Schwere Aufgabe: Neuer Vorstand der WVE muss einen

Der neue WVE-Vorstand: Joachim Bogs (v. hinten li), Thomas Menke, Vorsitzender Hans-Wilhelm Hagen und – neu dabei – Jan Thaysen. Carsten Hinz war nicht anwesend.
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Der neue WVE-Vorstand: Joachim Bogs (v. hinten li), Thomas Menke, Vorsitzender Hans-Wilhelm Hagen und – neu dabei – Jan Thaysen. Carsten Hinz war nicht anwesend.

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02. März 2017, 00:24 Uhr

Die Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) hatte extra die Öffentlichkeit im ersten Teil der Jahreshauptversammlung ausgeschlossen, damit mögliche Unstimmigkeiten frei geäußert werden können – „ohne, dass Sie fürchten müssen, dass dies morgen in der Zeitung steht“, verkündete der am Dienstagabend gewählte neue Vorsitzende Hans-Wilhelm Hagen. Und dann krachte es doch im öffentlichen Teil nach der Verabschiedung des langjährigen Vorsitzenden Klaus Hoth (Text oben).

Thorben Junge, auch Mitbegründer der Bürgerinitiative zum historischen Erhalt der Innenstadt, sprach die hinter vorgehaltener Hand viel diskutierte Spaltung der WVE öffentlich an: „Ich glaube, Ihnen geht der Draht zu den Mitgliedern verloren. Herr Menke, Sie sind der da oben, der Platzhirsch. Die Menschen haben Angst vor Ihnen. Und Herr Hagen, Sie sind der Rentner, der nicht einmal aktiv im Geschäft ist. Das mag böse klingen, aber ich gebe nur wieder, was ich aus Gesprächen wahrnehme. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, weil wir dann alle etwas davon haben. Aber das sollte mal ein Denkanstoß sein.“

Diese Wahrnehmung wollte Thomas Menke nicht teilen: „Innenstädte funktionieren mit einem Magneten und den Fachgeschäften ringsherum. Das haben die Kollegen erkannt und das haben wir als Kaufhaus seit langem erkannt. Die Feinde sitzen ganz woanders, das wissen Sie. Der erste Feind ist das Internet und der zweite sitzt auf der grünen Wiese.“ Das rief Finn Pitzner auf den Plan, der appellierte, keine alten Gräben aufzureißen („wir hatten doch Frieden geschlossen“). Menke wiederum betonte, dass es den Leerstand erst begonnen habe, als die Geschäfte sich auf der grünen Wiese angesiedelt hätten. Menke: „Wir müssen den Leuten eine ganz andere Innenstadt bieten, eine, die sich von den anderen abhebt.“

Detlef Zinn erinnerte daran, dass es zwei Gruppen von Kaufleuten in der Stadt gebe – ein Teil sei in der WVE, ein anderer nicht: „Aber auch die brauchen einen Platz in der WVE, denn nur eine starke Gruppe, wie wir sie gehabt haben, kann die Aufgaben bewältigen, die vor uns liegen.“

Hinter vorgehaltener Hand hieß es, der kurze Schlagabtausch durch Thorben Junges Äußerung habe erst die Spitze des Eisbergs sichtbar gemacht und es werde für den neuen Vorstandes eine schwere Aufgabe sein, alle Mitglieder wieder zu einen.

Ebenfalls kritisiert wurde der Informationsfluss: „Seit Jahren wird uns Kommunikation versprochen, aber vieles findet bei uns einfach über die Zeitung statt und nicht im direkten Dialog“, kritisierte Henning Klotz vom Teeladen, der sich mehr Informationen, insbesondere auch nach den Baustellenmanager-Treffen, wünschen würde. Die Reaktion von Hagen und Menke war ernüchternd: Zum einen könne das jetzt nicht geleistet werden und deshalb seien regelmäßige Morgenmeetings geplant; zum anderen erhoffe er sich eine Verbesserung durch eine bald einzustellende Sekretärin, die solche Aufgaben für die WVE übernehmen könne, erklärte Hagen.


Stadtsanierung: Rosengarten first


Für eine Überraschung sorgten die Wortbeiträge der Baustellenmanager Hans-Wilhelm Hagen und Thomas Menke aus dem WVE-Vorstand, die derzeit in Gesprächen mit Vertretern der Politik positive Signale wahrnehmen, „die Stadtsanierung nach der Peterstraße zu überdenken“. Sie führten Gespräche, ob eine Aufwertung der Straße Am Rosengarten nach der Sanierung der Peterstraße nicht sinnvoller sei, als anschließend mit dem noch intakten Markt weiterzumachen. Menke: „Wir stellen uns im Rosengarten eine Verkehrsmischfläche vor, auf der Autofahrer, ähnlich wie am Strand, auch flanieren können. Die Anwesenheit der Grünen am Dienstagabend deutete Menke als Signal, dass auch sie bereit seien, über eine abgespeckte Variante mit der WVE zu sprechen. Die Zusammenarbeit mit Stadt, Planern und Bürgermeister lobten die beiden Baustellenmanager als „sehr konstruktiv“.


Vorstandswahlen


Hagens Werben war erfolgreich: Neu in den Vorstand gewählt wurden Rechtsanwalt Carsten Hinz für den ausgeschiedenen Ingo Gerwanski von der Sparkasse sowie der bisher eher unbekannte Jan Thaysen (39) von der gleichnamigen Bäckerei, der künftig den Schatzmeisterposten von Hans-Wilhelm Hagen übernehmen wird, der nun Vorsitzender ist. Außerdem im Vorstand bestätigt wurden Joachim Bogs und Thomas Menke. Zudem erklärte sich Ulfert Georgs (Eisbahnbetreiber) bereit, den ins Leben gerufenen Veranstaltungsausschuss in die Hand zu nehmen. Hagen betonte noch einmal die große Bedeutung des städtischen Zuschusses (15  000 Euro) zur Lichterstadt, ohne den die WVE diese Aktion zur Weihnachtszeit für insgesamt fast 50  000 Euro nicht stemmen könne. Hagens Wunsch: „Vielleicht finden wir einen Weg, damit wir künftig nicht fünf oder sechs Sitzungen benötigen, um den Zuschuss zu bekommen.“

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