei der Bedienung Probleme gibt.

Ein Teil des ehemaligen Cafés wird Multifunktionsraum, nutzbar beispielsweise für Unterricht oder Kindergeburtstage. Im Erdgeschoss wird es einen Raum geben, in dem bei Sportveranstaltungen ungestört Ergebnisse errechnet werden können.

Das Konzept des Bades sei auf Sport- und Schulbad ausgerichtet. Die Hälfte der jährlich rund 90 000 Besucher seien Schulklassen, Sportvereine sowie Bundeswehr und Polizei, sagt Bünger. Für sie alle sei die aktuelle, zwischen 4,14 und 4,2 Millionen Euro teure Sanierung ein klares Signal: "Das Bad wird es die nächsten 20 Jahre hier geben."

Angesichts dieser Perspektive wachse vielleicht auch das Interesse von Mietern. Der ehemalige Saunabereich könnte ebenso vermietet werden wie die ehemalige Gastronomie.

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