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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 14:09 Uhr

Schulleiter verärgert über Stillstand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vorwurf: Gymnasien werden bevorzugt – Beschlüsse an WWS bislang nicht umgesetzt / Mangelnde Barrierefreiheit und fehlender Container

Es passiert nicht oft, dass ein Schulleiter mit einem Fragenkatalog das Wort im Schulausschuss ergreift. Sven Ulmer, Schulleiter der Wilhelm-Wisser-Schule (WWS), wusste sich am Dienstagabend nicht anders zu helfen: „Eltern fragen mich ständig, weshalb bei uns nichts passiert, wenn es doch die entsprechenden Beschlüsse gibt.“ Er habe es öffentlich machen wollen und gehofft, auf offene Ohren zu stoßen, immerhin seien bei 825 Schülern und 60 Lehrern rund 2000 Menschen betroffen. Stattdessen wurde die Beantwortung seiner Fragen schnell in die nächste Sitzung verschoben. „Das fand ich schon etwas befremdlich, dass ich da nicht fertig vortragen durfte.“

Die drei größten Sorgen des Schulleiters sind die mangelnde Barrierefreiheit, der fehlende Container und damit ein beschränktes Angebot der Offenen Ganztagsschule (OGS) sowie das fehlende Amokwarnsystem. Mit großem Aufwand habe es im Mai 2014 eine Amokübung an der WWS gegeben, die letztlich an seiner Schule zu keiner präventiven Maßnahme führte. „Die Lautsprecheranlage für wichtige Durchsagen wurden in der Weberschule eingebaut. Warum nicht auch bei uns?“, fragt Ulmer.

Vor dreieinhalb Jahren wurde in den verschiedenen Fachausschüssen der Stadt über eine Containerlösung für den Bereich der offenen Ganztagsschule an der WWS beraten – Ergebnis: Es soll ein Container kommen. Aber: „Auch hier ist nichts passiert. Unsere Warteliste für die Plätze in der OGS ist lang, aber wir können bisher nur rund 40 Kinder aufnehmen und betreuen, alle anderen Eltern müssen sich andere Lösungen für den Nachmittag überlegen.“ Dabei sei das Angebot der OGS-Koordinatorin so gefragt, dass sich fast das doppelte an Kindern dafür interessiert. Das Problem derzeit ist nur, dass durch die große Masse an Flüchtlingen de facto kein Container mehr zu haben ist – nicht für das Budget und mit den entsprechenden Anforderungen, die die Schule braucht, damit es Klassenzimmer-Ersatz sein kann. Die Verwaltung kommt in ihrer Vorlage zu dem Schluss, dass parallel ein Baugenehmigungsverfahren vorbereitet wird. Hinter vorgehaltener Hand wird erzählt, dass der Bau längst hätte stehen können, hätten sich die Stadtvertreter damals zu einer anderen Lösung durchgerungen. Nicht nur wegen des OGS-Angebotes herrsche laut Ulmer Raumnot: „Wir haben derzeit 825 Schüler, davon 58 Flüchtlingskinder an unserem DaZ-Zentrum (Deutsch als Zweitsprache), jede Woche gibt es neue Anmeldungen.“

Fast genauso alt wie das diskutierte Platz- und Container-Problem ist die Frage der Barrierefreiheit. Vor zwei Jahren wurde bereits ein Schüler im Rollstuhl abgewiesen aus mangelnder Barrierefreiheit. „Jetzt haben wir einen Schüler, der glücklicherweise von seinem Umfeld und den Kollegen unterstützt wird. In die Fachräume kommt er dennoch nicht.“ Das sei besonders ärgerlich, weil die mangelnde Barrierefreiheit an Eutins Schulen hinlänglich bekannt sei. Ulmer ärgert, dass die Voß-Schule, „die vorrangig keine Inklusion betreibt“, 150  000 Euro in den Haushalt für einen Fahrstuhl eingestellt bekomme und sich an der WWS trotz Notwendigkeit nichts tue. „Da scheint es, als würden in Eutin die Gymnasien bevorzugt.“

Aus der Verwaltungsvorlage für den gestrigen Bauausschuss geht hervor, dass zumindest Rampen und Geländer zum Ende der Herbstferien eingebaut werden sollen. Für den Fahrstuhl werden verschiedene Angebote eingeholt. Wie lange bis zum Einbau dauert, Ulmer weiß es nicht.

Um einen detaillierten Bericht einschließlich Lösungsvorschlägen und Kosten für Barrierefreiheit an Eutiner Schulen erstellen zu können, fehlt der Verwaltung laut Vorlage derzeit die Kapazität. Stattdessen sollen Haushaltsmittel beantragt werden, um diese Aufgaben extern vergeben zu können.


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erstellt am 07.Okt.2015 | 12:48 Uhr

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