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Schulsozialarbeit: „Ein Ball für alle Fälle“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zehn Jahre Modellprojekt in der Schulsozialarbeit durch das Lütjenburger SOS-Kinderdorf im Kreis Plön / Viel Lob von Plöns Kreispräsident Peter Sönnichsen

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erstellt am 05.Feb.2016 | 14:55 Uhr

Es sind längst nicht mehr nur die „Schulschwänzer“, mit denen sich die Schulsozialarbeiter des SOS-Kinderdorfes in Lütjenburg Tag für Tag beschäftigen. Es sind vielmehr die, die aus welchen Gründen auch immer, nicht zur Schule gehen, die aggressiv werden, andere mobben oder selbst gemobbt werden. Oder die, die nach Familienproblemen einfach nur Hilfe brauchen.

2005 startete die Schulsozialarbeit des SOS-Kinderdorfes als landesweit einmaliges Pilotprojekt am Schulzentrum in Lütjenburg. Heute sind die Mitarbeiter an 15 Schulen im Kreis Begleiter, Mittler und Unterstützer der Schüler, aber auch der Eltern und Lehrer – als „Ball für alle Fälle“, wie Martin Wiens als Bereichsleiter Schulsozialarbeit es ausdrückt.

Betreut werden von den mittlerweile 17 Mitarbeitern aus dem Bereich Schulsozialarbeit neben Lütjenburg auch Schulen in Preetz, Plön und Schönberg, von der Grundschule, über Gemeinschaftsschulen, Ganztagsschulen oder Förderschulen bis zum Gymnasium. „Die Probleme“, sagt Wiens, „sind an sich immer die gleichen und doch immer wieder verschieden.“ Das fängt bei der Schul-Angst an, ausgelöst durch Versagensängste, durch Mobbing oder durch Schwierigkeiten in der Familie. „Ich kann nicht sagen, dass beispielsweise die Gewalt mehr geworden ist, aber sie ist intensiver geworden.“ Ein eher neues Feld ist der Bereich des „Cyber-Mobbings“, das Bloßstellen einer Person über das Internet, durch Handy oder in den sozialen Plattformen.

„Wir sehen uns in erster Linie als Mittler zwischen den Schülern, von denen wir mittlerweile oft selbst angesprochen werden, mit Lehrern und Eltern oder auch dem Jugendamt und der Familienhilfe“, so Wiens weiter. Konflikte aus den Familien oder von der Straße würden in die Schulen getragen. „Die Schule als Lernort ist heute auch Lebensort, was früher in den Familien ausgetragen wurde, wird heute in die Schulen verlagert.“ Neben Gewalt, Drogenkonsum oder Mobbing äußern sich die Probleme dann zum Beispiel auch in Essstörungen der Schüler oder auch Selbstverletzungen. Mangelnde soziale Kompetenzen verlagerten sich zunehmend in die Schulen hinein und stellten diese vor erhebliche Herausforderungen.

In erster Linie sehen sich die Schulsozialarbeiter als „Kümmerer“ und „Streitschlichter“. Das fängt beim „Herzausschütten“ an, geht über das Beratungsgespräch im Ruheraum mit Kuschelecke zum Abschalten bis zum knallroten Boxsack zum „Abarbeiten“ von Aggressionen. „Wo kann man Spielregeln besser lernen und ,Kämpfe’ austragen als beim Tischfußball“, beschreibt Martin Wiens die Bandbreite der Möglichkeiten. „Die Probleme sind meist mehr als komplex und nie eines“, weiß er. Die der „Schwachen“ seien andere, als die der „Starken“, entsprechend müsse man auf die Jugendlichen zugehen.

Die Sozialarbeiter kümmern sich aber auch um die „Pausenengel“ und „Streitschlichter“ unter den Jugendlichen selbst, um die als Sanitäter Ausgebildeten oder die „Handyscouts“, die möglichst frühzeitig auf entsprechendes Mobbing hinweisen sollen. Das sind Schüler, die sich für andere engagieren. Allen zusammen geht es darum, die Schüler „fit zu machen für das Leben“.

„Die Schulsozialarbeiter haben ihre Ohren, ihre Augen, ihre Nase bei den Schülern, setzten sich für sie ein, setzen Grenzen aber schaffen gleichzeitig Freiräume“, beschrieb es Einrichtungsleiter Dirk Baumann. Schulsozialarbeit sei nicht nur die „Feuerwehr“, sie fördere auch zusammen mit den Lehrern die Persönlichkeiten, fungiere als Vermittler und arbeite mit einzelnen Schülern, mit Gruppen und Klassenverbänden. Letztlich seien „Schulsozialarbeiter die Experten für soziales Lernen“, so Dirk Baumann

Hinzugekommen ist ein weiteres Gebiet, die (Nachmittags)-Arbeit an den Offenen Ganztagsschulen. „Gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien können somit die Chance erhalten, Bildung umfassender und in einem erweiterten Sinnen zu erfahren und ganztägig zu lernen.“

Als „unwahrscheinlich wichtig“ sieht auch Kreispräsident Peter Sönnichsen die
Arbeit der Schulsozialarbeiter, wie er anlässlich einer Feierstunde zur zehnjährigen Arbeit des SOS-Kinderdorfes betonte. Da habe sich viel geändert. „Die Schulsozialarbeit ist mehr als wichtig, das Klassengefüge zu erhalten, innerhalb der Schülerschaft auch für Ausgleich, gegebenenfalls auch für Ordnung zu sorgen.“ Wichtig sei dabei, dass dies von einer Einrichtung geleistet werde und nicht jede Schule für sich regelt. Dadurch sei eine übergreifende Arbeit sichergestellt. „Deswegen sind wir als Kreis auch froh, dass es so etwas gibt.“ Gerade die vielen gesellschaftlichen Veränderungen machten die Schulsozialarbeit notwendig, unterstrich auch Lütjenburgs Bürgermeister Dirk Sohn in seinem Grußwort.

 

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