Schweizer Orgelkunst im Norden

Die Orgel wurde 1987 gebaut. Das Instrument sitzt in einem Eichengehäuse, die Prospektpfeifen tragen etwas Blattgold.
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Die Orgel wurde 1987 gebaut. Das Instrument sitzt in einem Eichengehäuse, die Prospektpfeifen tragen etwas Blattgold.

Das Instrument der Firma Metzler sorgt seit 31 Jahren für klare Klänge in St. Michaelis / Ansicht und Stil sind dem Barock nachempfunden

shz.de von
03. August 2018, 16:03 Uhr

„Das Instrument ist sowohl handwerklich als auch technisch so solide, wie ich es selten erlebt habe.“ Antje Wissemann schwärmt von der Orgel der St.-Michaelis-Kirche in Eutin. Das Instrument sei so gebaut worden, dass keine jährliche Wartung nötig sei. Alle paar Jahre reisten Mitarbeiter der schweizer Firma nur für eine Innenreinigung des Instruments an, sagt die Kantorin. Das Stimmen der Zungenpfeifen im Rückpositiv (an der Empore) könne sie auch selbst vornehmen. Die Zungenblätter in den Pfeifen reagieren schnell auf Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Alle anderen Pfeifen seien der Tonhöhe entsprechend „auf Länge geschnitten“ worden.

Die Orgel besteht aus einem Hauptwerk, zwei Pedaltürmen und einem Rückpositiv. Pfeifen, Technik und einige Blasebalge sind von massiver Eiche umschlossen. Das Gehäuse ist bei seiner Herstellung an der Oberfläche von Hand gehobelt worden, ansonsten völlig unbehandelt geblieben. Warum, das erklärte Wissemanns Vorgänger Martin West 1987. In der Broschüre zur Einweihung des Instrumentes schrieb der frühere Kantor, die Orgel solle im Laufe der Jahre nachdunkeln.

Das Instrument sieht Wissemann optisch und stilistisch an die Barockzeit angelehnt. Optisch ähnelt die Metzler-Orgel mit ihren
zwei freistehenden Pedaltürmen der Caspary-Orgel von 1739, wie es eine Rekonstruktion auf der Rückseite der Orgelbroschüre von 1987 zeigt. Das Instrument sei stilistisch ebenfalls barock angelegt, für Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, etwa wie die der Komponisten Johann Sebastian Bach und Dietrich Buxtehude. Doch auch Werke der frühen Romantik und ebenso der Neuzeit sind
der Kantorin zufolge auf dem Instrument gut zu spielen.
   Die Metzler-Orgel folgte auf eine Orgel der Lübecker Firma Kemper, deren Instrumente unter anderem durch ihre Schwergängigkeit bei Organisten und Musikern berüchtigt waren.

Seit 1987 erfüllen nun andere Klänge das Kirchenschiff. Die 36 Register sind Wissemann zufolge elementar angelegt. „Es gibt kei-
nen technischen Schnickschnack.“ So sei beim Bau auf eine Setzeranlage zur Vorauswahl von Registerkombinationen, und auf Schweller, um Crescendi und anderes zu erzeugen, verzichtet worden. Was manch ein Orgelvirtuose vermissen mag, formuliert Wissemann positiv so: „Ab einer gewissen Registerauswahl muss man klare Klangvorstellungen entwickeln, weil man eben nicht die Möglichkeit hat, zehn Register gleichzeitig zu ziehen oder die Auswahl vorher digital speichern zu können.“ Wissemann bescheinigt der Metzler-Orgel eine „schöne Grundtönigkeit“, die auch bei den hochliegenden Registern, die Kantorin spricht von Silbrigkeit, erhalten bleibe.

Hätte die Musikerin einen Wunsch frei, dann wünschte sie sich Spielhilfen (Manualkoppeln), die alternativ mit Händen oder Füßen zu bedienen wären. Dann könne sie die Tastaturen per Hand oder eben auch mit dem Fuß koppeln.

Die Orgel in St. Michaelis war die einzige, die Metzler im norddeutschen Raum baute, schrieb 1987 der damalige Orgelsachverständige der Nordelbischen Kirche, Immo Wesnigk. Neun Jahre später baute die Schweizer Firma in Hamburg-Fuhlsbüttel eine weitere, andere listet die Firma auf ihrer Internetseite für den Norden Deutschlands nicht auf.

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