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Vor etwa 11 Millionen Jahren : Schwammen Orcas in der Ostsee?

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Peter Rehder hat am Ostseeufer von Fehmarn den mehr als 3000 Jahre alten Wirbelknochens eines Schwertwales entdeckt

Etwa elf Millionen Jahre alt ist das versteinerte Skelett eines 15 Meter langen Barten-Wals, das im Oktober vergangenen Jahres bei Groß Pampau im Herzogtum Lauenburg entdeckt und dieser Tage vollständig freigelegt wurde (wir berichteten). Deutlich jünger ist ein Walknochen, den Peter Rehder aus Schönwalde vor 20 Jahren am Strand von Fehmarn gefunden hat: Gut 3100 Jahre hat eine Radiokarbon-Untersuchung ergeben. Für Biologen wie Historiker ist dieser Fund trotz des vergleichsweise geringen Alters eine kleine Sensation. Sie wirft die Frage auf, ob es vor 3000 Jahren mächtige Schwertwale, die auch unter dem Namen Orcas bekannt sind, in der Ostsee gegeben hat?

Die Zufallsentdeckung hat das Leben Peter Rehders verändert. Es war im Februar 1993, als der damals beruflich noch aktive Bankkaufmann mit seiner Frau Ilse an der fehmarnschen Küste spazieren ging. Am Westermarkelsdorfer Huk entdeckten die beiden im Spülsaum einen auffälligen Knochen.

Rehder erinnert sich: „Nun war die Spannung groß, von welchem Tier der sein könnte. Rumfragerei bei einschlägig interessierten Leuten brachte mich nicht weiter. Also fuhr ich zur Universität nach Kiel.“ Da sagten ihm zwei Professoren ohne Umschweife: Das sei der erste Nackenwirbel eines Schwertwales.

Der Fund hatte Folgen: Ein paar Monate später machten sich zwei Forschungstaucher an der Fundstelle auf die Suche nach weiteren Knochen des Walskeletts. Die blieb erfolglos. Einer der beiden war Sönke Hartz, der Archäologe, der zunächst im Oldenburger Graben am Rosenhof eine spannende Grabung unternahm und anschließend auf dem Grund des Neustädter Hafens in eine Siedlung der Steinzeit abtauchte. Zehn Jahre lang war Rehder, nachdem er Sönke Hartz durch den Knochenfund kennengelernt hatte, ehrenamtlich als Grabungshelfer bei Hartz tätig. Neben Projekten des Naturschutzes als Hobby hatte sich damit für Rehder eine weitere Freizeitbeschäftigung aufgetan.

20 Jahre nach der Entdeckung des Walknochens auf Fehmarn hat sich Peter Rehder Gewissheit geholt, dass der Wirbelknochen des Wales aus der Steinzeit stammt: Zwei unabhängige Radiocarbon-Untersuchungen – sie ermitteln das Alter von organischen Stoffen anhand des Zerfallsprozesses von Kohlenstoff-Atomen – ergaben ein Alter zwischen 3105 und 3185 Jahren.

Das führt zu der Frage, ob diese große Walart, die im Kino als „Killer-Wal“ bekannt wurde, in früherer Zeit einmal in der Ostsee heimisch war? Eine absolut sichere Antwort gibt es nicht, eher eine begründete Vermutung: In der Ostsee habe es immer wieder einmal Funde von größeren Walarten gegeben. Das seien wahrscheinlich verirrte Einzeltiere gewesen, erfuhr Peter Rehder von Dr. Robert Sommer vom Institut für Natur-und Ressourcenschutz der Kieler Universität.

Das Thema Wale in der Ostsee lässt Peter Rehder natürlich nicht mehr los. Nun interessiert ihn, wer ebenfalls Knochen gefunden hat, die einem Wal zugeordnet werden könnten. Über Anrufe unter 04528/251 würde sich Peter Rehder freuen.

 

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erstellt am 11.Aug.2014 | 11:33 Uhr

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